Tourtagebuch

Querschlag, Clausthal-Zellerfeld

23. Apr. 2006

von Tottovic

Abfahrt Hamburg 14 Uhr. Die Fahrt völlig ereignislos: Schlicht schlechte Industrie-Toasts, stilles Waser, keine Staus.
Ankunft Querschlag – man weiß es ja – Gründungsstätte der Monsters. Ein sehr kleiner, gemütlicher Laden ohne richtige Bühne, weshalb wir hier immer etwas abgespeckt spielen müssen. Das bedeutet: nur zwei Gitarren und sechs Monster wie Hühner auf der Stange. Aber auch sowas hat Flair.
Erik ist heut Mischer und wird im Verlaufe des Abends noch für ein absolutes Highlight sorgen, doch davon später.
Erst gibt’s Kaffee und Zigaretten und eine freudige Begrüßung mit Babsi, unserer Querschlag-Connection. Diese wiederum hat mütterlich für uns gesorgt und uns in einem altehrwürdigen Verbindungshaus untergebracht.
Besagtes ähnelt einerseits der Villa Kunterbunt, andererseits dem Psycho-Motel, ist aber einerseits nicht braun und andererseits nicht so gruselig.
Hier werden wir von Babsis Freund mit Tonnen hervorragender Spaghetti Carbonara und von Babsis Mutter mit leckeren Kirschen in Quark verköstigt, hm, super Sache, soweit.
Völlig übersatt wäre ein Schläfchen toll, aber nö, es ist kurz vor acht und wir müssen back to da club!
Gut gefüllt ist er, der Club!
Natürlich stimulieren wir uns rasch mittels Whiskey-Cola und um 21 Uhr geht’s dann ab:
Na ja, erst ganz schön gebremst, wir hören nicht so viel, wie’s geiler wär, beim zweiten Lied bemerkt dann Fred auch, woran es liegt: Von insgesamt zwei Boxen ist nur eine verstöppselt, das halbiert unsere Power eben. Fehler behoben, das Publikum honoriert’s und schaut allerdings – genau wie wir, schon zwei Lieder später äußerst verwirrt drein, als eine Stimme aus dem Nichts erschallt:
Erik ist’s, der uns alle davon via Mikrofon in Kenntnis setzt, daß ein Auto eine benötigte Einfahrt zuparkt und gleich noch das Kennzeichen durchgibt.
Pensen mag es aufmerksam, und dirigiert kurzerhand einen Kennzeichen-Chor, den das Publikum äußerst bereitwillig lauthals mitgrölt. Bei soviel Volumen prägt sich wirklich jedem die Nummer ein, so daß Erik schnell bemerkt, daß es sich um sein Auto handelt. Aha.
Stimmung, Bier und Whiskey-Cola dominieren den Abend, schön eng auf der Bühne, das Gitarreweiterreichen wird zum Drahtseilakt. Zellerfeld, der von Clausthal verhaßte Nachbarort wird häufige Zielscheibe unseres Spotts, was zwar ungerecht aber toll in Songs integrierbar ist.
In der Pause Merchverkauf aus dem Bus heraus, echt Gangsta-Feeling.
Die zweite Hälfte wartet noch mit vielen Highlights auf, es gibt viele Zugaben und fertige, aber sehr zufriedene Monsters.
Aftershow: Während ich diverse – von der Querschlägercrew empfohlene – „Touch Down“-Cocktails genieße, drehen die Restmonster richtig gut ab: Plötzlich erschallen die Beatles aus den Boxen, Beatles und noch mehr Beatles. Everybody’s dancin’! Fred spielt zu „Yellowsubmarine“ seine Flöte und Labörnski trägt einen leeren Merchkarton als Hut und bläst inbrünstig seine Kazoo zu „Here comes the sun“. Ja, da geht tatsächlich die Sonne auf.
Dennoch: Irgendwann muß auch mal Schluß sein, back in da Verbindungshaus werden noch Monsterportionen Spaghetti Carbonara verdrückt und ein, zwei Gute Nacht-Biere geleert, bevor alle endmüde bis ultimo auf ihre Matrazen im hauseigenen Fechtraum fallen. Da kann uns nichts passieren, denn wir sind hier ja bewaffnet, und plötzlich wirkt das Psychomotel auch gar nicht mehr so gruselig: Wir sind ja schließlich Monster!

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