Tourtagebuch

Backstage, München

17. Nov. 2012

von Rüdi

Kaiserwetter in München. Und wir bei dieser Tour mit dem Nightliner unterwegs sind, den ganzen Nachmittag Zeit.
„Ich komme mit!“ – sag ich, als ich höre, dass Börnski und Timmey in die Stadt fahren wollen. Wir wollen ein Geschenk im Auftrag der Band für Urs kaufen, weil der heute ab Mitternacht Geburtstag hat, vielleicht ein Bier zischen, vielleicht was angucken – wir kennen die typischen Schlagworte: Marienplatz, Frauenkirche, Hofbräuhaus, Viktualienmarkt.... mal was ansehen, dann müssen wir keine Kalender kaufen. Mit dem Taxi zum Stachus, danach schlendern wir durch die Stadt und deren Buch- und Feinkostläden, Börnski und Timmey sind aus irgendwelchen Gründen vom Hafer gestochen und sehr lustig drauf. Ein kleines Beispiel. Viktualienmarkt: Börnski und ich befinden uns „guck mal hier und guck doch mal dort“-mäßig in einem Wursttempel und überschlagen uns schier vor Freundlichkeit und Begeisterung. Noch ein paar Grämmchen hiervon vielleicht und was bitte ist denn das da? – ach was Hirsch – au ja! Gerne ein Stückchen davon und wie das riecht und wie nett die Bedienung und mach doch mal ein Foto von der Theke.
Dann kommt Timmey.
„Haben sie Fleischkäse?“
Ja, natürlich.
„Dann möchte ich bitte ein Fleischkäsebrötchen“
Die Gourmetkramfachverkäuferin tänzelt los und kommt sofort mit einem wohl duftenden Fleischkäsebrötchen zurück.
Timmey nimmt es in die Hand, beißt hinein und macht

„Ba.“

Dann verlässt er den Laden und verzehrt, ohne sich vor Lachen zu verschlucken, seinen kulinarischen Hauptgewinn.

So halt!
Vielleicht ist doch das „Backstage“ eher unsere Welt.
Wir besuchen das Hofbräuhaus, aber nur um es gefunden zu haben und mal da gewesen zu sein. Drinnen gastieren bayerische Urgesteine wie aus dem Bilderbuch und kariert behemdete Jungschnösel, die für später schon mal Geschäftsgespräche üben. Dazwischen natürlich viele staunende Touristen wie wir. Ein interessanter Kosmos, ich hätte Lust mir das ein Weilchen zu geben, aber Timmey kriegt bei der aufspielenden Musi leider die Krise und zwar ziemlich schnell und genau jetzt. Also wieder raus.
Ein wunderschöner Buchladen hat leider nicht das richtige Buch.
Börnski findet in einem Riesengeschäft unter Milliarden von Schutzhüllen die richtige für sein Handy und Timmey und ich finden das überflüssig.
Wir finden in einem anderen Riesengeschäft das richtige Buch.
Wir freuen uns über den tollen Service im Zigarettenladen.
Gin-Probe und Wodkakauf.
Taxi.
„Backstage“.

Tonprobe, Abendessen, Vorverkaufszahlen, erstes Bier, Bundesliga. Burger hat Besuch von ein paar Freunden und Freundinnen, wir trinken ein Kennenlernbier mit ihnen, im Bus gibt es Stromprobleme.

Und dann geht die Tür auf und der Saal, dieser Riesensaal beginnt, sich zu füllen. So an die 600 Besucher werden in etwa erwartet und ein Meer an Stühlen steht vor der Bühne. Erste bekannte Gesichter sagen „Hallo“ und wir freuen uns mit ihnen aufs Konzert.

Alle da. Auf geht’s.

In einen wundervollen Abend, in eine wundervolle Nacht, in der wir viele schöne Momente erleben werden. Auf der Bühne, im Saal, im Backstage, im Bus – heute ist Party und der erste Teil ist das Konzert, das wir heute geben. Ein Genuss, in die vor uns liegende Halle zu blicken! Viele Erstbesucher sind da und die finden uns noch richtig witzig. Viele Zigfachbesucher auch und die haben uns offenbar lieb gewonnen in den Jahren. Viele Münchener, aber auch mindesten genau so viele Auswärtige. Eschwege grüßt auf charmante Weise. Augsburg ist im Haus. Fahnen werden geschwungen und immer wieder keimen Monsters-Chöre auf. Lieder werden gewünscht und angestimmt. 1860er und Fred werden sich einig, Burger erfüllt Wünsche aus dem Gästebuch, Urs und Rafael zaubern an den Klangreglern, das Sitzmeer sitzpogt und vereinzelt bilden sich kleine, tanzende Inseln inmitten der Stühle. Überall ist was los, außer im extra eingerichteten Fotografengraben. Der ist natürlich leer und daran erkennt man in diesem Film, dass das nur die Traumsequenz sein kann. Die „Backstage“ und wir erleben vielleicht den besten Abend, den wir bisher in München hatten. Nach zwei Zugabenblöcken schafft am Ende München tatsächlich trotz so vieler Menschen und an einem Samstagabend mit etlicher alkoholisierter Beifahreranzahl das Große: Wir dürfen ganz klein enden und mit Algerien aus dem Traum erwachen.

Ihr habt es wirklich drauf.

Ein sensationeller Club, gespickt mit sensationellen Leuten. Wir genießen sehr die kleine Nachparty am Timmerch-Stand, freuen uns über die vielen Fotos und Unterschriftenwünsche und dann ist Mitternacht und plötzlich sind wir weg.

Ja, wo sind wir wohl?

Genau! Im Backstage knallen die Korken und Geburtstagskind Urs hat seinen Discokoffer mit und jetzt kommt die Stunde von Börnski alias „DJ Auswurf“, dessen Stil in der Fachwelt mit „expect the unexpected“ beschrieben wird. Und die „Backstage“ hat Wodka spendiert und die beiden Onkels Helmut und Markus trinken mit und im Bus geht langsam das Licht aus.

Abfahrt 4 Uhr.

Ich höre sie noch Stunden in der Raucherlounge lachen, aber ich liege schon mal.

Gute Nacht, liebes München, liebe Konzertbesucher, liebe Gäste, liebe Backstage für diesen netten Abend und Tag mit euch.

Happy birthday Urssszzzzzzz

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