Täubchenthal (ausverkauft), Leipzig
28. Nov. 2018

Tourtagebuch

Täubchenthal (ausverkauft), Leipzig

28. Nov. 2018

von Totte

Eine ganz wichtige Regel im Monsterskosmos ist: Alle müssen das Konzert genießen können. Dazu ist es wichtig, dass man uns gut erkennen kann. Klar: Wir sind weder Kraftclub, noch Sex Pistols, es wird wenig gerannt und gesprungen on stage, aber wir singen Lieder voller Herz und Kraft und es bleiben textstarke Songs, egal wie Pop- oder Punkmäßig das daherkommt. Man soll uns erst hören, dann gerne auch feiern. Unsere Abende dauern gern mal drei Stunden, und drei Stunden Texte hören, ist nicht unanstrengend. Es wird eine andere Form der Konzentration gefordert als bei lauten Rockbands, egal wie wild wir uns gerieren.

Drum war es heute auch äußerst seltsam für uns, von den langjährigen – und über alle Fragen erhabenenen – Mitveranstaltern zu einem Raum geführt zu werden, der ein Monsterkonzert für die Audienz absolut ungenießbar machen wird. Im Vorfeld gab es ein bißchen Hin- und Her, Kartenvorverkauf vs. großer Saal, das kann vorkommen und dann will man es auch für alle Seiten gern so problemlos wie möglich halten. Aber das jetzt ist einfach ärgerlich: 300 Leute werden stehen, nichts sehen, dafür aber geblendet von Lichtern, damit zumindest wir im Ansatz irgendwas erkennen können. Nicht, dass wir divenmäßig rummäkeln wolllen: Team, Räume, Catering: Anbetungswürdig! Fraglos! Eine Völlerei in liebevollster Atmosphäre! Love, traditional!

Andererseits: Es geht hier doch um unsere Kunst, oder? Die Lieder, das Dasein, die gesamte Stimmung. Und dazu gehört ebenso das Publikum. Das muss sich doch wohlfühlen...

Wir betreten die Bühne pünktlich und merken sofort: Wir sind in Leipzig! Hier ist Liebe im Raum! Eigentlich unmöglich, denn weder wir, noch die Leute können irgendwas sehen, dennoch wird gerockt, gepogt, gesungen, dass es für einen Tourrekord reicht. Locker. Wir schwitzen, klettern auf brüchigen Barhockern hoch, um irgendwen zu sehen, klatschen an und mit und es tropft von der Decke. Derbe! Selten so laute Chöre gehört! Cola Korn, Laterne, schon ganz schön cool.

Dennoch sitzen wir in der Pause zusammen und finden die Geamtsituation ziemlich uncool. Es ist wie befürchtet: Kaum einer kann uns sehen, es ist eng, verwinkelt und die Bühne schlicht zu niedrig. Wir spielen Liedermachersongs, da kommen auch Balladen vor, das sollen alle genießen können, die für uns Eintritt zahlen. Dieser Abend, so gut Leipzig drauf ist, ist nicht unser Style!

Darum beginnen wir die zweite Hälfte spontan unplugged, weisen kurz auf unsere Einschätzung hin, klettern dann auf den Tresen und spielen spontan „Weichei“. Plötzlich ist Magie im Raum, darum hauen wir noch „Marzipan“ hinterher, bevor wir uns, gar nicht so gerne, von der Theke lösen und wieder von der Bühne aus rocken. Aufgrund der Räumlichkeiten müssen wir gewisse Verrücktheiten über Bord werfen, aber es wird derart herzlich gesungen und mitgemacht, da wollen wir zumindest zum Abschluß nochmal für alle was bringen. Also back auf den Thresen und vier Meter gesungen, quasi als Extrazugabe, unmelodisch aber voller Liebe. Es war ein heftiger Abend, voller Glücksmomente, aber auch Zweifel. Wir wissen, das war für viele von Euch Stress. Versprochen: Beim nächsten Mal wird’s wieder gemütlich familiär, egal in welchem Rahmen! Für heute aber wars eine rasante Punkshow, derbe heizend durch Sturm, Drang und Standfestigkeit! Leipzig: Wir bleiben Fans! Und hoffen auf ein Neues! Dann iweder gemütlich, versprochen. Hofknicks, die Monsters!

P.S. Wer künftig nach einer Kneipe in der Täubchenthalnähe sucht, mag sich an den Kanal richten. Denn dort ist alles gut, die Bilder an der Wand sind wunderschön und die Drinks reichen bis in früheste Morgenstunden...

 

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