Tourtagebuch

Huxleys, Berlin

09. Nov. 2012

von Aldous

Burger, Totte und ich sind schon seit gestern in Berlin, weil wir für „Radio 1“ im Admiralspalast ein Interview gegeben haben, was wir übrigens sehr gerne getan haben, zumal Totte und die Moderatorin sich von einem Auftritt im Sommer beim „Radio 1“ – Geburtstag her kennen und sich gemeinsam durch die Sendung kichern konnten. Burger hat sich auch ab und zu ins Gespräch eingemischt, aber ich hab mal wieder den mysteriösen Schweiger gegeben. Immerhin hab ich aber die Gitarre mitgebracht, so daß Burger sein „Laterne“- Lied über den Äther schicken konnte. Auf dem Gelände vor dem Admiralspalast herrschte ein Auflauf von sich hübsch herausgeputzten Mädchen allen Alters, die allerdings keine weitere Notiz von uns nahmen, weil sie drinnen mit den „Chippendales“ weitaus hübschere Kerle erwarteten als uns. Danach haben wir meinen Geburtstag gefeiert und heute haben wir die Quittung.
Totte und ich eiern durch die Stadt, die mit all ihrem Lärm, ihrem Gehupe und aufspielenden Straßen-Blechbläserbands unsere Gehirne malträtiert. Denn wir müssen noch ein paar Interviews nachlegen und ich habe ein wenig Angst, daß mein „mysteriöser Schweiger“-Trick auffliegt. Aber bei Totte wirkt Kater irgendwie anders und er hangelt sich in den Interviews von einer Stilblüte zur nächsten. Ich bin derweil damit beschäftigt, meine Anwesenheit im Studio mit lauthalsigem Gelächter zu dokumentieren, was bei dem Gespräch mit Norman Schuh für den Bürgerfunk „Alex“ allerdings wirklich nicht schwer fällt. Wir kennen uns schon lange und Gespräche mit benanntem Herrn laufen gerne mal aus dem Ruder. Danach geht’s zu „Star FM“ und da biegen sich an meiner Stelle dann die Moderatoren vor Lachen über Tottes Antworten. Eine sehr sympathische Sendung, in der mehrmals hervorgehoben wird, daß wir für heute Abend vom „C-Club“ ins „Huxleys“ verlegt wurde, was für eine Holzgitarrenband unserer Rangordnung tatsächlich erwähnenswert ist, weil das „Huxleys“ noch mal größer ist als der „C-Club“ und Holzgitarrenbands unserer Rangordnung dort eigentlich nicht üblich sind, zumindest nicht auf der Bühne. In meiner Berliner Zeit habe ich dort Götter angeguckt, die direkt aus dem Olymp herabgestiegen kamen.
Ganz in der Nähe habe ich früher gewohnt, also kann ich Totte ortskundig dort hingeleiten, allerdings finde ich doch dann den Eingang nicht mehr und wir müssen das Telefon zu Hilfe nehmen, um ins Innere geleitet zu werden. Die Kollegen sind schon seit einer Weile da und wir bekommen die Räumlichkeiten gezeigt, während wir den Saal bestaunen. Ein Meer aus Stühlen wurde aufgebaut, damit es in den Weiten des Palastes gemütlich werden kann, den wir doch nie und nimmer auffüllen. Ach so, ja. Doch. So um die 800 Leute dürfen wir heute erwarten. Schwer zu fassen. Aber toll!
Im Backstage warte ich eine geschlagene Viertelstunde mit Chips und Brötchen, dass mal irgendeiner von der Band vielleicht vorbeikommt, bis ich gesteckt bekomme, daß sie im anderen Backstage nebenan – also 7 Türen weiter – bei Chips und Brötchen zusammensitzen. Es gibt aber auch verflixt viele Gänge und Räume hier!
Auch Hilke sitzt dabei, die uns bei der Veröffentlichung unserer „Schnaps und Kekse“ geholfen hat. Sie freut sich aufs Konzert. Wir auch!

Es geht pünktlich los.

Einmonstern mit Claudio, der anschließend im Saal verschwindet, während wir durch einen heißluftbeheizten Endlosgang den Weg zur Bühne schreiten, dann da vorne um die Ecke, durch die Tür und hinter dem Vorhang hört man schon die „Alf“-Musik und jetzt auch das Publikum – es ist alles genau so, wie in meinen Kindheitsträumen. Natürlich nicht wirklich echt, das wissen wir ja, dass das nur ein lustiges Spiel ist, aber eines, das halt irgendwie niemals nie langweilig wird. Ob wir gut sind, so im Vergleich zu anderen Konzerten, können wir nicht beurteilen. Zu lange war die Monsterspause, zu groß ist der Saal und für mich ist auch die Aufregung zu groß, weil ich die Monsterskollegen mit einem neuen Lied überraschen möchte. Bis dahin geht mir sowieso die Pumpe. Aber wir haben sehr viel Spaß! Vor allem mit Börnskis Ansagen. Die haben was.
Auch wenn wir auf der Riesenbühne ziemlich weit voneinander entfernt sitzen, wachsen wir von Lied zu Lied wieder näher zusammen und feiern einen ausgelassenen Tourauftakt vor einem sensationellen Publikum und unter solchen Voraussetzungen traue ich mich natürlich auch, ein ganz neues Lied zu singen. Vielen Dank für diesen besonders schönen Moment, ich habe euch bewusst dafür ausgesucht. Jetzt geht’s mir besser, jetzt kann ich es genießen, wir singen und feiern uns über den Sicherheitsgraben, den es bei so großen Sälen leider geben muss und am Ende befinden wir uns auf einer glückseligen Lieder-Mit-Mach-Feier. Ein spannendes Experiment geht am Ende gut aus und wenn nach einem solchen Konzert in einem solchen Saal der Höhepunkt in der absoluten Stille liegen darf, dann verneigen wir uns voller Demut, dass so etwas mit euch möglich ist. Als passenden Soundtrack schlagen wir die „Beatsteaks“ vor.

Danke Berlin! Danke „Huxleys“ mit deinen Unmengen an Mitarbeitern und Mithelfern, die wir gar nicht alle gesehen haben, weil es hier so viele Räume gibt, Danke an euch alle!


Übrigens hier wird es auch toll:

am 8.12. 'Das Pack' im 'White Trash' packrock.de
am 15.12. 'PanneBierhorst' auf dem 'Theaterkahn' pannebierhorst.de

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