Tourtagebuch

Kulturforum, Neustadt/Holstein

04. Nov. 2011

von Rüdi

Was ist los mit uns heute?
Wir stellen uns diese Frage zwar mit einem schmunzelnden Lächeln, aber durchaus ein wenig verwundert ob des Grades an Verpeiltheit, mit dem wir heute zu Werke gehen. Da gibt es viele Erklärungsansätze für: Der sympathischste ist vielleicht, daß wir uns lange nicht gesehen haben und die Wiedersehensfreude uns in Bezug auf geistvolle Getränke unvorsichtig werden ließ. Stimmt auch. Wir hatten tatsächlich viel Spaß aneinander im Backstage. Das ist aber keine Seltenheit und normalerweise zünden wir in solchen Fällen besondere Abende an. Aber heute machen wir offenbar nur die Lunte feucht und so warten wir auf der Bühne vergeblich auf das befreiende „Peng“, daß uns endlich wach schüttelt. Es ist eigentlich ein schönes Set mit einigen ungewöhnlichen Perlen, das wir uns für heute ausgedacht haben, aber leider reißt immer wieder der rote Faden, an dem wir uns durchs Programm hangeln können. Wir verstammeln und verstottern unsere Ansagen, vergessen Texte, vergeigen Einsätze, verschlafen Chöre, kämpfen mit technischen Problemen.....alles Dinge, die wir und das Publikum aus der Vergangenheit gut kennen und aus denen man immer noch einen besonders lustigen Abend zaubern kann, wenn wir denn heute auf unserer gewohnten rosa Wolke im siebten Himmel säßen, auf die uns das fehlende „Peng“ heute einfach nicht drauf schießt.
Es kann an vielem liegen. Übermüdung, Überhitzung, Übermotivation – keine Ahnung und bestimmt bei jedem was anderes. Wir haben alle ziemlich viel Lust auf diesen Abend, haben den Club und sein Team lieb gewonnen, freuen uns über die Zuschauer, über die neuen Shirts, über uns, aber wir kriegen dieses gute Gefühl heute einfach nicht auf die Bühne gemeißelt.
Vielleicht jammern wir auf hohem Niveau – nach dem Konzert jedenfalls behaupten alle, mit denen wir reden, daß sie den Abend lustig fanden.
Aber weil Musik für uns Liebe, Leidenschaft und Hingabe sein will, tut es uns immer gleich ein bisschen weh, wenn wir die Nummer nicht zu 100 Prozent bringen. Zumal das wundervolle angereiste Publikum und der sympathische Club verdient hätten, mit uns das perfekte Glück zu teilen.

Andererseits ist ein vertaner Abend auch wiederum was anderes. Denn auch heute liegt das ein und andere Mal Glanz in den Ecken und Kanten. Börnskis „Hochzeitsrede“ ist sicher ein Beispiel dafür, wie Dinge gewinnbringend entgleiten können. Einerseits: Totalausfall des eigentlichen Liedes. Andererseits: Schön, bei dieser Sternstunde von Rettungsversuch dabei gewesen zu sein. In der Unzulänglichkeit liegt eben immer auch ein gewisser Charme und so flüchten wir uns in die Vorstellung, wenigstens ein Bild von einem verpeilten aber vergnügten Haufen abzugeben. Wir wären zwar lieber die Oberchecker, aber lustig ist es allemal und so warten wir auf die nächste Panne, die heute bestimmt nicht lange auf sich warten lässt.

Ah, da ist sie ja! Gitarre geht nicht. Wusst ich’s doch......

Liebe Neustädter!
Es ist uns ein Bedürfnis, uns für die liebevolle Aufnahme im „Kulturforum“ zu bedanken. Wir haben bemerkt, wie der Kühlschrank für uns geschmückt wurde, wie großzügig er gefüllt war, wie lecker, vielseitig und reichhaltig das Essen war und wie hilfsbereit die Crew. Wir haben auf der Toilette gelesen, daß dieser Club händeringend noch ehrenamtliche Mitarbeiter sucht. Wir können uns gut vorstellen, daß man mit diesen Leuten in seiner Freizeit sehr viel Spaß hat und möchten dem ein oder anderen, der vielleicht zu oft Langeweile hat, empfehlen, sich dort zu engagieren.

Und natürlich bedanken wir uns auch bei „The loving balloons“ für den Support und bei dem Neustädter Publikum. Wir fanden euch alle genau so toll, wie wir das an dem Abend auf der Bühne wiederholt betont haben.