Tourtagebuch

Caveau, Mainz

06. Nov. 2006

von

Woke up with some kind of feeling called Schamgefühl!
Die Nacht gestern war zu hart, Erinnerungsfetzen, Fragen, es ist alles so klassisch wie erwartungsgemäß. Vor allem aber ist es 11 Uhr. Wir müssen los.
Rüdi wecken, rausgehen, rumjammern.
Richtig frisch ist heute niemand.
Aber das ist Tour, um Rod Gonzales zu zitieren: „Nach 10 km wirft man das Niveau über Bord, nach 20 km die Moral und dann ist man auf Tour.“ Also, was soll sein?
Die Fahrt nach Mainz gestaltet sich sehr egal, gefüllte Paprikaschoten vs. Schnitzel an einer Raste, beides eher unlecker, dann als Fahrtfilm der großartige „Spinal Tap“, während Fred und Labörnski vorne im Wagen „TempEAU“ frönen. Qualität auf allen Seiten.
Wir finden recht zügig zum Hotel, der GUtenberg Residenz, die ausschließlich aus Nichtraucherzimmern besteht. Pensen & Burger nächtigen im Erdgeschoß im „African Room“ der ultraedel daherkommt und für Parties perfekt wäre, wären wir heute nicht so unperfekt für Parties.
Schlafen, schlafen. Im Fernsehen Babsi Salesch, die dumme Nuß. Das Tagesfernsehprogramm läßt übrigens Menschen leiden, denn es werden Realitäten dargestellt, die immer gleich Ergebnisse mitliefern und an denen man sich orientieren soll. Oder so ähnlich. Oder ich irre mich, kann nach so einer Nacht ja auch ruhig mal passieren.
Später Dusche und Fanta, dann los zum Club, bei dem man immer genötigt wird, gegen die Einbahnstraßenrichtung zu fahren, um hinzukommen. Ein Fall für Salesch, wenn noch andere Delikte wie Mord z. B. dazukommen würden.
Im Club ist die Crew schon am Start, auch der genesene Shrenk, unser Soundgod, Philipp selbstverständlich auch, alle gutgelaunt und smart as fuck! Cool hier.
Unser erster Auftrag ist: Essen bestellen! Traditionell chinesisch! So findet unser Soundcheck wieder hintereinander statt, denn als alle bereit sind, kommen auch Ente süßsauer, gebratene Nudeln und die ganzen anderen asiatischen Köstlichkeiten. Essen, checken, Burger spielt heute über Pensens Gitarre, weil seine irgendwie repariert werden muß (morgen), es ist ein kleines Hin und Her, aber dann ist alles gut und auch der Einlaß kann starten.
Pensen, Labörnski, Rüdi und ich sitzen gemütlich in der Ecke gleich vorm Eingang, denn das macht Spaß und wir verfallen über die einströmende Menge, die uns extrem beeindruckt in diverse Philosophieansätze, mag sein daß sich hier und da auch ein wenig Sexualpsychologie einschleicht, auf jeden Fall alles sehr aufschlußreich, besonders die Leute, die auf ein „Guten Abend“erst freundlich reagieren, wenn sie erkennen, wer sie so grüßt. Dabei sollte doch Höflichkeit grundfrei daherkommen. Sehr schön alles.
Gut schmeckt auch die Afri-Cola und der Raum wird sehr voll mit sympathischen Menschen. Wenn jetzt nur Spiellaune da wäre, der gestrige Abend zehrt stark an uns. Ich vergesse sogar, Zigaretten zu kaufen.
21 Uhr: Es wird Zeit, es gibt sogar die ersten Monsterchöre, unglaublich!
Wir monstern uns heute extrastark ein, um den Geist des Montagkaters aus unseren Hirnen zu vertreiben, dann geht’s los.
Es wird Bombe!
Einfach wunderwundervoll!
- Man muß das jetzt mal einflicken –
Wir sind so stolz auf unser Publikum. Wir haben das unglaubliche Glück fast ausschließlich vor extrem begeisterungsfähigen, aufmerksamen, feier- aber auch hörwilligen Menschen zu spielen, die durch Eigenkreativität dann jeden Abend zu einem völlig neuen Erlebnis für uns machen. Da sind Menschen drunter, die sich Urlaub nehmen, Hotelzimmer buchen, die mehrere 100 km Fahrt auf sich nehmen, um mit uns tolle Abende zu zelebrieren. Für unseren kleinen Haufen Liedermacher! Das läßt uns jedes Mal aufs Neue völlig perplex da stehen.
Heute wird gar gestagedivet, und ist überhaupt kein Problem, denn alle stehen eben auf und tragen die Diver so lang und weit wie die Sache eben dauert. Dann setzt man sich eben wieder hin und hört weiter zu. Bei welchen Konzerten gibt es das, soviel Aufmerksamkeit und Miteinander? Und das machen nicht wir, das macht Ihr für uns. Vielen vielen Dank!

Der Spruch des Abends kommt diesmal von Burger, der mit folgenden Worten für unseren Pullover wirbt: „Falls Euch mal kalt wird, denn inzwischen wird’s ja draußen schneller dunkel!“ Alles klar?
Mir splittert beim Zwergensong etwas die Gitarre, weshalb ich nun stolzer Besitzer selbiger bin, sobald ich sie dem Eigentümer voll bezahlt habe, aber es ist auch eine sehr gute Gitarre und ich brauch eh ne Neue, also kein Stimmungskiller für mich, alles wundervoll!

Fred verbietet heute mal kurz das tanzen, hebt aber das Verbot gleich wieder auf, weil es eigentlich geil ist, wenn getanzt wird, beim Schlachtgebet schunkelt schließlich der ganze Saal, die Stimmung kocht, wir genauso, es ist heiß laut lieb! Und Rock! Und überhaupt!

Jeden Abend denken wir, wow, das ist nicht toppbar, dann kommt der nächste Abend und wieder passiert so viel unvorhersehbares, wir können einfach keine Vergleiche mehr ziehen, nur sagen, daß Mainz einfach grandios war und uns komplett geflasht hat!

Nach dem Konzert geht’s dann noch eine ganze Weile fröhlich beisammen weiter, aber sehr alkgemäßigt, dann wird’s irgendwann doch Zeit für Abbau, Ab- und Verfahrt bis zu Hotel, den Schinken-Käse- Croissant- Einkauf bei Shell (der uns vom benachbarten Aral tatsächlich so empfohlen wurde), und müde, ausgepwert und völlig glücklich falen wir in die Betten! Ach der Tag hat gutgetan! Quatsch, die ganze Tour hat bislang gutgetan! Gut so! Bitte weiter so!

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