Tourtagebuch

Fort Fun, Bestwig

23. Apr. 2010

von Totte

Ich mag Etagenbetten. Bizarrerweise helfen sie sehr gut in Sachen Erdung: Die ganze Hotel-Rockstar-Tourklischeessache wird durch ein Etagenbett auf eine ganz normale Klassenfahrt heruntergeschraubt, was uns ziemlich gut tut.
Ziemlich energiegeladen wache ich also auf und hüpfe voller Elan vom Hochbett. Da knacken die Knochen und der Tag beginnt gleich ganz anders. Börnski leidet an einem fiesen Husten, ansonsten scheinen sich alle wieder ein wenig regeneriert zu haben. Meine doofen Nasenspülungen hab ich sowieso längst dran gegeben, statt dessen rauche ich lieber mehr und übe mich in nasenbefreiender Hoffnung.
Heute steht kilometertechnisch eine ziemliche Brecherstrecke an, von Stuttgart ins Herz des Sauerlands. Puh.
Kleinere Staus weiten sich glücklicherweise nicht zu einem alles verschlingenden Großstopp aus, dennoch zieht sich alles.
Wir halten nur kurz zwischendurch zwecks Nikotinzufuhr und hören auf der Fahrt die Live-CD von Dendemann, der wirklich immer wieder beeindruckt.
Das Sauerland ist landschaftlich traumhaft; ständig erwartet man, daß Winnetou gleich über die nächste Hügelkette längsgaloppiert.
Tut er zwar nicht, aber wie auch? Ist ja schließlich alles gesperrt, eine völlig nervende Umleitung klaut uns auch noch die restlichen Minuten. Damned!
Um 19 Uhr ist Einlaß und wir gondeln hier durch die Botanik, unser Navi verabschiedet sich permanent und die Synapsen kochen.
18 Uhr 10, endlich Ankunft.
Wir spielen heute in einem denkbar skurrilen Umfeld, nämlich im Western-Freizeitpark Fort Fun, im Saloon. Ziemlich klasse, ein Kindheitstraum der meisten Männer wird somit für uns wahr, einmal Teil einer Cowboyinszenierung zu sein.
Die Veranstalter Gisbert und David sind sehr nett, ersterer hatte am Vorabend – genau wie mein Vater übrigens – Geburtstag und ist in Feierlaune. Congratulations darum.
Wir laden unter Highspeed aus und checken den Sound. Unglaublich, wir haben im Anschluß sogar noch Zeit, etwas durch die – heute geschlossene – Westernkulisse zu flanieren, im Gefängnis schlafe Saufpappgesellen, wie sie gleich einem Mark Twain Roman entstiegen sein könnten, an den Pissoirs zücken sofort gewaltbereite Kopfgeldjäger den Colt und die Bank rüstet sich auf den nächsten Überfall vor.
19 Uhr Einlaß: Prompt ist die Town von Menschen erfüllt, in der untergehenden Sonne laufen zahllose Greenhorns über die Straße und der Sallon füllt sich rasch.
Wir genießen das leckere Catering, dann aber los.
20:15 Uhr – Unser 300tes Konzert:
Wir werden sehr euphorisch empfangen. Das Sauerländer Publikum ist enorm auf Partymodus eingestellt und spricht ziemlich den geistigen Getränken zu.
Rasch wird das ganze eher zu einer Party, spätestens ab der zweiten Hälfte gibt es dann kaum ein Halten: Wir spielen ein Geburtstagsständchen und von der Theke werden uns gleich sechs Sport gereicht: Sport könnte man quasi als inoffizielles Sauerländer Nationalgetränk bezeichnen. Cola/Korn mit einem Schuß Zitrone und der Fähigkeit, sechs hartgesottene Liedermacher in einen sehr albernen Kicherhaufen zu verwandeln. Bei mir schießt der Drink jedenfalls gleich in die Birne, großartig.
Der Abend bekommt so auf jeden Fall enormen Drive, leider leidet unter der allgemeinen Feierlaune der Balladenteil ziemlich, das ist schade. But anyway, wie der Franzose sich zu sagen weigert, bei den Abgehnummern geht’s dafür dann auch wirklich sehr ab. Der Pogo ist beängstigend wild und alsbald stehen alle vor der Bühne und recken die Hände in den Himmel.
Beim letzten Lied bemerken wir, daß wir die Konfettikanonen vergessen haben, aber Burger legt einen rekordverdächtigen Sprint hin und schafft es, sowohl die Kanonen rechtzeitig an den Start zu bringen, als auch zeitig genug zum Klingeln zu kommen. Wow!

Wir spielen heute ein wenig länger als gewöhnlich, das ist eine ziemlich verrückte – teils an Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ – erinnernde Stimmung, ziemlich crazy Konzert in knorker Kulisse. Howdy, howdy, howdy!
Nach dem Konzert ist Disco, die 80er sind back und weitere Sports lassen die Köpfe schwirren.
Bryan Adams, Guns n Roses, Simple Minds undundund, das wird man nostalgisch, wenn auch nicht unbedingt schwärmerisch. Aber es wird getanzt im Fort Fun, ausgelassen und lächelnd.
Wir bleiben noch eine ganze Weile im Saloon, tanzen, trinken, reden, lallen.
Ausschließlich letzteres tu ich dann spätnachts im Hotel in trauter Runde mit Timmey und Labörnski.
Worüber wir uns unterhalten haben, weiß ich nicht mehr genau, aber es war alles wahr und schön und das ist doch auch mal was.
Auf die nächsten 300 Gigs – es geht schon weiter.

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