Tourtagebuch

Palaver, Bad Gandersheim

30. Apr. 2005

von Lambada Börnski

Bad Gandersheim, oder warum ist Hamburg nicht der Abschlußgig?!
Nach kurzem und traumlosen Schlaf, öffne ich die Augen!
Aber was soll ich auch mit Träumen, der eigentliche Traum hat ja gestern im Logo stattgefunden! Alleine die durch die Sonne dargebotenen Lichteffekte können sich noch mit denen des gestrigen Abends messen! Mein Körper.... Eine Woche mit den Monsters auf Tour und man weiß das Musiker Umstände auszustehen haben, die denen in einer Fremdenlegion nahekommen dürften!

Bad Gandersheim wartet! -Tja wer soll da denn schon warten? Warum kann die Tour denn nicht jetzt schon zu Ende sein? Hamburg ist doch der ideale Abschlußgig! Bad Gandersheim? Boah, dass sind ca. 230 Km Tourbusenge mit mind. genauso zerschossenen Gestalten wie ich eine bin. Aber wer ein echtes Monster sein will, der hat jetzt gefälligst zu duschen, seinen Kaffee zu trinken, eine zu rauchen und sich seiner alkoholdurchtränkten Exkremente zu entledigen.

Es klingelt, der Bus wartet vor meiner Haustür und fast alle Insassen sehen so aus als wenn ihnen ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen wären wie mir. Fred sitzt wie immer am Steuer. Der Kerl wird mir immer ein Rätsel bleiben! Er hat ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als ich ,feiert jede Nacht ein paar Stündchen länger als meinereiner , trinkt auch gern mal ein Gläschen mehr als 'the big labörnski' und kommt dennoch lenkerschlenkend daher, wie der taufrische Frühlingsmorgen mit Schönwettertendenz. Wie John Wayn sitz er da in seinem Sattel und selbst der vorangegangene 10 Tage Ritt und eine endlose 'fredcore-deluxe-aftershowparty' auf dem Hamburger Kiez haben keinerlei Spuren auf seiner Künstlervisage hinterlassen.
Wir fahren noch kurz in der Schanze vorbei um Gitarrengott Pensen Paletti einzuladen und decken uns an einer Tankstelle mit dem nötigsten ein, bevor wir wieder ins Deutsche Autobahnnetz eintauchen.

Während der Fahrt klammere ich mich an meine eigens mitgebrachte Pennytüte, falls der Mageninhalt doch noch das Weite suchen sollte! Musikalisch vertreibt uns eine Georg Kreisler CD die Zeit. Der einzige, der zu diesem Zeitpunkt eine innerliche Zufriedenheit bezüglich unseres Reiseziels ausstrahlt ist Burger, der sich insgeheim auf seine Familie freut. Wer seine Familie kennt versteht ihn nur zu gut, aber wir anderen traktieren ihn anhaltend mit Fragen zu den Vorverkaufszahlen und mit unseren Erwartungshaltungen bezüglich der heutigen Quantität der Konzertbesucher.Selbst Rüdi und Totte die Ihrem Umfeld meißt gnädig gegenüberstehen, wissen die ein oder andere Spitzelei auf unser Landei niederregnen zu lassen. Ihre Feiertagskenntnisse sind es dann auch, die selbst mir die letzte Hoffnung rauben. Der Übergang zum ersten Mai wird halt in den ländlichen Regionen noch ganz anders abgefeiert als in einer Großstadt wie Hamburg. Ja, die Gandersheimer werden an romantischen Lagerfeuern die Sau rauslassen, der Walpurgisnacht (*) fröhnen und nicht mal einen Gedanken daran verschwenden eine der geilsten Bands aller Zeiten verpaßt zu haben!

Der Hunger übermannt uns und wieder heißt es Mc Donalds ahoi! Die Abfahrt Bispingen hat aber außer dem großgeschwungenem goldenen M, auch noch eine andere Attraktion aufzuweisen. Die Ralph Schumacher Kardbahn, bietet Pensen und Burger die Möglichkeit mal wieder so richtig Gas zu geben . Wir Anderen begnügen uns mit schlabberigem Fastfood während sich die beiden dem knallharten Rennsport ausliefern. Sie treten gegen dreiundzwanzig gut trainierte und professionell gekleidete Könner an. Der multitalentierte Pensen schafft es aufgrund spektakulärer Überholmanöver 23. Sieger zu werden. Von den teilnehmenden Fahrern, war Burger derjenige der lieber länger als schnell fährt. Ich möchte ihm an dieser Stelle nochmal herzlichst zum 25. Platz gratulieren.
Nach dem Rennen ist vor dem Rennen!

Weiter gehts, eiligst Richtung Bad Gandersheim! Beim Eintreffen in der Pallaver Hall verdichten sich die Gerüchte bezüglich
der zu erwartenden Publikumsgröße! Da uns leider kein Tontechniker zur Verfügung gestellt wird, machen sich Pensen, Burger und Fred daran den wohl annähernd besten Sound zu erstellen den wir auf der Tour hatten.Ein latentes, in unbestimmten Interwallen auftretendes Feedback (unangenehm hochtönendes Fiepsen), läßt sich leider jedoch nicht beheben. Totte traktiert währenddessen seinen motorisierten Roller mit anhaltenden Links-Rechts-Kurven-Kombinationen. Rüdi und ich versuchen die Zeit mit Zigarettenrauchen und unkoordiniertem Umherlaufen totzuschlagen. Der gemeinsame Monsters-Soundscheck selber verläuft ungewohnt zügig und läßt keine Wünsche offen!

Der Zeitpunkt scheint günstig für Pensen, die alles entscheidenen Frage zu stellen!
'Warum kommen heute so wenig Menschen zu unserem Konzert?' -Na, klar!
'Wal purg is!' (Bitte einmal auf der Zunge zergehen lassen!)
Wir werden mit leckerem Nasigoreng gefüttert, das eine gewisse Renate für uns gefertigt hat. Selbige hat hatte mir zum Gefallen wohl einen Gewürzteufel gefrühstückt. In gleichem Maße wie wir den riesigen Topf leer futtern, füllt sich der Platz vor der Palaverhall. Während Pensen mir noch einen 30 minütigen freestylerap ins Ohr pumpt klingelt pausenlos das Telefon, hervorgerufen durch Menschen die unbedingt noch eine Karte haben wollen. So ist der Saal kurz vor dem Auftritt recht gut gefüllt, was auch an der vor die Bühne verlagerten Performancefläche liegt.

Noch beim Aufstellen und Befüllen meiner Lieblingsrequisite (Kühlschrank mit Bier), hatte ich mir vorgenommen höchstens ein Alsterwasser zu trinken! -Es sollte wieder mal alles ganz anders kommen-

Ein geiler Gig! Der Saal, trotz aller Zweifel angenehm gefüllt.Gekonnt und routiniert aufgrund der zurückliegenden Tourtage, führen wir das Publikum durch unser Programm.
Fred bestellt im Akkord Jägermeister auf die Bühne und auch der Kühlschrank leert sich zusehends unter meiner Mithilfe!
Bei Sususu versemmel ich wieder mal die Chance, die paar Noten die ich einem Glockenspiel entlocken muß, in richtiger Reihenfolge abzuklopfen! Das Publikum hält es, wie so oft für einen Gag und spendet voluminösen Applaus!
Nach mehrfacher Zugabe fallen wir Monsters uns gegenseitig in die Arme und gratulieren uns zur erfolgreichen Tour.
Nach einigen letzten Drinks, verziehen wir uns in Burgers Burfeste wo wir nochmals gründlich mit leckersten Speisen durchgefüttert werden! Es gibt ein Oldscool - Revival - Film -Fest! (siehe erste MOL - Tour 2004) Dann nach Bier und Kraüterlikör ab ins Bett.
Prost!


(*)
Für die Kelten war einst der der 1. Mai einer der wichtigsten Tage ihres religiösen Jahres: Das Fest 'Beltane' wurde gefeiert - der Beginn der Sommerzeit, in der die Erde wieder zum Leben erwacht. Auch die Germanen kannten dieses Frühlingsfest. Sie feierten es mit Freudenfeuern, begrüßten den Frühling mit Liedern und Tänzen. Und sie besuchten die 'Hagszissen' - die weisen Frauen, die in den heiligen Hainen (germanisch Hag) saßen, um sie nach der Zukunft zu befragen. Mit Beginn der Christianisierung war es mit derart heidnischem Hokuspokus vorbei. Allerdings wollte der Volksglaube von seinem Frühlingsfest nicht lassen. Deshalb deutete die Kirche die Freudenfeiern zu Treffen finsterer Mächte um. Aus den guten Geistern der Kelten sowie aus den germanischen Hagszissen machte die Kirche die Hexen. Denen wurde fortan nachgesagt, nur bösen Zauber zu betreiben und mit dem Teufel im Bunde zu sein. Zum Schutz vor den düsteren Mächten bot die Kirche die am 1. Mai heiliggesprochene Walburga an, nach der die Walpurgisnacht ihren Namen erhielt.
(www.das-freizeitportal.de/news/walpurgisnacht)



Was die Hexen bei ihren geheimen Treffen nun wohl wirklich trieben, stachelte fortan die Fantasie der Normalsterblichen an. Beichtbücher, Dichtung und Holzschnitte malen sich seit dem Mittelalter aus, wie zügellose wilde Weiber vorzugsweise in Wäldern und auf Bergen beim Tanz um das Walpurgisfeuer dem Teufel den Hintern küssen, die Besen verführerisch zwischen die nackten Schenkel geklemmt. Zugleich fürchtete man die magischen Kräfte, was schließlich zur grausamen Hexenverfolgung führte, die nicht mehr nur geächtete und ungewöhnliche Frauen, sondern einfach jeden treffen konnte. Trotzdem wurde in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai weiter um das Feuer getanzt - nur galt dies jetzt als Abwehr gegen Hexen. Auch zogen die Menschen weiter lärmend durch die Straßen. Nicht mehr, um den Frühling zu begrüßen, sondern um Geisterwesen zu verscheuchen.

Bräuche gegen die Hexen-Flüche Kreuze wurden mit weißer Kreide gezogen. Dabei schien dies deutschlandweit nicht nur das einfachste, sondern auch das wirkungsvollste Abwehrmittel gegen Hexen und deren Verwünschungen zu sein. Drei davon auf die Stalltür gemalt sollten das Vieh schützen. Auch das Wohnhaus wurde so gesichert: die Knechte und Mägde malten Kreidekreuze auf Türen und Fensterläden. Ganz Vorsichtige ließen sich zusätzlich noch ein Kreuz auf den Rücken zeichnen. Doch die passive Abwehr durch Schutzzeichen reichte den meisten nicht. Mit Krach versuchten die Dorfbewohner, sich die Hexen vom Leib zu halten: Sie knallten die Peitschen, läuteten die Kirchenglocken, spielten auf Drudenpfeifen und Trommeln und schossen in die Luft. Traditionen, die heute noch lautstarke Volksfeste am Leben halten. Erhalten haben sich bis heute beide Arten von Walpurgisfeiern: Einerseits die religiösen Rituale der 'Neuen Hexen' und andererseits die Volksfeste und Verkleidungsspektakel im Harz und in der Lausitz.