Tourtagebuch

Tenne, Winterberg

22. Apr. 2005

von Fred Timm

Burger und ich wachen als erste auf, ich habe beschissen geschlafen und herrlich gefroren, wir wandern zum Bäcker und kaufen Frühstücksutensilien ein.
Nach dem Frühstück (zwei Uhr nachmittags) wird das auf unserem vor zwei Wochen stattgefundenem Probenwochenende erworbene Wissen getestet und aktualisiert. Wir setzen uns in eine Runde und festigen die neuen Songs und Chöre ein, vervielfältigen Set-Listen und rollen und beschriften die T-Shirts, die auf dieser Tour unter´s Volk gebracht werden sollen.
Die Spannung steigt. Raus aus dem Übungsalltag, nun soll das neue Programm endlich unter die Leute. Die Sonne scheint, noch ist´s gar mollig warm, man braucht nur T-Shirt und Sonnenbrillen, herrlich, fast urlaub-esk, wir holen Erwin ab und fahren dann raus zur Tenne und begutachten die Bühne, die in einer, wie soll ich sagen, halb offenen Scheune steht, dort werkeln ehrgeizige Techniker, verkabeln, tun und machen, während sich alle Monster in der Sonne aalen.
Einzig ungelöst bleibt zunächst das Problem des Caterings. Hunger.
Hinzu kommt, dass sich der Sound-Check endlos hinzieht, denn Digitalpult ist Digitalpult und kompliziert in der Bediene, es pfeift, koppelt rück und knistert, wenigstens wird unserem Hunger gedacht, denn die heutige Vorgruppe „Napalm Duo“ hat vorhin einen 20 Euro –Schein in 1-Euro-Burger bei McDoof investiert und überläßt uns großzügig den Rest (13 Burger). Die Sonne verschwindet hinter dem Scheunendach und prompt wird es kühl in der Tenne, immer noch checken wir Sound...
Irgendwann ist auch das erledigt und wir fahren – richtig – zu McDonalds. Ich hoffe inständig, dass dies nach dem brutalen Fastfood-Overkill der letzten Oktober-Tour unser einziger Besuch bei der amerikanischen Schnitzelbraterei wird. Anschließend geht´s nochmal in unser Appartment, um zu duschen und uns in 4 Schichten Bekleidung zu hüllen, denn Monsters sind zwar harte Kerle und Rocker, frieren aber leicht.
Gegen 21 Uhr fahren wir zurück zur Tenne, es ist dunkel geworden, die Nacht sternenklar und empfindlich kalt, auf der Bühne tobt bereits das Napalm Duo, wir ziehen uns in die kleine Kneipe zurück, berauschen uns am ersten Bier und gebähren dabei die glorreiche Idee, Zuschauerzahlen zu tippen und den Sieger des Tipp-Spiels bis zum Abend des folgenden Tages zum „König“ zu erklären.
Und dann wird es ernst. Das erste Konzert in alter Sitzordnung und mit neuem Programm. Das Publikum geht gut mit, die frisch eingeprobten Chöre sitzen und versprühen einen Hauch von richtiger Musikalität, die Dramaturgie der neuen Songreihenfolge offenbart zwar noch kleine Schwächen, aber auch echte neue Hits wie die Todesanzeigen, Vermögen, Tot und die sensationelle Zwerge-Bühnenchoreographie. Es macht Spaß und dank großzügiger Beleuchtung mit wärmespendenden 1000-Watt Strahlern läßt sich auch die Kälte einigermaßen ertragen. Zugabe um Zugabe ist die logische Konsequenz, Winterberg feiert zu fortgeschrittener Stunde das Monster-Debüt und weiß sich nebenher auch gepflegt zu betrinken.
Nach fast vier Stunden Monsters-Konzert ist es mittlerweile schon fast halb drei, wir entrinnen durch zügiges Abbauen und Einpacken der Tenne und lassen uns von einem netten Helfer wieder zum Bradleys fahren. Dort wird Burger zum ersten König der Tour gekrönt (leider noch ohne Krone und Zepter, diese Utensilien werden für morgen in Dortmund zu besorgen geplant). Da sitzt er nun, König Burger, läßt sich Getränke bringen, unterhalten, Musikwünsche erfüllen und wir untertänigen Vasallen huldigen ihm, lobpreisen ihn und nehmen Befehle entgegen ('Fred, der König wünscht, Du mögest lächeln'). Für morgen wird eine Bootsfahrt angeordnet.
Später wird der König müde und ins Appartment eskortiert, für den Rest geht es weiter im Bradleys, ich spiele Darts, die anderen lungern in Tresen-Nähe herum, feiern mit Veranstalter Erwin und Fans und Freunden. Die letzte Station ist dann morgens um sieben - nur noch Rüdi, Lambada und ich sind übrig geblieben – eine Discothek, wo ich mein letztes Taschengeld in eine Portion White Russian für drei investiere. Dann tanzen wir noch ab und landen viel zu spät in unseren Appartment-Betten...

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