Tourtagebuch

Riders Cafe, Lübeck

02. Mai. 2010

von Rüdi

Ach, wenn doch nur nicht immer alles so schwierig und kompliziert wäre. Und nicht nur das! Heute wird’s schon gleich am Mittag schwierig und kompliziert.
Pünktlich zu früh um 12 Uhr klingelts an der Tür. Heute stehen schon lange geplante Gespräche mit unserer Booking-Agentur an und das ist nicht nur schwierig und kompliziert sondern leider auch sehr wichtig und – viel schlimmer – nicht mehr aufschiebbar. Egal, wie man zu solchen eher trockenen Veranstaltungen steht, mittags nach einem Katerkonzert ist höchstwahrscheinlich zu Recht ein unüblicher Zeitpunkt für so was.
Trotzdem schaffen wir es aber, den Faden nicht zu verlieren und sogar einigermaßen den Überblick zu behalten. Eigentlich sollten natürlich auch Entscheidungen fallen, aber so etwas geht im basisdemokratischen Monstershühnerhaufen natürlich nicht so schnell. Für heute muss ausreichen, dass wir das besprochen haben. Entscheidungen erst, wenn die Kopfschmerzen nachlassen. Das ist zwar sehr verkürzt dargestellt, aber ich bin mir sicher, das euch das nähere nicht besonders interessieren würde.
Aber die Kopfschmerzen sind durchaus erwähnenswert.
Zu allem kommt der Zeitdruck, denn wir müssen bald mal los nach Lübeck, um in unserem heißgeliebten Rider´s Cafe unser Tourabschlusskonzert zu spielen. Und all unsere Sachen sind noch im Logo und müssen erst noch abgeholt und eingepackt werden.
Zum Glück hat Fred aber schon heute morgen den Bus geholt und wir finden in Gestalt von Claudio auch ein fahrtüchtiges Monster, das uns erst dorthin und danach auch gleich weiter nach Lübeck chaufiert.
Im Bus: Besprechung.
Ach wenn doch alles nur nicht immer so komplizert und schwierig wäre.
Lübeck war schon häufiger Schlußpunkt unserer Tourneen. Irgendwie kann man hier – also speziell im Rider´s – besonders gut feiern. Und dann gibt es ja auch noch die alte gute Tradition, die von den Schröders hier erfunden wurde und von uns gerne weitergeführt wird und die heißt: Burger gibt sich die Kante.
Und zuguterletzt gibt es hier immer ein derart phantastisches Essen, das mir jeder Bissen der letzten Jahre in Erinnerung geblieben ist. So ist es auch heute.
Nach dem Soundcheck werden uns von Svenja Gambas aufgetischt, die so lecker sind, dass ich aufpassen muß, dass mir nicht die Freudentränen die Soße verwässern. Sensationell!

Danach eine kurze und für heute letzte Bandbesprechung.

Doch kommen wir zum Konzert!

Natürlich sucht der Chronist immer etwas besonderes, um ein Konzert zu beschreiben. Das fällt in diesem Fall nicht weiter schwer: Irgendwo in der Mitte des ersten Sets kommt für Burger ein Schnapsglastablett auf die Bühne. Da stehen ungefähr 50 Saure drauf. Ich will hier keine Legendenbildung betreiben, aber sehr weit weg von 50 kann die Zahl wirklich nicht sein. Zuerst versteh ich nicht richtig und möchte auch einen haben. Aber die Entschiedenheit, mit der Burger seinen Besitz verteidigt, beeindruckt mich derart, dass ich lieber nicht noch einmal auf so eine dumme Idee komme. Das Tablett ist für Burger allein!
Er wird es alleine trinken, er wird es schaffen. Er wird auch hinterher noch von unserem Tablett nehmen. Aber er wird keinen einzigen Song verkacken. Ich weiß nicht wie, aber Burger steht bis zum Schluß wie eine breite Eins auf der Bühne und wird auch bei der Schlussverbeugung nicht von der Kante fallen. Respekt!
Ganz im Gegenteil: Wir sind heute richtig gut. Schon der Anfang ist noch bekloppter als sonst, wenn wir nach unserem pompösen Bühnenauftritt erstmal mit Sonntag anfangen.
Der Balladenteil, der für uns ja immer so ein etwas wie ein Qualitätssiegel ist, das wir am Schluß draufkleben können oder nicht, ist sogar heute besonders gut.
Totte bringt wieder sein „zorniges Lied“, ich schnuggel – inspiriert von einem Gespräch mit dem Chef des Hauses, Kai – Uwe, „Jazzmusikpublikum“ ins Programm, Börnski ballert unsere Konfettikanonen über der Bühne ab, sodass wir jetzt selbst im Regen stehen....ach, es ist einfach nur herrlich.
Ein würdiger Tourabschluß in genau dem richtigen Club dafür!
Am Ende verbeugen wir uns uns nicht nur vor dem Publikum sondern auch vor dem Club, vor unserem Techniker Claudio, vor unserem Mercher Timmy und ein bisschen auch vor uns selbst. Es war eine schöne aber auch lange Tour und diesen Feierabend haben wir uns mal richtig verdient.
Ziemlich zügig packen wir unseren Bus, denn wir wollen unbedingt in Klein-Flottbek noch ein bisschen zusammen sitzen und die letzten Whiskey-Vorräte killen, bevor sich alles in die verschiedenen Himmelsrichtungen auflöst. Es wird auch unser letzter gemeinsamer Hock in Klein Flottbek sein, da Fred und Totte in den nächsetn Wochen umziehen werden.
Aber wir wollen jetzt nicht auf den letzten Metern gefühlsduselig werden. Hauptsache dieses eine Mal ist noch mal so wie immer.
Am Schluß wünsche ich mir - wie immer – einen Film. Möglichst doof und gut zum Einschlafen soll er sein. Totte findet mit „Freitag der 13te, Teil 8“ genau das richtige. Ich lache mich bei jedem Mord schlapp und kicher mich so langsam in den Schlaf.

Einmal noch werde ich wach, da wecken mich Timmy und Totte und sagen, ich solle im Tourbericht nicht den McGalopp bei den Pferdewochen von McDonald vergessen.
„Pferdewochen? Wir waren heute nicht bei McDonald...!“
Jetzt lachen mich die anderen zurück in den Schlaf.

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