Forum, Bielefeld
08. Nov. 2018

Tourtagebuch

Forum, Bielefeld

08. Nov. 2018

von Totte

Oha, eine neue Tour steht an! 15 Jahre Jubiläum. Wow! Zunächst mal drei Konzerte zum richtigen Reinkommen, die lange Rutsche folgt dann anderthalb Wochen später.

Wir hanen uns viel vorgenommen, gewünschte Raritäten, neue Setliste, ein stimmiges Einstimmen und Vorplanung, Vorplanung, Vorplanung.

Jetzt ist es Tourtag eins, und wir haben sozusagen: Nix. Jeder kommt von woanders angereist, Zugstrecken kollabieren und die Setliste steht noch nicht mal ansatzweise. Insofern also alles typisch monstertaditionell.

Wir spielen heute im schönen Bielefelder Forum, einem Club, mit dem wir sehr viele gute Momente verbinden. Da fühlen wir natürlich auch Leistungsdruck auf unseren zarten Schultern.

Was aber schon mal sehr cool ist: Stehlampe und Kühlschrank sind wieder dabei. Dem Kühlschrank wurd es in meinwem Küchenkabuff zu öde, auch mein Lebensmittelsortiment mißfiel ihm, also entschied er, auf die Rente zu pfeifen und wieder auf Bühnen zu klettern. Die Stehlampe machte natürlich sofort mit, denn Stehlampen sind vom Naturell her absolute Mitläufer.

Als Supercrew sind Lasse und Urs dabei, de Fahrt läuft entspannt und gemächlich, Börnski macht DJ und punkt von den Toy Dolls bis zu den Kassierern, im Sonnenschein erreichen wir Bielefeld und werden von der Forumscrew herzlichst und familiär empfangen. Kaffee, Kippen, ein Bier zwischendurch und viel Geplane. Die etliste wächst, die irnen der Stehlampe fehlen, ich lauf los und hol neue, aber der Club war schneller, denn bei meiner Rückkehr strahlt die Lampe bereits stolz. Das Essen ist derart famos, dass ich es kaum genügend loben kann, und unser Merchandise ist opulent wie sonst nur das Essen heute. Soundcheck, Mandarine, ein zweites Bier.

Was das Schöne ist: Der Sound ist dufte und kräftig. Was noch schöner ist: Die bahnreisenden Kollegen treffen ebenfalls ein. Was das Schönste ist: Inzwischen erkennen wir uns gegenseitig am Husten. Was superunschön ist: Wir alle haben komplett vergessen, dass Rüdi heute Geburtstag hat. Keine Geschenke. Herrjeh. Wär diese Band nicht so geil, wäre sie das letzte.

Wir hören Cypress Hill und Fünf Sterne deluxe, essen super indisch und trinken erste Biere. Der Club öffnet derweil die Pforten und die Zeit verfliegt. 20 Uhr. Na gut: 20:07 Uhr. Mit leichter Verspätung erklimmen wir die Bühne, etwas unsicher ob der frischen Setliste, die ja auch viele selten gespielte Lieder beinhaltet, blicken aber auf einen herrlich gefüllten Saal voller euphorischer Menschen. Und es geht los. Es wird eine enorm rasante Party, der Mitmachpegel ist verdammt hoch, Überraschungseier und Unterhosen fliegen auf die Bühne, es wird kollektiv italienisch gesungen und gepogt, wann immer es der Moment verlangt. Wir bemerken, dass Bielefeld noch über Feuerzeuge verfügt, was sehr schön ist, in Zeiten von Handylichtmeeren. Mir fällt auch auf, dass eine Dame immer wieder Lieder mitfilmt. Ich sage jichts dazu, denk mkr aber meinen Teil. Den Moment verpassen, um ihn zu konservieren, beraubt ihn jeder Magie. Magisch dafür der Abend. Besonders gut: unser ühlschrank. Stolz steh er da und präsentiert sich, als hätte er nie pausiert. Ein Naturtalent.

Das Konzert ist lang aber kurzweilig as hell, mit leuchtenden Augen verlassen wir schließlich glücklich die Bühne, trinken mit netten Menschen leckere Biere, und erst später am Hotel angekommen, weicht die Glückseligkeit der Realität: Der (das?) Hotelterminal ist unbesetzt, denn der Gast darf den Swervice genießen, per Computer selbst einzuchecken. Dazu muss man allerdings erstmal ins Hotel reinkommen. Dazu wiederum muß man einen Hotelbediensteten wachklingeln. Der öffnet dann per Summer die Tür, woraufhin der Gast dann ohne menschliche Hilfe selbst einchecken darf. Klingt unfasssbar blöd? Ist es auch. Die Eincheckmenüs am Terminal sind eher der Marke Glücksspiel, trotzdem schafft es Urs, uns noch vor dem Frühstück Zimmer zu organisieren. Ein letztes Getränk aus dem Automaten, dann wird’s höchste Zeit fpürs Bett. Ich teil mir ein Zimmer mit Fred, heute teilen wir uns sogar eine Bettdecke, denn man spart nicht nur an Menschen in „Charleys House“.

Unseren Frohsinn kann das indes nur wenig schmälern, denn dafür gibt es einen TV-Sender, auf dem just jetzt „Lass es Larry“ läuft. Was das ist, fragt sich der ein oder andere nun? Ich helfe gerne erklärend: Das ist eine Sendung vom Seinfeld-Miterfinder Larry David und sie ist sehr, sehr gut. Nach ihrem Vorbild wurde in Deutschland dann „Pastewka“ produziert, aber wie das für Deeutschland typisch ist, wurde das ganz Konzept natürlich komplett verhunzt und eine fade Brühe draus geköchelt. Wer Qualität will, guckt: „Lass es Larry“. Oder kommt zu unseren Konzerten. Die Novembertour ist gestartet. Der Tourberichtscountdown läuft. Herrliche Zeiten. Gute Nacht.

 

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