Tourtagebuch

Rosenkeller, Jena

27. Apr. 2005

von Burger

'Als ich den Punk erfand...' (Die Ärzte)

Der Wecker auf meinem Handy klingelt. 8:00 Uhr. Mitten in der Nacht! Fuck, wo bin ich? Achja, Etap Hotel Würzburg 'Hier schlafen die Schlauen!'. Ich teile mein Zimmer mit Herrn Bierhorst, der mich gestern zur Seite nahm und sagte: 'Pass auf, wann auch immer ich ins Bett gehe, ich muss unbedingt irgendwie um 8:00 Uhr aufwachen und einen dringenden Anruf tätigen. Kannst du mich bitte wecken?' Klar kann ich (hier schlafen die Schlauen). Ich quäle mich in weckender Haltung in Richtung Rüdi und bemerke, dass er bis jetzt noch keinen Fuss in unser Hotelzimmer gesetzt hat. Eine knifflige Situation... 'wann auch immer ich ins Bett gehe'... hm war wohl nicht bis zu Ende gedacht. Was nun? Toll, ich bin wach.

Zum Glück ist das TV-Programm scheisse und ich schlafe gegen 8:05 wieder ein. Um 11 Uhr finde ich mich frisch geduscht mit König Totte vor dem Hotel wieder. 'Du, da drüben muss irgendwo ein OBI - Baumarkt sein. Lass uns mal gucken, ob wir nicht einen neuen Alu-Koffer für unsere Kabel, Glockenspiele, Rasseln etc. finden...' König Totte folgt mir widerwortlos. Nach ca. 200 Metern gießt es wie aus Eimern. 'Pit Schnass' bis auf die Haut erreichen wir OBI. Natürlich finden wir den passenden Koffer. 'Hast du Geld dabei?' 'Nö, Du?' 'Nö'

Natürlich hört es sofort auf zu pissen, als wir wieder beim Etap ankommen und eigentlich brauchen wir gar keinen scheiss Koffer, denn unser alter ist noch tadellos...

Um 12 Uhr sind alle abfahrbereit beim Bus. Auch Herr Bierhorst, der bei Pensen und Lambada gepennt hatte, weil der Code für´s Türschloss nicht funktioniert hat (hier schlafen die Schlauen). Natürlich hat er dennoch pünktlich telefoniert.

Die Fahrt nach Jena ist die bisher längste auf unserer Tour, aber wir sind -trotz Pause- viel zu früh da. Es ist 15 Uhr. Im Rosenkeller fegen zwei Unbekannte, die sich nicht für uns interessieren die Reste von Gestern auf. Keine Bühne, keine Technik, kein Veranstalter. Haben wir uns im Datum geirrt? 'Quatsch, komm wir bummeln etwas durch die City und kommen in einer Stunde wieder'.

Um 16 Uhr sind wir wieder beim Club und tatsächlich hat sich was getan: Die beiden haben fertig gefegt. Allerdings immer noch keine Bühne, keine Technik und kein Veranstalter. Der Rosenkeller ist zwar auf, jedoch absolut Menschenleer. Wir überlegen kurz, alles was nicht Niet- und Nagelfest ist rauszutragen und abzuhauen. Fred schlägt vor, das zu lassen und den Veranstalter Tom auf dem Handy anzurufen. Am Schluss kommt heraus, dass Tom uns alles bereits per E-Mail mitgeteilt hatte. Wir brauchen erst um 19:30 Uhr aufzutauchen. Nach einer kurzen Diskussion beschliessen die Monsters, schon einmal die Hotelzimmer zu beziehen. Pennen....

Gegen 20 Uhr kehren wir zum Rosenkeller zurück. Ich bemerke, dass sich direkt daneben eine widerliche Tabledance-Bar mit dem Namen 'Titty Twister' befindet. Ekelhaft. Eine Kneipe, in der sich Frauen auf Tischen und an Stangen rekeln und halbnackt die blöde, stumpfe Männerschaft um ihr Geld bringt. Welche hirnlosen, primitiven, schwanzgesteuerten Idioten da wohl reingehen? Bestimmt nur irgendwelche notgeilen Prolls, die im normalen Leben keine abkriegen. Einfach nur ekelhaft!

Im Club ist inzwischen alles für uns aufgebaut und langsam steigt die Stimmung. Ich versaue sie: 'Die Soundanlage ist lächerlich klein und klingt bestimmt zum kotzen.' Falsch. Selten hatten wir einen geileren Sound. Der Tonmann kennt uns schon aus dem 'Wagner', wo wir auf der letzten Tour gespielt hatten. Es bleibt dabei: Super Stimmung! Als ich mal für kleine Monsters bin, bemerke ich, dass vor dem Rosenkeller bereits eine beträchtliche Menschentraube auf den Einlass wartet. Stimmt, ich erinnere mich. Wir waren aber auch verdammt gut, beim letzten Mal im Wagner. Da würde ICH auch nochmal hingehen. Jena weiss halt was gut ist. Überhaupt habe ich schon immer gewusst: Jena Rockt! Im Eingangsbereich des Nachbarclubs hat ein scheinbar unfassbar talentierter Sprayer das Portrait einer Frau hinterlassen. Wir fotografieren und staunen.

Das Konzert ist ein wirkliches Tour-Highlight! Die Leute hören zu, lachen an den richtigen Stellen und singen fast jeden Song mit. Es wird ordentlich gefeiert und die Monsters sind, dank Alkohol etc. sehr bald ziemlich auf Sendung. Schon in der Pause kristallisiert sich heraus: heute ist ein besonderer Abend. Wir spielen fast 4 Stunden und haben wirklich viel Spass.

Herr Bierhorst ist der neue König. Natürlich tue ich alles, was er sagt. Oh Gott. Um nichts auf der Welt wollte ich meinen neuen, geliebten König enttäuschen. Au backe. Ich bin ganz schön voll...

Gegen 3 Uhr bemerke ich, dass sich direkt neben dem Rosenkeller eine spitzenmäßige Tabledance-Bar mit dem Namen 'Titty Twister' befindet. Ich schlage dem König vor, dort noch ein wenig abzustürzen. Mit ca. 10 Personen begleitet uns König Bierhorst (mit Krone, Zepter und Umhang) in die Tittenbude. Wir haben mächtig Spass, bis Lambada, ich und der König uns gegen 5 Uhr wohlgelaunt und Arm in Arm ins Hotel begeben. Dort ordnet der König noch eine 'Sportzigarette' an, die uns alle sanft in die ewigen Jagdgründe geleitet.

Voll gewesen - toll gewesen.

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