Tourtagebuch

Jokus, Giessen

14. Nov. 2011

von Rüdi

4. Tag

9 Stunden Schlaf. 9 Stunden! Neun!!

Elfengleich hopsen meine 16jährigen Knochen aus dem Bett. Ich frühstücke zehn Eier, dann nehme ich den Tourbus unter den Arm, trage ihn nach Gießen, setze ihn vor dem „Jokus“ ab und sage, während ich kurz meine Knochen strecke, „Ah, geht doch wieder!“

Wir werden heute unsere Kräfte brauchen, denn heute kommt Urs. Mitsamt Partylaune, Partybox und Partyzimmer. Es wird sozusagen eine „Hello and Good bye“-Party geben, denn morgen verlässt Claudio die Tour, dann übernimmt Urs für die folgenden Tage die Arbeit am Pult. Aber heute werden wir wieder einmal die ganze Monstersfamilie zusammen haben und normalerweise wissen wir das auch immer zu feiern.

Den Club erkennen wir daran, daß unsere „Hardcorefans“ schon wieder davor sitzen. Sie sind warm eingemummt und spielen Schiffeversenken oder Würfelwerfen oder Ich sehe was, was du nicht siehst oder... denen fällt schon immer was ein. Trotzdem drücken wir ihnen ein kleines Survivor-Kit in die Hand, weil sie gestern unseren Merchstand bewacht haben. Es gibt Bier und Schokolade.

Wir entladen den Bus, richten uns im Backstage ein, Timmey baut das Merch auf, Claudio macht sich am Pult zu schaffen, Urs fragt uns nach dem bisherigen Tourverlauf aus und unsere Veranstalter David und Lucas organisieren dies und das.

Da es wieder einmal verschiedene Anfangszeiten in den Ankündigungen gab, einigen wir uns auf 20.30 Uhr Spielbeginn.
Wir haben auch heute wieder eine neue Sitzordnung ausgelost. Von links nach rechts gesehen, sitzen wir so: Börnski, Pensen, Totte, Burger, Rüdi, Fred. Die anwesenden Mathematikstudenten könnten jetzt vielleicht glauben, daß wir alle einfach einen Platz nach rechts gerückt sind, außer Burger, weil der an seinem Stuhl klebt, aber nein! Das ist zufällig ausgelost und einzig dem Spaß geschuldet, den wir uns mal gönnen wollen, indem wir den Blickwinkel aufs Publikum wechseln und das Glück mit neuen Nachbarn teilen möchten. Es ist nämlich prompt eine vollkommen neue Wahrnehmung der gleichen Sache, wenn man auch nur einen kleinen Platz weiter rückt. Zum erstem mal kann ich zum Beispiel genau sehen, mit welcher ausgefuchsten Drehbewegung Fred die Flöte in sein Nasenloch bekommt. Und vor mir sitzt Publikum und nicht neben mir. Dafür ein Stück weiter weg. Außerdem funktioniert die Kommunikation auf der Bühne völlig anders, Neuland im Wohnzimmer gewissermaßen. Jetzt wollen wir nämlich auch die Paralleluniversen des Monsterskosmos erforschen und unsere Antennen und Fühler knicken in alle möglichen Richtungen und schnuppern ihr neues Umfeld ab. Sehr spannend das ganze.
In unserer Außenwirkung führt das allerdings dazu, daß wir ein bisschen verhuschter rüberkommen, als uns das unbedingt immer lieb ist. Und logischerweise knallen natürlich auch die Gitarrensaiten in einer ungewohnten Umgebung häufiger durch. Das ist ja logisch und hätte uns eigentlich auch klar sein müssen. So gesehen brechen wir heute alle Rekorde. Aber der Abend ist charmant und die Zuschauer sind gut zu uns und darum spielen wir auch ein gutes Konzert. Keine Sternstunde vielleicht, aber einige Sternminuten sind dabei. Sehr erwähnenswert sind die sympathisch bescheuerten „Saloontür-T-Shirts“, die heute von den Kaiserlauterer Fans erstmals vorgeführt werden. Also ehrlich: Langeweile scheinen die keine zu haben! Wir sind gespannt, was wohl als nächstes kommt, denn sie werden ja jeden Tag da sein.

Kommen wir doch kurz noch mal auf diese Partysache zu sprechen.

Oder lieber doch nicht.

Danke Gießen!

Morgen Kaiserslautern.

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