Tourtagebuch

Rosenhof, Osnabrück

13. Nov. 2011

von

Wir sind erst seit zwei Tagen unterwegs und schon fühlt sich mein Körper an wie Blei. Ich sehe sogar schon Sterne, wenn ich nur treppab gehe. Sie sind zwar wunderschön, aber irgendwie beängstigend. Ich will die wieder weg haben. Vielleicht sollte ich lieber mehr schlafen, als im Partyzimmer bei Claudio und Timmey aus Alkoholmolekülen alternative Lebensmodelle zu basteln. Na, denn lasset dem Vorsatz Taten folgen. Für heute Nacht beantrage ich mal ein Einzelzimmer und schlafe mich einfach aus.

Könnten wir uns übrigens aus Wunschtraummolekülen Clubs basteln, würden die wahrscheinlich so ähnlich aussehen, wie der „Rosenhof“ in Osnabrück. Es würden schon am Nachmittag die ersten Fans davor sitzen, helping hands würden der Band beim Ausladen helfen, im zweigeteilten Backstage würde der Tisch gedeckt sein, Essen würde heranströmen, die Anlage würde Claudio zum schnalzen bringen, der Saal hätte kleine Etagen, die Lichtanlage wäre geschmackvoll, unter der Decke würde ein Kronleuchter hängen und sogar der Merchstand hätte seine eigene Lightshow. Dazu vielleicht noch eine nette Crew, die auch noch richtig Ahnung und Stil hat, bei dem, was sie tut.

„Rosenhof“ eben.

Und ausgerechnet hier haben wir mal wieder ein kleines Experiment geplant: Wir haben auf der Fahrt eine neue Sitzplatzordnung ausgelost. Das machen wir sehr selten, denn wir haben unsere Plätze und unsere Nachbarn lieb, aber es frischt den Touralltag auf und es sorgt für eine völlig neue Wahrnehmung der gleichen Sache. Die Perspektive des Publikums, der Sound, die Interaktionen, die Strahlereinwirkung – alles das ändert sich in einem überraschenden Maße. Zwar sorgt es für Unruhe auf der Bühne, aber auch für Wachheit – so der Plan.
In der ersten Hälfte des Konzerts geht der noch nicht ganz auf. Ein wenig holprig und verschreckt stammeln wir uns durchs Programm, die Lieder sind gut gespielt und gesungen, aber man merkt uns wohl an, daß wir zumindest im Hinterkopf damit beschäftigt sind, unser neues Revier zu erkunden.
Aber nach der Pause – und das geht uns bei dieser Tour schon wiederholt so – kriegt der Abend dann ein ganz neues Gesicht. Viel aufgeweckter, viel aufmerksamer, viel inspirierter.
Also, die Monsters. Das Publikum, das den tollen Club ansehnlich aufgefüllt hat, war eh die ganze Zeit am Start. Aber wir Monsters brauchen heute einen kleinen Tritt und als wir ihn auf unseren Hintern landen spüren, sind wir auch bei der Sache. Und jetzt biegen wir ein in eine wunderschöne Gerade, auf der wir eine gute Zeit lang richtig Gas geben können. Vielleicht ein bisschen zu viel für mich, denn bei „Ich bin nicht frei“ tauchen wieder die kleinen Sternchen auf und weil auf der Bühne kein Wasser zu finden ist, habe ich kurz ein Problem und stammele dehydrierten Kram vor mich hin, aber Pensen rettet mich aus der Not. Mit Bier zwar, aber für die letzten zwei Lieder wird es helfen.

Unser Fazit: Ein munteres Konzert, das jeder von uns unterschiedlich in Erinnerung hat.

Nur in einem sind wir uns einig: Der Club ist toll, das Publikum ist klasse und Tag drei unserer Tour wunderschön.

Danke an alle!

Morgen Gießen und ich geh jetzt schlafen.

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