Tourtagebuch

Schwimmbad, Heidelberg

08. Nov. 2006

von Totte

Es scheint beinahe, als läge ein Zauber auf uns: Keiner hat Kater, alle fühlen sich im Grunde frisch. Das kann durchaus an der Qualität des voran gegangenen Abends liegen, wenn Gesellschaft wie auch alles andere gepaßt hat.
Unser Frühstück steht im Flur, sehr nett, allerdings könnte man auch meinen, daß jemand den Direktkontakt mit uns scheut.
Aber bitte, kann sein, wir waren laut, aber Gitarrenklänge und sanfte Texte über den Pendelverkehr der Hamburger Schifffahrt lassen wohl kaum auf aggressives Menschenmaterial schließen, n’pas?

But everything ist nice, es gibt die ersten Salbeidosierungen für unsere geschundenen Hälse, Hustkonzerte par exellence und unvernünftige Zigaretten danach.

Dann aber ab in den Bus und straight nach Schrießheim (bei Heidelberg), denn dort liegt unser Hotel. Und schon wären wir wieder beim Tourberichtproblem: Die Abläufe auf Tour: Total stereotyp! Was soll man machen? Es pasiert eben nur selten was außergewöhnliches. Na ja, gut.
Die Raste, die wir heute anfahren, ist jedenfalls ein Diner, sehr weiträumig, wo wir beinahe unsere Brieftaschen loswerden, weil so ein Pärchen just den Laden überfällt, aber glücklicherweise sind da noch zwei Kerle, die auch Knarren haben und irgendwie alles regeln, als sie abgezockt werden sollen. Echt Glück gehabt! Also weiter im Text.

Schrießheim, Hotel zum Adler. Könnte auch Bates-Motel heißen. Alte Tapeten, knarzende Treppen und nur lose verstreute Fernseher. Im Raum neben Rüdis wird permanent gebumst, was an seinen Nerven zehrt. Ich schlafe sofort ein, weil in dem Salamibrötchen von Aral wahrscheinlich Dalmadormextrakt drin ist.

Danach dann Tourbericht für Marburg schreiben, bei Rüdi „das perfekte Dinner“ gucken und sich über den Ausspruch einer Mitbewerberin freuen: „Oh hervorragend -. Creme bavaroise! Das ist natürlich eine Creme, und zwar französischer Art!“
Jetzt wird’s aber Zeit für den Club. Da ist alles bereits aufgebaut und schön funkelt alles. The master of sounds kennt uns Monster bereits von früheren Auftritten, so geht alles schnell und gut und klasse Sache, das. Allerdings ist der Einlaß inzwischen auch früher als die letzten Jahre, so kommt denn doch etwas Streß auf.
Vor Konzertbeginn macht Burger den Merchandise, wir anderen begrüßen Freunde und Kollegen, essen Schinkenbrötchen und schauen die Ärzte-unplugged an der Theken auf Großbildfernseher oder Leinwand oder wie auch immer.
21:30 – Jetzt geht’s los, es ist voll und die ersten Monsterchöre starten, may we goin’ to be some kind of stars? Nein, aber echt ein cooles Gefühl, lauthals erwartet zu werden. Einmonstern, Start, und ein Heidelberg in absoluter Bestform!
Für Rüdi starten wir mit dem Geburtstagslied, vor „Prost“-Rufen erzittert der Club, und Spruchtafeln für Rüdi werden hochgestreckt. A lot of love! Und absolut beeindruckend!
Heidelberg ist traditionell immer nach hause kommen, da kann man gar nicht viel zu sagen außer „Vielen, vielen Dank!“ Es hagelt Spontantappläuse, die neuen Songs werden gehört wie die alten gefeiert, die Bühne, der Blick, die Leute, es ist immer ein absolutes Fest. Berauschend! Auch Fehler werden nachsichtig eher gefeiert, denn verziehen, wenn Gitarren sich versehentlich abstöppseln, wird eben applaudiert, bis die Gitarre wieder spielbereit ist, und weiter geht’s! Klasse.
Von Rüdi und Fred werden Kinder gefordert und zum Ende des Konzertes geht ein Getrampel los, das uns die Rührungstränen in die Augen treibt. Zugaben? Ja natürlich, fraglos! Bei „4 Meter“ besonders schön, daß die Nebelmaschine angeworfen wird, völlig ungeplant und darum um so geiler. Besonders, daß sie nicht nur so kurz läuft, sondern auf unseren spontanen Wunsch einfach den gesamten Laden für genau eine Liedlänge komplett einnebelt – Hammer!
Es gibt sogar wieder Standing Ovations und dennoch können wir Algerien unplugged spielen. Wir haben einfach defintiv das beste Publikum der Welt, da kann man einfach nicht drüber streiten.
Nach dem Konzert geht es noch eine ganze Weile mit schönen Unterhaltungen weiter, aus Semi-Talismangründen tausche ich einen Ohrring mit einer netten Dame des Pfadfinderstammes Mannheim-Neckarau, die sich mit ihrer Freundin als die Schilderhalterin für Rüdi zu erkennen geben, die Kollegen von „Unkraut Liedermacher“ sind ebenso da, wie der Punkliedermacher „der ideale Schwiegersohn“. Alles sehr, sehr schön.
Irgendwann splittet sich die Gruppe allerdings, denn während Pensen, Burger und ich ins Hotel möchten, entscheiden sich die Kollegen für eine kleine Party bei und mit Freunden. Es sei ihnen gegönnt. Wahrscheinlich hätten die jetzt auch mehr zu erzählen, denn ich kann nur berichten, daß in Heidelberg ein katastrophaler Mangel an 24 Stunden Tanken herrscht und die „Unkrauts“ darum für uns den heimischen Kühlschrank plündern müssen, damit die Hozelrunde dann in gemütlichem Rahmen zumindest noch ein letztes Gute-Nacht Bier bei besinnlicher Beschallung der Ärzte-CD „Debil“ genießen können. Fazit: wenig Exzess, dafür aber extrem viel Spaß in Heidelberg. Es war groß, Euch sei Dank! „Schlaf mein Kindchen, schlaf jetzt ein, die Nacht, sie schaut zum Fenster rein, schlaf mein ...........“