Tourtagebuch

AKW, Wüzburg

26. Apr. 2005

von Fred Timm

Mainz wacht auf - ich wache auf – als König.
Um 12 Uhr mittags befehle ich meinem Gefolge rasches Aufstehen, Duschen, Fertigmachen und losfahren. Mainz war wunderbar, aber nun muß die Reise weitergehen.
Ich befehle Burger, die Tourkutsche zu steuern. Allen anderen befehle ich, einzusteigen.
Ungewohnterweise wird dann beim Überfahren der bayerischen Staatsgrenze MIR, dem König, befohlen, meine Krone abzunehmen. Eine Rebellion ? Aufstand ? Meuterei ?
Mitnichten. Vasall Pensen hält meine Tracht für so auffällig/albern, dass bayrische Schergen bei unserem Anblick (schwuler roter Tourbus, nicht aufgeräumt, zerflederte Gitarren plus Kühlschrank im Fond, Langhaariger auf dem Fahrersitz, Bier-von-gestern-Dunst, Mann mit Papierkrone und Fliegenklatsche auf dem Beifahrersitz) Lust bekommen könnten, uns zu filzen. Naja, verstehe ich. Also runter das Ding. Aber befehlen darf ich trotzdem.
Im Spessart wird auf mein Geheiß von der Autobahn abgebogen. Wirtshaus suchen, ich möchte gut und bürgerlich Spargelessen. Wird leider nix, Landschaft ist zwar schön, aber Gasthöfe haben alle nur mittags Küche, wir waren mal wieder zu spät, also gibt es in einem wunderschönen Ort (Name verpeilt, egal) Pizza und Nudeln bei einem Italiener, der extra den Grill-Spezi herbeitelefoniert, damit Vasall Burger und Vasall Lambada ihren Grillteller essen können.
Später dann Ankunft im Etap-Hotel Würzburg. Der König (ich) wünscht ein Doppelzimmer mit Totte. Etap-Hotel. „Hier schlafen die Schlauen.“ Ich lache später.
Begrüßung im AKW mit Jojo, dem Veranstalter und Booker des Ladens. Toller Saal, perfekte Anlage, super Catering, rascher Soundcheck, nette Crew, klappt perfekt, ich bin zufrieden und dennoch ereilt mich hier und jetzt der Tourkoller. Den anderen Monsters scheint´s gut zu gehen, aber ich war die ganze Zeit schon irgendwie unruhig, ein bißchen von Kleinigkeiten hier und da genervt, das Gesuche vorhin nach einem Gasthof war enervierend, bei der Fahrt zum AKW sechsmal verfahren, Stau, Nieselregen, ach, und dies und das. Das lasse ich die anderen auch spüren, indem ich mich ihnen entziehe und in der Garderobe mich zum alleinigen Biertrinken zurückziehe. Bin aber einigermaßen ruhig, denn Tourkoller kenne ich mittlerweile und weiß, wenn ich mich irgendwo ausgekotzt habe und das Konzert nachher gut wird, wird alles wieder gut sein.
Es ist nun Einlaß und damit endet meine Regentschaft. War ganz nett. Eigne mich aber wohl kaum als Autoritätsperson geschweige denn zum Monarchen.
Showtime!!!
Unerwartet viele Würzburger/innen möchten dann um 21 Uhr die Monsters sehen und, getragen von gutem Sound und bestens aufgelegten Monsters (inklusive mir mit schon fast überwundenem Tourkoller) wird das Konzert ohne Übertreibung ein echter Bringer. Macht Laune, tolles Publikum (qualitativ wie quantitativ), mein Tourkoller entschwunden (ist doch von allen Dingen am allergeilsten, Mitglied der „Monsters“ zu sein), Zugaben um Zugaben und anschließend extrem nettes Abhängen im Foyer des AKW.
Abgerechnet ist, abgebaut ist, alles im Wagen verstaut ist, spät ist´s geworden, nun ja, die jüngeren Semester (Totte, Pensen, Rüdi und Lambada) zieht es noch in eine Würzburger In-Kneipe, Burger steuert den Bus ins Hotel, und ich mit ihm.
Nun denke ich, ich verpaß was, wenn ich nicht noch mit den anderen feiern gehe, aber die beste Aftershow-„party“ des Abends bietet Burger: der hat nämlich Nachthunger und alles, was „Würze“ zu dieser nachtschlafenden Zeit noch zu bieten hat, ist der Snackautomat im Foyer des Etap-Hotels. Nun wirft er Kleingeld ein und wählt eine Packung Salzletten, die sich aber oberhalb des Ausgabeschachts querlegt. Da gewalttätiges Rütteln am Automaten nichts hilft, hofft er, mit geschicktem Anwählen weiterer Köstlichkeiten (Twix-Riegel etc.) durch gezieltes Herunterfallen auf die Salzletten eben diese zum Ausgabeschacht bewegen zu können. Klappt nicht. Mittlerweile liegen ein Twix-Riegel, eine Dose Eistee, eine Packung Kaugummi und „Kitkat“ auf der Salzlettenpackung, ohne dass sich was bewegt. Hihihi, das ist lustig. Und erinnert mich daran, wie ich mal, an extremem Schmachter leidend, nachts am einzigen Zigarettenauotmat weit und breit eine Stunde lang versucht habe, eine Schachtel Zigaretten zu ziehen...
Ich gebe Burger mein letztes Kleingeld und ziehe mich auf mein Zimmer zurück.

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