Tourtagebuch

Posthallen, Würzburg

19. Nov. 2011

von Rüdi

Hab ich gesagt, daß wir gestern in einer Halle gespielt haben? Quatsch! HEUTE spielen wir in einer Halle. Wenn tatsächlich alle Würzburger mal gleichzeitig zu einem Konzert gehen wollen, dann steht hier schon die richtige Halle parat. Damit ist heute allerdings nicht ganz zu rechnen und so stehen wir ziemlich absurd in diesem Riesenbauwerk rum und wissen auch nicht so recht. Dabei kennen wir das ja schon, weil wir heute nicht zum ersten mal da sind. Was soll „Shorty“ nur denken? Shorty? Shorty stand mit einer ungeschützten Klampfe in der Hand vor der Halle rum und entpuppte sich als unser Vorprogramm. Er wurde auf irgendwelchen zufälligen Kanälen von den Taubertal-Organisatoren hier her gebucht und genau hier – in der Posthalle zu Würzburg – gibt der Junge nachher sein ungefähr allererstes Konzert. Au weia! Wie der sich fühlen muss. Ich kann nicht unbedingt behaupten, mich hier auf komplett ungewohntem Terrain zu bewegen, aber auf mich wirkt die überdimensionale Halle durchaus einschüchternd und hier würde ich mein erstes Konzert nicht geben wollen. Der erwartete Zuschauerstrom ist allerdings noch nicht überdimensional und weil man hier Zwischenwände ziehen kann, wird alles versucht, die Räumlichkeiten einigermaßen gemütlich zu gestalten. Und um „Shorty“ muss man sich keine Sorgen machen, wie sich bald heraus stellt, denn er fühlt sich auf der Bühne anscheinend ziemlich wohl und macht überhaupt keinen ängstlichen Eindruck.

Da sieht es bei uns Monsters schon ein wenig anders aus.

Als wir unser Konzert beginnen, übernehmen wir einen gut gefüllten Saal, die Trennwände wurden vernünftig gezogen. Alle sind voller Vorfreude – es scheint ein Publikum zu sein, daß uns bisher eher von Festivals kennt, wahrscheinlich Taubertal, und das sich auf Party eingerichtet hat. Das ist kein Fehler! Es ist nur so, daß wir während unseres Auftritts die ganze Zeit auf eine hitzige Partymeute gucken, von der wir akustisch aber nur sehr wenig mitkriegen. Vielleicht ist die Halle zu hoch, oder die Bühne oder die Leute sind zu weit weg oder die Trennwände schlucken alles weg – keine Ahnung. Es ist jedenfalls, als würden wir in eine klangsaugende Breimasse singen – ein merkwürdiges Gefühl, das wahrscheinlich nur im Vergleich entstehen kann. Jedenfalls sitzen wir prompt wieder verunsichert auf der Bühne rum und die Fühler sind ausgefahren und auf Fehlersuche und irgendwie wirken wir fahrig. Sag ich. Andere Monsters haben einen ganz anderen Eindruck. Und so erleben wir wieder mal ein Konzert, daß hinterher jeder anders beurteilen wird, weil sich jeder gerade anders fühlt. Der eine kommt langsam in die Tour rein und läuft warm, der andere leidet an Übermüdung oder an einer aufkeimenden Grippe, den nächsten beschäftigt Heimweh oder Fernweh, die halbe Band ist mittlerweile rachenkrank und die andere Hälfte hat bestimmt andere Sorgen. Das ist normal und unser Publikum hat es bisher noch immer geschafft, uns auf die Hauptsache aufmerksam zu machen – auf sich! Und so ist es auch heute. Wir kommen ein bisschen später rein, aber am Ende ist auch das neunte Konzert in Folge ein wunderschönes geworden mit seinen eigenen spezifischen Highlights.
Wenn uns das Schicksal morgen nicht noch ein Schnippchen schlägt, war das eine sehr schöne Tour, unsere neunzehnte!

Morgen Hildesheim.

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