Tourtagebuch

AKW, Würzburg

25. Apr. 2006

von Tottovic

Nur eine Stunde Fahrt von Frankfurt nach Würzburg? Ist doch ein Kinderspiel!
Solchen Einleitungen müsste dann eine totale Chaos-Story folgen, aber tatsächlich war die Fahrt nur: Ein Kinderspiel!
Zunächst anvisiertes Ziel: Das Etap-Hotel: Hier schlafen die Schlauen! But forget it. Einen Monat im Voraus gebucht, behaupteten die Damen und Herren, sich auf uns zu freuen, von den Handwerkerkolonnen, die gesamt Etap in ein Konzert der Einstürzenden Neubauten verwandeln, erzählten sie uns indes nichts: „Verbrecher!“, schimpfen wir, „Verbrecher!“
Dann eben Ibis, ist eh schöner, zentraler und sowieso.
Der Fahrstuhl läßt – sobald Laburnski und ich drinstehen – einen Notruf aussprechen und ich muß aufs Klo und werde nervös. Doch zeitig werden wir gerettet.
Für heute ist endlich mal Schwimmen angesetzt: Pensen, Labörnski, Burger et moi gehen los, während Bente und Rüdi auf Tatar und Kultur in der Stadt lustwandeln und Fred die Vorzüge des Einzelzimmers genießen möchte.
Das Wetter ist unfaßbar schön – schlecht für die Zuschauerzahlen, gut für den Nachmittag. Scheinbar ist innerhalb von einer Stunde der Frühling richtig ausgebrochen.
Das „Nautiland“ ist zudem eine Riesenempfehlung an alle wert, die in Würzburg die Freuden des Wassers erleben wollen: Hallen- wie Freibad bietet es darüber hinaus noch Dampf- und Trockensauna, Whirlpool und eine klasse Rutsche, so daß die zwei Stunden bis zum Bühnenaufbau wie im Fluge vergehen.
Im AKW werden wir wieder fürsorglichst betreut, auch der Soundcheck mit Mischer Olli läuft sehr entspannt. Einzig ein etwas doofes Fiepen ist nicht aus den Monitorboxen zu bekommen. Aber egal.
Wir sind heute – wie bereits erwähnt – etwas nervös ob der Zuschauerzahlen, denn das Wetter ist seit jeher ein großer Feind für Apriltourer, da wird jeder Sonnentag anders genutzt, als sich in dunkle Räume zu quetschen.
Darum freut es uns, daß zu unserer Show nicht weniger Leute kommen, als beim letzten Mal.
Gut 90 Leute sitzen im chilligen Rahmen auf den Sofas und Teppichen im Publikumsraum und genießen unser Konzert, welches wir ganz unbescheiden bereits kurz nach dem Auftritt zu einem unserer spielerisch besten dieser Tour ernennen. Zwar wird nicht ganz so laut gegrölt und gesungen wie in den Städten, die wir bislang bespielt haben, aber daß liegt natürlich auch an den Sofas: Versucht mal in der Couchposition abzurocken, eben, geht ja gar nicht.
Die Pause verlängert sich leider etwas, denn Olli und Bente müssen einem Brummen auf die Schliche kommen, daß sich urplötzlich in unseren Sound eingeschlichen hat. Doch Bente ist cool und kriegt alles gebacken, und sowas muß bitteschön auch mal Erwähnung in unseren Tourberichten finden.Leider kackt später auch wieder Pensens DI-Box permanent ab, und da ihre Funktion vermittlungstechnisch zwischen Gitarre und Verstärkern äußerst wichtig ist, leiden darunter ein paar Songs. Aber souveräner Checker, der er ist, kann alles smart unterbrechungsfrei weitergehen.
Laburnski trumpft zudem noch mit seinem – durchs heutige Schwimmen maßgeblich gestählten – Adoniskörper glänzen, bei „Schönheitschirurgie“ schwingt er sein T-Shirt, und es wäre ihm mit sicherheit von kreischenden Fans entrissen worden, wären die aus ihren Sofamulden schnell genug hochgekommen.
Dieses Konzert wird überdies auch das bisher längste, denn das Publikum fordert nach unseren ganzen Zugabenblöcken so energisch Zugaben, daß wir einfach nicht umhin kommen, noch eine Handvoll Songs abzuschießen. Tolle Sache. Gut, für den ein oder anderen Hörer sind unsere Konzerte vielleicht zu lang, aber – Mensch, wenn man doch noch Lust hat, weil man gut drauf ist und dem Großteil des Publikums geht’s ähnlich, dann ist’s doch klar, daß weitergerockt wird. Aufhören, wenn’s am schönsten ist: doofe Regel!
Nach dem Konzert allerdings wird schnellstmöglich abgebaut, denn wir alle sind müde, vom Konzert, von der Sonne, vom schwimmen, müdemüdemüde.
Also rasch ins Ibis, heut schlafen hier die Schlauen. And by the way, um’s mit Liedermacherkumpel Katze Klose zu sagen: Fuck you, Etap, fuck off!

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