Tourtagebuch

Hirsch, Nürnberg

11. Nov. 2012

von Rüdi

Ich habe noch gar kein Wort über Udo verloren. Udo ist in diesen Tagen unser Fahrer und ein mit allen Fahrwassern gewaschener Vollprofi. Er weiß immer alles, was gerade kurz nach dem Aufstehen in einem fremden Nightliner eine gerne genutzte Eigenschaft ist. Vor allem Fragen wie „Wo ist...?“ oder „wie geht...?“ beantwortet er gerne, nicht ohne allerdings die ein oder andere humoreske Spitze abzuschießen, die einem die eigene Unwissenheit noch mal so richtig vor Gesicht führt. Und er kann sehr leise Auto fahren. Ich habe heute zum ersten Mal eine Koje direkt auf Bodenhöhe genommen und die ganze Fahrt kein einziges Geräusch gehört. Mann, wir waren aber auch fertig gestern.
„Rechts um die Ecke findest du alles.“ – sagt Udo.
Ich gehe rechts um die Ecke und finde Pensen mit einem Faschingshut auf und Pfeifgeräusche üben. Ja, der war gestern auch dabei. Die anderen frühstücken, duschen, telefonieren, machen irgendwas, wir haben Zeit ohne Ende. Ich zum Beispiel versuche, mir ein Zimmer zu organisieren, was spannender ist als erwartet, weil heute Messe ist. Claudio ist mit der Anlage beschäftigt, Timmey mit dem Merchstand, Burger übt mit mir eine zweite Stimme ein für mein neues Lied, für das ich mal langsam einen Namen bräuchte, weil es fertig ist.
Braten mit Rotkohl, Reisekostenabrechnungen, Klamotten zusammensuchen, erste Drinks, erste Gäste, Smalltalk mit den Securities. Ich bekomme von Tanja, Pia und Jana einen Kuchen geschenkt, weil ich vor drei Tagen Geburtstag hatte, obwohl Jana heute selbst Geburtstag hat. Benny und Jonas samt Eltern sind da, freudiges Wiedersehen mit Wohnzimmerbekanntschaften.

Dann stimmt uns „Alf“ auf das Konzert ein.

Und dann?

Dann beginnt eines der lustigsten und schönsten Konzerte überhaupt. Ein wundervolles, aufmerksames und strahlendes Publikum nimmt uns warmherzig in Empfang und wir erleben einen unglaublichen Abend. Sternstunden und Szenen für die Ewigkeit sind dabei. Absoluter Höhepunkt und für immer unvergesslich, wie Börnski sich mitten in seinem Lied hinsetzt, sich zu Pensen dreht und fragt: „Wollt ihr noch mehr hören, oder was?“ Plötzlich schwant ihm, dass das Lied noch gar nicht fertig ist. Er springt ans Mikro und allein wie er das tut, wird mir lange in Erinnerung bleiben. Aber jetzt haut er sich auch noch bei der „Hallo, ich!!“-Pose das Mikrophon vom Stativ und das Ding macht einen richtig geilen Abgang und wie es dann weitergeht, weiß ich nicht, weil ich wirklich Sterne sehe vor Lachen. Auf der Bühne geht teilweise gar nichts mehr, immer wieder prusten wir los, aber das ist im Grunde nur eine Szene von vielen. Als Burger später ein Lied für seine beiden Kinder „Country“ und „Western“ spielt, geht es wieder ähnlich ab. Diesmal muss ich mich dann tatsächlich mal kurz ablegen, ein bisschen über die Bühne kullern, wenn wir schon alle so drauf sind. Aber auch wirklich großartige künstlerische Momente wie der „Ruderer“ mit seinem Sensationschor, eine der besten Versionen, die wir je gehört haben. Seltenes wie „Musik küssen“ oder „Zorniges Lied“, nie Gehörtes wie mein Neues noch Namenloses und Klassiker, die wir heute aber teilweise vor Gekicher nicht mehr auf die Reihe bringen. Ein Abend voller alles! Irgendwann ist von Klößen die Rede und dann immer wieder mal wieder. „Kloß“ wird das Wort des Abends sein, warum auch nicht. „Kloß“.....wäre ich nicht drauf gekommen, aber bitte sehr. Pensen und Totte kommen drauf. Ich staune selber darüber, was heute alles abgeht. Wir fühlen uns selbst gut von uns unterhalten. Börnskis Tanzeinlagen! Jetzt reichts. Ich breche zusammen. Ich ringe nach Luft vor Lachen und hustekotze fast auf die Bühne. Wie wunderschön das alles ist! Schön, dass ihr es seid, die dabei sind, ihr tollen Leute im „Hirsch“. Ach ja und St. Martinstag ist auch noch. Das ist doch einfach nicht zu fassen.

Vielen Dank, das war toll!

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