Tourtagebuch

Faust *ausverkauft*, Hannover

24. Apr. 2010

von Totte

Kallesomm, Katzong, Kazong – Comicblasenploppend schießen die Tage vorbei. Frankfurt, Gera, Fulda – alles schon ieder so lange her! Und beim Nachlesen der Berichte fallen einem wieder Sachen ein, die aus unerklärlichen Gründen nicht in die Berichte geführt haben:
Verzweifelte Hotelrezeptionistinnen, Pokerspiele in derr Nacht, Aus-wie Einfälle auf diversen Bühnen, eine Wahnsinnswunderkerzenschwenkung in München, Lachanfälle bis zur Maulsperre, heißgeredete Köpfe, rachenverätzende Currygerichte, Teddypards Profilneurosen, Prog, ein Gruselkabinett bizarrer Schönheit.
In Hannover scheint die Sonne und wir sind zu früh da. Macht nichts, Freizeit ist immer schön, vor allem bei diesen Temperaturen.
Pensen geht joggen, Rüdi einchecken, Burger shoppen. Der Rest verteilt sich auf diverse Imbißstationen.
Ich debütiere Vietnamfoodtechnisch. Tolle Erdnußsoße, die leider im Nachinein den Mage auskleistert. Träge schmökere ich in der Juice und erfahre unter anderem, daß diverse HipHopkünstler sich just zu einer Crew namens Shrödaz formiert haben.
Hmm, alles kommt eben in einer Form wieder, könnte das irgendeine philosophische Theorie belegen? Ich hoffe nicht, fürchte aber: ja.
Puh, ist das sommerlich, überzivilisiert wie ich bin, flüchte ich gleich in den Schatten der Faust, wo die nette Crew schon alles vorbereitet und derbstes Catering auffährt. Wow.
Wir bekommen im Vorfeld viel Besuch in den Backstage: Soundmonster Urs samt Freundin, Achim de la Koks, Michaela, Timmeys bessere Hälfte Sabrina und eine Subsoundsabordnung, gemütliche Atmosphäre macht sich breit.
Monsterhörer Svolli bringt überraschend erfreulich, eine alte MAD-Ausgabe vorbei, in der das Thema der längsten Zigarette bereits behandelt wurde.Aber da kann ich ja nichts für, daß mir die MAD-Redakteure eine Idee vorweggenommen habe, die Ausgabe ist ja bestimmt noch aus den 70ern.
Schmökernd back to the backstage.
Ein bißchen müde sind wir ja inzwischen schon, der Touralltag vernebelt auf Dauer die Wahrnehmung. Alles etwas wattiert.
Um Energiereserven freizusetzen, spielen diverse Monsters ein bißchen Fußball vorm Eingang, wo sich bereits früh eine ordentliche Schlange bildet. Ich spaziere etwas rum und unterhalte mich mit einigen Menschen, darunter Tim, der davon erzählt, daß er seine künftige Braut Annika auf einem Monsterskonzert kennengelernt hat. Schon strange, was auf unseren kleinen Ballnächten so passiert. Man bekommt ja nur selten was von Einzelschicksalen mit.
Die 60er Jahre Halle ist sehr rasch sehr voll, Hitze staut sich schnell. Im Getümmel auch viele Bekannte, Konzertjunkie Bibi, die Zwillinge und und und.
Wir beginnen recht zeitig, schließlich ist im Anschluß eine Disco angekündigt.
Ach, Hannover, was soll ich sagen?
Eindrücke über Eindrücke, da stapelt sich alles und sprengt das Hirn: Nach einem noch etwas ruhigeren Anfang schraubt sich die Stimmung im Verlaufe des Abend spiralmäßig nach oben, bis dann zum Ende hin die Dämme brechen. Was für ein Geräuschpegel, was für eine Mitmachaction!
Die Wellen der Sympathie sind fast greifbar, das werden die Hände feucht!
Mit geht das Superlativensuchen inzwischen arg auf den Senkel, aber was heute hier stattfindet ist absolut atemberaubend!
So viele freudige Gesichter, so viele Arme in der Luft, soviel Alles: Hannover, was für a hell of town – Gemeinsam schunkeln wir uns in Exstase, da bleibt die Luft weg und die Augen weiten sich begeistert!
Bitte immer wieder – Ihr seid unfaßbar!
Nach dem Konzert fallen wir uns in die Arme, immer mehr Menschen füllen den Backstageraum, Adri von Muschibock ist da, Flo Ryan ist da, ach, einfach viele nette Menschen.
Es ist sehr schade, daß wir noch in der Nacht gen Hamburg weiterziehen müssen. Aber es kann eben nicht alles perfekt sein. Und wenn der einzige Störfaktor des Abend der ist, daß man sich zu wohl fühlt, um sich lösen zu können, dann spricht das doch enorm für den Abend.
Alles andere ist Luxusgeärgere. Molsein ist wundervoll, den Beweis dafür hat einmal mehr Hannover erbracht. Arigato, mille grazie und merci beaucoup: das war DERBE!

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