Tourtagebuch

Batschkapp *Ausverkauft*, Frankfurt am Main

15. Apr. 2010

von Totte

Ein Song der goldenen Zitronen heißt „Zeitschleifen“. Das ist ein toller Song, der – soweit ich ihn richtig verstehe – Beziehungsquerelen beschreibt. Was zugegebenermaßen nichts mit dem folgenden Bericht zu tun hat, aber der Begriff „Zeitschleifen“ passt just gefühlsmäßig perfekt, denn in einer solchen fühle ich mich gefangen, als um 7 Uhr der Wecker klingelt. Übermüdung galore. Was startet heute? Ach ja, die Tour. Beginnend mit dem Megagalopp von Hamburg nach Frankfurt, den wir zu fünft bestreiten: Claudio, Fred, Pensen, Labörnski et moi. Unterwegs natürlich noch Burger eingesackt und – Achtung Neuerung im Monsterkosmos – Abholung von Timmey.
Timmey ist ein alter Freund der Band, zudem hauptberuflich der Merchandisegod of the universe. Er ist der Bürgermeister von Kartetov und war schon auf vergangenen Konzerten unsere Rettung. Jetzt haben wir Knauser uns endlich überwunden, ihn komplett in unseren Troß zu absorbieren, denn erstens bringt uns das eine immense Arbeitserleichterung, zweitens stellt er eine hervorragende Gesellschaft dar und drittens macht touren mehr Spaß umso mehr Leute mit am Start sind. Welcome on board.
Ach ja, auch an Bord übrigens unsere limitierte Vinylsingle „Nur die Anderen können es besser Vol. 1“
Großschnäuzig haben wir ja angekündigt, sie nur auf dieser Tour zu verkaufen, dann haben wir sie bestellt und im Anschluß mal umgerechnet: Wenn wir – was wir aus Fairnessgründen tun müssen - die Platte über die gesamten Konzerte im Angebot haben wollen, müssen wir uns auf den Verkauf von 30 Exemplaren pro Abend beschränken. Ärgerlich, aber aus Fehlern kann man lernen. Und ob Vinyl überhaupt genügend Abnehmer findet, müssen wir sowieso erst noch rausfinden.
Oho, here is Frankfurt.
Das/der/die Batschkapp ist ein voluminöser Club, der uns immer wieder (naja, zum zweiten Mal) unseres Atems beraubt.
Die Crew ist sehr nett und das Catering exquisit. Nicht minder exquisit wie die Lieder von Sven Panne (sven-panne.de), der uns heute freundlicherweise supportet.
Große Wiedersehensfreude, Rüdi läuft ebenfalls auf, es wird a lot gesmoket und Kaffee getrunken. Und daß sich der Club mit so vielen Menschen extrem gut füllt, macht die Sache auch nicht schlechter.
Wir basteln noch ein wenig an unserer Setliste, beziffern die Singles und checken la sound. Monitormensch Carsten ist klasse und der Check ein Klacks.
19:45 Uhr Sven on stage: Mit seinen skurrilen, gefühlvollen, überhaupt großartigen Texten zum Klavier rockt er Frankfurt und läßt Herzen erweichen. Muis bien, wonderful.
Schon bei Svens Auftritt merken wir, daß wir es heute mit einem absoluten Sahnepublikum zu tun haben: Derart freundlich, konzentriert und offen wie es nur selten spürbar wird. Hoffentlich bleibt das so schön.
Und es bleibt:
20:20 Monstershow.
Was für ein gnadenlos schöner Tourstart! Die Stimmung greift sofort über und erfüllt den Raum mit einer Wahnsinnsatmosphäre. Wir sind schnell gelöst und herrlich albern, glücklicherweise ohne die oftmals damit verbundene Ausuferung.
Man kann das gar nicht beschreiben, ohne einschmeichelnd devot schleimig zu klingen (it sounds cheesy, you mofo!), aber heute ist der Funke sofort da, der den Abend entzündet und die Luft zum klirren bringt.
Gerade bei den ruhigeren Stücken kann man Stecknadeln fallen hören, ohne daß dafür bei den Partysongs Stimmung fehlen würde. Durchdrehen und zuhören, eine teuflisch gute Mixtur!
Es wird sehr viel gelacht, enorm viel mitgemacht und es kann nur einen Grund geben, warum das nicht immer so ist: Denn dann wüsste man solche Abende überhaupt nicht mehr zu schätzen.
Bei Sususu droht Burger der einzigen Dame im Raum, die ihre Arme nicht schwenkt mit Purgatorium und weiteren Folgen, dann aber stellt sich heraus, daß sie aufgrund ihrer Position nicht genau wußte, in welche Richtung sie ihre Arme schwenken muß. Nach kurzer Erläuterung klappt das aber perfekt und das Fegefeuer bleibt ihr erspart. Messianisches Treiben, in der Tat.
In dieser Laune vergeht das Konzert natürlich wie im Flug, vziemlich glücklich verabschieden wir uns unter beiderseitigen Standing Ovations, bevor wir uns an den Merchstand begeben, wo Timmey unter Hochdruck arbeitetund wir noch diverse Gespräche führen.
Auch Andy „Elfmorgen“ ist mit seinem Kumpel vor Ort, immer ein schillerndes Fest, die beiden zu treffen.
Wenig glamourös natürlich der weitere Verlauf des Abends. Bus laden, ins Hotel fahren, Zimmer verteilen.
Aber was soll man sagen? Nach so einem Konzert braucht man keine allürende Rockstarklischeescheiße, zudem hat die Zeitschleife uns alle ganz schön benebelt und mürbe gemacht.
So ist es ein voller Genuß, mit Börnski im Hotelzimmer zu liegen, eine Lustzigarette zu teilen und via Börnskis Handy Harry Potter zu hören. Wenn bloß nicht Rufus Beck immer so blöde Stimmen ausprobieren würde, bei denen man – halb entschlummert – gleich wieder aufschreckt. Doch auch das kann den Erfolg des Abends nicht schmälern. Frankfurt, sprengt die Banken und baut mehr Liveclubs; bei diesem Publikum ist das die Zukunft der Stadt! Sleep tight.

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