Tourtagebuch

Multihalle, Meiningen

18. Nov. 2011

von Rüdi

Tag 8

Bastian ist ein Oberchecker.

Da wir heute einige ältere Herrschaften im Publikum erspäht haben, möchte ich kurz erklären, daß ein Oberchecker keinesfalls ein Restaurantfachservicekräftetester ist, sondern jemand, der richtig was drauf hat, bei dem, was er tut. Er bucht die Monsters in eine Riesenhalle, sorgt dann aber auch für so viel Publikum, daß der Saal trotzdem fast schon gemütlich ist. Er lässt vorne eine Bühne in den Saal bauen, füllt hinten den Kühlschrank für uns auf und dazwischen macht er wahrscheinlich Essen oder er organisiert nützliche Dinge. Dabei macht er aber nie den Eindruck, als hätte er irgendeinen Stress und ist jederzeit für einen kleinen Smalltalk zu haben.
Wir kennen Bastian schon aus Wasungen, wo er uns zuletzt veranstaltet hat und halten sehr viel von ihm.

In unserem Tour-Rider steht: Veranstaltungsort: Multihalle

Da denke ich natürlich zuerst an einen kleinen Punkschuppen, der sich „Multihalle“ nennt, um auf witzige Weise zu erkennen zu geben, daß man gar keine Multihalle ist. Aber das hier ist tatsächlich eine Multihalle. Der Backstage ist groß genug, um ein Konzert dort zu geben und zu groß, um einigermaßen wirtschaftlich sinnvoll für einen Tag beheizt zu werden. Wir behelfen uns mit albernen Turnübungen auf Sportmatten und mit draußen rauchen, damit man drinnen merkt, daß es doch relativ warm ist.

Dann wieder einsingen, unsere neueste Entdeckung.

Dann Konzert.

Ich möchte stellvertretend für eine Beschreibung des Abends eine kleine Geschichte erzählen, die mir aufgefallen ist. In der Pause lernen wir eine alte Dame kennen, die plötzlich in unseren Reihen steht und anfängt, von sich zu erzählen. Früher war hier nämlich nichts, wo wir uns befinden, da ist sie auf diesem Hügel im Winter Schlitten gefahren. Heute ist sie 80 Jahre alt und springt bei „Schönheitschirurgie“ mit all den anderen in der Stadthalle herum. Und direkt vor ihr sitzt die wahrscheinlich jüngste Teilnehmerin der Party und auch sie hopst los, voller Agilität und mit freudegeweiteten Augen. Dieses Bild ist für mich das Symbol des Abends. Da ist dann auch die relativ schwierige Akustik des Saals zweitrangig, an der sich Urs heute an seinem Geburtstag abschuften darf. Was für uns zählt, ist die generationenübergreifende Freude, die wir heute miterleben dürfen und die wir sogar anzetteln dürfen und die vielleicht sogar das Motiv für all unser Treiben ist.

Danke Meiningen – Ihr habt verstanden!

Morgen Würzburg.

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