Ich schätze, die nächsten beiden Tourberichte werden etwas kürzer als die vorangegangenen. Das möchte ich aber bitte nicht als despektierliches Desinteresse missverstanden wissen, denn ich freue mich auf die Auftritte sehr. Aber gleichzeitig nutze ich das Adriakustik-Festival, unseren ersten Anspielort, auch als traditionellen Campingurlaub, und den möchte ich so faul genießen, dass die Malocher-CDU noch schwarzblauer wird, vor Wut. Außerdem haben Liedermacherkollege Falk und Adriakustikboss Martin zusammen mit mir eine Festivalzeitung gegründet, und auch die will noch in Teilen bestückt werden. Ich bitte als um Verständnis.
Zum Bahnfahren will ich auch nichts mehr erzählen, ja, die Züge verspäten sich, ja, teuer war es auch, aber ich habe nur drei Stunden geschlafen und sitze nun im IC Richtung Leipzig und gucke auf Köthen, an das ich mich irgendwie viel malerischer erinnerte. Haben die Ritters mir die rosa Wolken aus der Linse gefegt? Hm. Egal. Die Sonne scheint und ich schaue während der Fahrt auf Weiden, Bahnhöfe und Häuserhäuserhäuser, und ich bekomme nicht mehr aus dem Sinn, dass hinter jeder dritten Türe inzwischen hasserfüllte Herzen hausen. Nicht nur hier im Osten, nein deutschlandweit. Es ist einfach ein tragischer Jammer. Um mich abzulenken, lese ich in Peter Stamms Roman „Das Archiv der Gefühle“ weiter, das ich nach dem Deichbrandauftritt verschusselt und erst jetzt wiedergefunden habe. Dauernd verschwinden bei mir Bücher und kommen erst Monate später da wieder zum Vorschein, wo ich bereits hundertmal nachgesehen hatte. Wenn ich dereinst so eins dieser schwarzen Löcher finden sollte, in denen immer Socken, Bücher, Schlüssel etc. verduften, dann arrivederci, Leute, zumindest für eine Weile. Wahrscheinlich kommt in Wahrheit daher der Spruch: „Sich auf die Socken machen“.
Ich mach stattdessen jetzt aber erstmal einen Zeitsprung nach vorne.
Na, schauen wir mal, wo und wann wir uns nun befinden: Aha, es ist 17:17 uhr und wir Monsters haben soeben den Soundcheck hinter uns gebracht. Die zeit davor bin ich in der sengenden Sonne etwas verloren rumspaziert, habe derart viele Menschen begrüßt, dass ich mir diesmal die Aufzählung bereits im Vorfeld erspare, denn hier ist die Chance, niemanden zu vergessen, bei Null, trank Kaffee, Wasser und schwitzte und hatte mein erstes Highlight natürlich wieder beim Sprung in den See. Das ist einfach nie zu toppen. Ich würde auch gerne direkt nochmal, aber ich glaube, wir müssen jetzt langsam mal eine setliste erstellen. Ein bisschen habe ich das Gefühl, wir sind alle etwas zerstreut, und ich hoffe sehr, dass wir das nicht mit auf die Bühne tragen werden. Kann aber auch gut sein, dass es nur mein Feeling ist, vielleicht wars etwas viel Sonne, auch wirkt alles hier noch so neu und erst im Begriff, zu dem zu wachsen, was uns alle eint. Wir werden sehen. Ein paar Brötchen und Radieschen sind indes genau der richtige Snack für mich heute, obwohl auch Torten und vielerlei andere Köstlichkeiten für uns bereitstehen.
Wir Monsters tun uns heute etwas schwer damit, eine Setliste zu erstellen, denn sobald wir uns endlich dazu aufraffen, kommen neue Freunde an und es gibt viel zu erzählen. Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich überrascht, dass dann doch noch termingerecht eine Liste steht. Danke Burger.
Feli eröffnet heute die Bühne charmant, energetisch und absolut felilike, und alle AdriakustikerInnen wissen, was das heißt. Sehr schöne Show. Nur zu kurz, denn plötzlich ist sie fertig und wir haben uns noch nichtmal eingemonstert. Äußerst unkoordiniert finden wir uns an der Bühne ein. Feels like Urlaub. Nicht unerwähnt bleiben soll aber hier die absolute Supercrew der Technik und des Lichts, Paul, Dave, Fridie und Janine, die wirklich einen Superjob erledigen.
Und so bleibt es auch. Es wird ein Konzert unter Freunden, ein Weihnachtsgedicht vor der Familie.
Eigentlich sollte diese Zeile auch ausreichen, um den Auftritt zu beschreiben, aber ein klitzekleines bißchen mehr erzähle ich dann doch noch.
Der Platz ist voll mit Menschen, die uns kennen, die wir aber auch kennen, wohin man auch sieht, bekannte Gesichter, die leuchten, lachen und mit uns feiern, sich selbst aber auch.
Wir haben in unsere Setliste extra einige Raritäten gepackt, „Das schmiedeeiserne Schlachtgebet“
zum Beispiel, oder „Alles für mich“, und diese Lieder werden magisch. Die Bühne ist ein Sternenzelt und wir sind Codo.
Ich selbst habe einen kurzen Bela B Moment, als sich das Publikum interaktiv bei „Türen“ verselbstständigt, aber das würzt den Abend nur noch mehr, und das Fazit ist: Das muss man dabei gewesen sein.
Sehr glücklich gehen wir von der Bühne und verteilen uns im Raum, Börnski, Inga und ich zum Nachtbaden im See, andere zum socialisen oder essen. Auf der Bühne geht’s mit Melvin und Manuel sehr kraftvoll weiter, wir singen begeistert Lieder mit, die wir noch gar nicht kennen und sind voll und ganz in der Gegenwart angekommen.
Viele Freunde treffe ich anschließend noch auf Bier und Bier und schwadroniere ihnen sicher eteas penetrant die Ohren voll von der neuen Festivalzeitung „adriexpress“, die ab Freitag erscheinen wird, aber das mag man mir nachsehen, denn immerhin verzichte ich dafür auf Katzennews.
Es ist schon sehr spät, als ich angezündet und glücklich ins Bett falle, und es wird euch freuen, zu hören, dass ich mich an keinen Traum erinnern. Kann. Adriakustik, das Emotionshighliht jeden Jahres. Wie schön, dass es dich gibt.