Tourtagebuch

Hirsch, Nürnberg

18. Apr. 2010

von Totte

Perfekt, die Nasenspülungen haben endlich gewirkt: Der Zinken ist dicht. Schnupfig und mit kratzendem Hals erwache ich und fühle mich eher ziemlich benommen. Ob das mit Nürnberg zusammenhängt? Psychosomatischer Karmakollaps? Fragen über Fragen. Jedes Mal, wenn es nach Nürnberg geht, hab ich was: Heiserkeit, Durchfälle, da bin ich mit einem dicken Schnupfen ja noch recht gut bedient.
Aber ich bin gut gelaunt, der gestrige Abend war ganz zauberhaft und lang genug, um bei der Kaffeebestellung adäquat zerknittert auzszusehen, um rasch versorgt zu werden.
Im Hotelfoyer treffe ich einen ausgeschlafen wirkenden Rüdi, der mich nach logistischem Zeugs fragt. Schon wieder Fragen... Müde zeige ich auf den Kaffee, als könne man darin die Antworten lesen. Manche können das ja. Kaffeesätze sollen wohlklingend und allwissend sein. Ich kann da nichts entziffern, drum erstmal aufs Zimmer, bzw. vors Zimmer, denn ich habe sowohl Handy als auch Schlüssel liegen gelassen und Claudio befindet sich noch im Tiefschlaf. Klopf,klopf, ruf, schrei, scusi Claudio, derart dem Schlaf entrissen zu werden ist aber auch wirklich fies. Gut, daß der Mensch verzeihen kann.
Um zumindest nicht weiter zu nerven, pack ich schnell meinen Krempel zusammen und geh wieder zurück ins Foyer, wo bereits Timmey steht und raucht und auch nicht so recht fassen kann, daß wir immer das Frühstück verpassen. Ist auch bescheuert, statt mal etwas zeitiger aufzustehen und mit Hotelköstlichkeiten verwöhnt zu werden, steht man gleich wieder an einer Raste und kauft überteuerten Scheiß. Klug.
Langsam versammeln sich alle im strahlenden Sonnenschein, dann über Kreuz zur Autobahn und ab in die erste Raste, um überteuerten Scheiß zu kaufen, denn natürlich hat keiner gefrühstückt.
Einen Gast haben wir auch an Bord, glücklicherweise nimmt er kaum Platz ein. Mr. Pipp (myspace.com/mr.pipp), ein quirliger Kerl und Rockfan, reist ein paar Tage mit, bevorzugt, um Teddypard kennenzulernen und etwas Tourbusluft zu schnuppern.
Tedyypard ist zunächst etwas verwirrt, aber rasch beschnuppern die beiden und merken, daß sie über einen ganz ähnlichen Humor verfügen. Ziemlich albern glucksen die beiden im Heck des Wagens, ziemlich bizarr, die beiden. Aber kurzweilig.
Was war auf der Fahrt? Diverse Verfolgungsjagden mit Bussen verfeindeter Bands, Drive By- Angriffe befehdeter Liedermacher und Rauchpausen.
Ah, Nürnberg: Sonnenbestrahlt liegt es da und glänzt für uns. Wir haben dieses schmucke Städtchen nun bereits diverse male bereist und kennen es in fast alle´n Wetterlagen: Schneechaos, im Horrorregen und in totaler lauer Mittelmäßigkeit: Sonnig ist es am schönsten. Vielleicht könnte man da eine Faustregel draus ableiten, bei anderen Orten haben wir nämlich ähnliches beobachten dürfen.
Die nette Crew des Hirsch freut sich auch, befürchtet aber zeitgleich, daß dieser erste Sonnentag hierorts eventuell viele Besucher von einer Innenveranstaltung abhalten könnte. Je nun, kann man nichts machen. Wir machen es uns im Biergarten des Clubs gemütlich und alsbald gibt es das hervorragende Essen, Gemüselasagne, Salate, Fleisch for the other mols undundund.
Da wir ja tatsächlich nicht nur ein Haufen schunkelnder Gitarrenbrüder sondern auch eine Firma sind, steht leider auch eine Arbeitsdiskussion an, manchmal muß eben doch die Pflicht vor die Kür gesetzt werden. So können wir erst spät gebührend unseren Kollegen und heutigen Support Gymmick begrüßen, was aber keine Rückschlüsse auf die Herzlichkeit zulassen sollte.
Tja, das Wetter: Von wegen. Staunend dürfen wir feststellen, daß sich der Laden sehr schnell füllt und mit letztlich 330 Menschen einen neuen Nürnbergrekord für uns aufstellt. Cool!
Wegen Sonntag beginnt der Abend schon recht früh, Gymmick(de) geht on stage und rockt das Haus, wie man es von ihm kennt und bewundert. Groß!
Dann les Monsters.
Die Kulisse ist beeindruckend und überhaupt. Das wird ein sehr, sehr schöner Abend mit einem extrem aufmerksamen Publikum:
Schnell grooven wir uns ein. Was besonders schön ist, sind die spontanen Momente, meines Erachtens sind die das Salz in der Suppe. Erzwingen kann man sie leider nicht, aber nicht heute springt der Funke schnell über. Es wird viel gelacht und wir schießen uns die Bälle zu. Toll!.
Und das Publikum taut enorm schnell auf, der Mitsingpegel steigt permanent, aber auch die ruhigeren Lieder werden konzentriert und bestens aufgenommen.
Es macht wirklich ziemlichen Spaß und geht viel zu schnell vorbei. Zu den Zugaben holen wir nochmal Gymmick für seine bösen Möbelstücke auf die Bühne, grande cinema, dieser Abend.
Das blöde an Spontaneität ist nur, daß sie nacherzählt trocken und doof wirkt, drum verzichte ich auf alle Beispiele und beschränke mich darauf, nocheinmal zu betonen, daß das ein extrem toller Abend für uns war.
Im Anschluß sind wir noch eine kleine Weile vor Ort, treiben uns am Merch und im Biergarten rum, rauchen, unterschreiben, unterhalten und prosten. Sehr entspannte Situation. Rüdi und Gymmick lassen sich zudem nicht lumpen und spielen noch ein kleines unplugged Konzert im Foyer, super Atmosphäre, dies alles. Die Erlanger Superclique ist ebenfalls vor Ort, ebenso wie Thilo vom Kalten Kaffee samt Frendin, ach, man müsste jetzt eigentlich feiern.
Aber die meisten Mols sind doch etwas fertig, mir macht zudem die Nase zu schaffen, also keine Party, sondern doch lieber Hotel. Sorry. Blöd.
Auf dem dem Weg zum Hotel noch ein unnötig angsterfüllter Verkäufer am Aralnachtschalter und der Rest der Nacht ist derart unspektakulär, daß nicht einmal der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet werden muß, um Stille zu erzeugen. A bientot, wertes Nürnberg, auf gerne bald.

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