Tourtagebuch

Kreuz, Fulda

17. Apr. 2010

von Fred

Hello!

Ein kurzer Nachtrag zu Gera gestern:
(Das Lesen dieses Absatzes sei nur absolut ekel-resitenten Menschen empfohlen)
Ich hatte mit Mol-Tonmeister Claudio noch einen schönen Absturzabend in der (übrigens empfehlenswerten) Geraer Raucherkneipe „Pegasus“ inklusive Absinth und interessanten Tisch-Gesprächen mit Maskenbildnerinnen des örtlichen Theaters, die wir dort kennengelernt haben...
Als wir dann (gegen halb sieben morgens, glaube ich) unser Hotelzimmer bezogen, war Scheiße in unserer Badewanne. Kein Scheiß. Es war tatsächlich Scheiße! Wir vermuten, durch ein verstopftes Rohr wieder zurück durch den Ausguß ind die Wanne gedrückt oder so, es wird sicherlich irgendwas mit Physik zu tun haben...
Ich erwähne das nicht, um etwas lustiges zu schreiben, sondern um zu dokumentieren, dass doch tatsächlich immer wieder Dinge passieren, die man noch nicht erlebt hat.
Und das schreibt hier jemand, der schon seit 20 Jahren auf Tour fährt und viele Hotelzimmer beschlafen hat.
Diese Scheiße-Geschichte toppt allerdings nicht die Nummer, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit mit meiner Exband „Norbert und die Feiglinge“ erlebt habe: Seinerzeit betraten wir unsere Hotelzimmer und es waren keine Betten drin! Keine Betten drin!!! Da es mitten in der Nacht und somit kein Hotelpersonal mehr zu erreichen war, verbrachten wir die Nacht also eher ungemütlich auf der milben-verseuchten Auslegeware. Morgens klärte sich das Drama: der Hausmeister hatte die Betten abgeholt, um sie neu zu leimen, hatte diese Information aber unverständlicherweise nicht an die Rezeption weitergegeben...

So, nun aber endlich zu Fulda:
Wetter: super! Timmey lenkt den Bus über die verwaiste A4, ich gebe den verkaterten Beifahrer, dennoch raffen wir uns Gesprächen über Motorradfahren und Fahrradfahren auf. Nicht ganz unnteressant!
Nach stressfreier Fahrt checken wir am späten Nachmittag kurz im Hotel ein. Das Hotel ist sehr groß und auf dem Parkplatz parkt ein großer Reisebus, wo „Deutsches Fernseh-Ballett“ draufsteht. Das könnte die hohe Konzentration graziler Menschen erklären, die geschäftig und elegant durch das Foyer wuseln. Wir hingegen schmeißen kurz unsere Taschen auf die Zimmer (es sind auch Betten darin, cool) und fahren zum Kreuz. Betont werden muß die sensationelle Gastfreundschaft dieses Ladens, man fühlt sich willkommen, es wird gelächelt und gespäßelt, auf dem Tisch im zur Backstage umfunktionierten Kneipe steht ein klitzekleines Schildchen, auf dem „Herzlich Willkommen“ zu lesen ist. Mit Herzchen! Ich mag das!
Köchin Petra, ohnehin an Herzlichkeit schwer zu übertreffen, zaubert uns ein Catering hin, dass wir einstimmig zum leckersten aller Zeiten erklären!
Auch das Konzert ist mir eine große Freude. Spontane Interaktionen bei „Türen“ (Auf – Zu – Dreh – Schnee -, sorry, versteht man nur, wenn man dabei war), unfreiwillig-komische Aussetzer bei „Expunker“ aufgrund kaum zu ertragender Mensch-Ausdünstungen (gestern in Gera gab es Gyros mit sehr, sehr vielen Zwiebeln), skurrile Ansagen („Frühling“), ein in meinen Augen sehr gelungener Balladenteil, und –na klar- Mitmach- und Zuhörpublikum deluxe, wow Fulda, you really rock!!! Und soviele von Euch sind da, über 250, irre. Allerbeste Medizin für meinen Körper, Kater weg, Müdigkeit weg. Danke!
Aftershowparty: schön und ausgelassen in der Kreuz-Kneipe, Pensen kickert, Claudio und Timmey machen Billard, Rüdi hat Besuch von seinem Bruder bekommen, usw usw, ich habe mich zu einer Gruppe junger Leute gesetzt, wir reden über Jugendherbergen, Soziologievorlesungen, Festivalbesuche und Kaiserslautern. Nicht nur das beweist, dass solch fröhliches Beisammensein durchaus gehaltvolles zu Tage fördern kann. Als noch eine Runde Schnaps bestellt wird, sagt eine junge Studentin, und sie schickt noch voraus, das sei von Tucholsky:
„Lasst uns das Leben genießen, solange wir es noch nicht begreifen.“

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