Tourtagebuch

E-Werk *ausverkauft*, Eschwege

18. Nov. 2012

von Rüdi

Es gibt Menschen, die darauf schwören, dass ihr Puls und ihr Geist aktiviert werden, wenn sie sich inmitten eines Steinkreises aufhalten, der an einem Energiepunkt aufgestellt wird. Stonehenge ist ein klassisches Beispiel, der Beweis, dass das bei Baumkreisen noch viel krasser geht, steht in Eschwege auf dem Gelände des „Open Flair“, direkt vor dem „E-Werk“, wo wir heute spielen dürfen.
Was wir hier auf diesem Platz in den letzten Jahren wieder und wieder erleben durften, haben die meisten Gäste des heutigen Abends selber erlebt, nein selber geschaffen und alles kocht hier hoch in unseren Gedanken, während wir im Baumkreis stehen und uns die „Weißt du noch?“ - Geschichten erzählen, wobei das eine dumme Frage ist. Keine einzige Band der Welt würde so etwas je vergessen, die noch halbwegs bei Sinnen ist.
Im letzten Sommer wurden wir hier sogar für eine Woche in die Charts geschossen und heute treffen wir zum ersten Mal seitdem Lizzy und Achim wieder, unseren Booker, Manager und Mastermind in vielen Fragen, um den Erfolg zu feiern.
Auf dem Tisch im Backstage stehen zur Begrüßung Schnaps und Kekse, das haben die tollen Flairisten dort hingestellt, die, nebenbei bemerkt, gerade dabei sind eine echte Straßenlaterne auf die Bühne zu schrauben, die möglicherweise jetzt irgendwo in der Stadt fehlt. Diesen Menschen hier ist einfach alles zuzutrauen. Wo andere Menschen morgen denken „Man könnte ja vielleicht beim nächsten Mal“, da hat ein Markus Stolle oder ein Alexander bereits gestern gesagt: „Fertig!“ Dieser Geist umweht die ganze Crew und wir dürfen uns über all das einfach nur freuen.
Aufmerksame und offenbar nur um unser Wohl bemühte Helferinnen und Köchinnen tafeln sensationelles Fleisch und Gemüse auf, im Kühlschrank stehen partytaugliche Getränke und als wir gerade aufgegessen haben, kommt Markus mit einer Liste vorbei, um zu notieren, wer denn alles nach der Show noch ein Stück Steak haben möchte. Kein einziger meldet sich. Wir sind einfach zu glücklich für Wünsche.

Müde sind wir allerdings auch, weil Urs heute Geburtstag hat und wir letzte Nacht mit ihm gefeiert haben. Das Essen gibt uns den Rest und wir hängen bis zum Einmonstern auf den Couches rum und haben Angst, gleich nicht den nötigen Elan wachrufen zu können. Während sich drinnen der Saal füllt und zwar restlos, denn das Konzert ist bereits im Vorfeld ausverkauft.

Durch die Stahltüren hören wir „Monsters-Chöre“.

Also los!

In der Folge erleben wir einen Abend, für den wir uns ein weiteres Mal einfach nur bedanken dürfen. Unsere Lieder werden mitgesungen und geschwoft, wie es eben gerade passt, auch die leiseren Töne erreichen ihr Ziel. Lampions, Fahnen und sogar ein selbst gebastelter Heißluftballon kreisen über den Köpfen und immer wieder dieser Applaus und die spontanen Chöre, die uns direkt ins Mark treffen. Wir spielen einen Großteil unserer neuen Platte, erfüllen Wünsche – wenn auch nicht alle – und im Licht der Laterne kullert wieder mal die ein oder andere Träne der Rührung aus den Augen, erst recht als Fred gegen Ende des Konzerts unsere Gefühle in Worte fasst. „So lange wir noch irgendwie eine Gitarre halten können...“, was für ein Gedanke, was für ein wunderschönes Ziel! Wir wären alle dabei!

Hab ich schon oft genug „Danke“ gesagt?

Muss ich noch erwähnen, dass Markus natürlich trotzdem für uns alle Steaks gegrillt hat draußen im Regen? Dass wir ganz furchtbar stolz sind, von solchen Menschen gemocht zu werden, wie sie hier mit uns im Backstage sitzen? Dass wir uns auf alles freuen, was noch kommen mag?

Irgendwann verlasse ich erschöpft und grußlos die Party, um im Bus meine Gedanken zu sortieren. Vielleicht komme ich gleich wieder, denke ich mir, aber in der Koje fallen mir Freds Worte ein und ich möchte noch eine ganze Weile irgendwie meine Gitarre halten können.

Wir lieben Euch!

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