Tourtagebuch

Röhre, Stuttgart

16. Nov. 2011

von Rüdi

Tag 6

Eigentlich hatten wir schon innerlich Abschied genommen von der „Röhre“. Da sollen demnächst Züge durch den Club fahren, aber bekanntlich stockt „Stuttgart 21“ ja wegen des gesellschaftlichen Widerstands. Also gibt es die „Röhre“ noch und wir wünschen toi toi toi, daß es auch in Zukunft irgendwie weiter gehen kann. Man kann dort nämlich ausgezeichnete Konzerte geben und hören, wie wir aus der Vergangenheit wissen. So wollen wir es auch heute wieder tun. Wir wollen vor dem roten Vorhang sitzen, den Backstage zuqualmen und unsere Hintern in der gebrochenen Klobrille einklemmen – so wie immer! Nichts, verdammt noch mal, soll sich hier ändern!

Außer unserer Sitzordnung.

Wir haben wieder ausgelost, wer heute wo sitzt. Die Reihenfolge ist folgendermaßen und zwar von links nach rechts: Börnski, Pensen, Totte, Rüdi, Fred, Labörnski. Ich zum Beispiel also auf Burgers Platz. Hmm.... Muss ich jetzt auch so eine Rocksau sein, wie der? Das ging doch schon gestern schief. Andererseits gewöhnen wir uns langsam daran, nicht mehr auf unserem Stammplatz zu sitzen und sind nicht mehr ganz so sehr mit diesem Umstand beschäftigt. Wiederum andererseits: Liegt darin nicht gerade der Sinn? Wir wissen es nicht, aber es macht uns auf jeden Fall immer noch Spaß. Es ist, als würde man die Geschehnisse auf der Bühne durch ein anderes Prisma erleben. Es kickt, aber es ist unklar, wie die Wirkung aufs Publikum ist.

Über solche Sachen machen wir uns in der Pause Gedanken. Dazu kommt einer der Veranstalter, dessen Namen ich leider nicht weiß, und bringt ein Tablett voller Schnaps. Einfach so, als eine Idee vom Club, damit es uns gut geht.

Aber es ginge uns auch ohne Schnaps gut. Der Saal ist mit rund 300 Leuten gut gefüllt, das Programm scheint zu begeistern, wir geben ein gutes Konzert, was auch Börnski auffällt und zu du dem laut geäußerten Gedanken verleitet, daß das Konzert deshalb so gut ist, weil sein Mikro teilweise gar nicht eingeschaltet ist, was allerdings nur von der Sache her richtig ist. Dafür darf ich ihm bei „Professionelle Hilfe“ zur Abwechslung mal auf seinen Kopf hauen. Das sind halt auch die Vorteile einer neuen Sitzordnung. Es entstehen ganz neue Möglichkeiten! Heute erfinden wir die „menschliche Pyramide“, einen ganz gefährlichen Stunt, der in den Achzigern schon einmal von einer deutschen Rockband ansatzweise versucht wurde. Aber aus Sicherheitsgründen haben sie es dann wahrscheinlich wieder sein lassen. Aber das ist nur einer von vielen spektakulären Showmomenten, die wir heute abfeuern. Wir hüpfen sogar einmal bei einem Gitarrensolo! So geht’s ab!
Ihr merkt schon an der Berichterstattung, daß ich langsam in meine Rolle als Rocksau reinwachse.

Kein Wunder bei diesem Hexenkessel, der sich da unten vor uns abspielt. Das ganze „Röhre“-Stadion ist ein einziger Gute-Laune-Moshpit, der auf beiden Seiten gleich laut singen kann, gleich gut feiert und gleich gut aussieht, wie wir bei „Marzipan“ rauskriegen.

Danke, Stuttgart, für den tollen Spaß mit euch!

Danke, liebe „Röhre“! Bitte bleib!

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