Tourtagebuch

Die Kochprofis, Hamburg

20. Mär. 2013

von

Man kann seine Zeit bis zur Tour ja nicht immer nur ausschließlich dichtend verbringen. Da kollabiert die Denkmuschel nämlich.
Es braucht hin und wieder doch auch Ablenkung, um seinen Organismus wieder mit Energie aufzufüllen.
Und was könnte da mehr bringen, als in die Tiefen der kulinarischen Welt abzutauchen?

Also hab ich mir die Kochprofis eingeladen.

Ich hatte auch einen echt guten Plan.

Einfach eine Mail verfaßt, in der ich behauptet habe, meine Zweizimmerbutze sei ein vegetarisches Edelrestaurant mit akutem Kundenschwund.
„Kundschwund“ hab ich geschrieben, denn das reimt sich und wirkt außerdem unbeholfen genug, um den Eindruck absoluter Authentizität vorzutäuschen:

Ich sei ein Pädagogikstudent im 32ten Semester, hab ich geschrieben, der den Laden übernommen hätte, um mein soziales Engagement und meine Tierliebe zu verbinden. Zudem könne ich voll gut mit Menschen, und das Geschäft sei auch die ersten drei Tage super gelaufen. Da hätte aber noch meine Frau gekocht, so die Mail, die mich nun aber mit unserem Dutzend – aus überbordender Liebe gezeugten – Kindern sitzen gelassen hätte, weil sie einen fiesen Neureichen kennengelernt und mit dem gen Barcelona abgedüst sei.

Ich wisse einfach nicht mehr weiter, schrieb ich, denn ich hätte bisher in meinem Leben nur Crystal Meth gekocht und das wäre aber ganz anders als beispielsweise Broccoli. Und um ehrlich zu sein, nicht mal mein Crystal Meth wäre besonders gut gewesen, weil die Rezeptur in „Breaking Bad“ meines Erachtens auch nie ausreichend erklärt worden wäre.

Und jetzt würde zum einen mein ganzes Gemüse langsam verschimmeln und zum anderen auch noch ständig die Drogenmafia vor der Tür stehen, wegen meines schlechten Crystal Meths.
Ich hätte auch schon versucht, die düster blickenden Herren mit selbst zubereiteten Spinataufläufen zu besänftigen, das sei aber in die Hose gegangen, denn in Sachen Spinat sei ich noch mieser als in Sachen Broccoli.

Ich ging sogar noch etwas mehr ins Detail: Ich wisse einfach nicht mehr weiter, denn selbst meine Kinder hätten langsam die Schnauze voll, meine Seminararbeiten für mich zu verfassen und ständig in den Schrebergärten nebenan frisches Gemüse für meinen Laden zu klauen. Sie meinten, sie wären schließlich auch noch jung, hätten ein Recht auf ihr eigenes Leben und mit Kindergarten, bzw. Grundschule schon genug zu tun.

So langsam würde es also wirklich eng für mich, behauptete ich noch und schloß mit den Worten: Es wäre aber doch bestimmt auch für die Kochprofis eine tolle Erfahrung, mal einen kleinen Einblick in den Arbeitsablauf unserer chaotischen aber lustigen Patchworkfamilie zu bekommen.


Na ja, bislang kam noch keine Antwort. Vielleicht hätte ich ja doch lieber ein Video drehen sollen. Aber ich bleibe optimistisch, bis zur Monsterstour sinds ja noch ein paar Wochen Zeit.