Tourtagebuch

Westand, Braunschweig

13. Nov. 2021

von Rüdi

Rund dreieinhalb Stunden Fahrt trennen uns von unserem nächsten Ziel, ein Klacks gegen die Weltreisen der letzten Tage.

Da ist es auch nicht schlimm, dass wir bei Abfahrt noch nicht ganz komplett sind, weil ein einzelnes Monster ein wenig verpennt, aber die meisten von uns waren gestern noch zusammen unterwegs, es war eine schillernde Ballnacht und daher herrscht allgemeines Verständnis.

Außerdem verpennen wir heute sowieso allesamt unseren 18ten Geburtstag, wie wir aber erst sehr viel später erfahren werden, wir Stoffel.....

Erste Station ist Kreiensen, da setzen wir Burger ab, der ab hier mit seinem eigenen Auto unterwegs ist, zweite Station ein Burgerking, weil – weil wir vor Hunger sterben und der einen sehr leckeren vegetarischen Burger hat und deshalb hier namentlich erwähnt werden darf.

Wir sind pünktlich im Club, laden direkt aus, lernen Stephan und seine Crew kennen und richten uns im Backstage ein, zu dem zwei Betontreppen führen, die aus mir für heute fast einen Nichtraucher machen. Ich stelle einen Stuhl zur Couch und schlafe sofort ein – ich war gestern auch dabei.

Kurz werde ich mal wach, als Kollege Ingmar Schütte vor mir steht, der mit Frische Mische heute besondere Pläne hat und unsere Toilette kurzfristig in ein Aufnahmestudio verwandelt, aber davon bekomme ich nichts mit. Ich steh nicht mal auf zur Begrüßung. Schön, dich zu sehen, Ingmar, aber lass mich in Ruhe. Ich muss pennen.

Fred weckt mich zum Soundcheck. Ein Riesensaal mit 450 Stühlen drin. Bestimmt schwer, sie textververständlich zu beschallen, aber Claudio wird alles geben und ich habe keine Ahnung. Mir hat mal ein Techniker erklärt, dass man sowieso erst auf das „Dämmfleisch“ warten müsse, aber das war ganz woanders und so was Herabwürdigendes würde nie einer von uns sagen, aber es fällt mir immer wieder ein, wenn ein Saal sehr groß und schwer zu mischen ist.

Unser Publikum ist nämlich keine Dämmung sondern Klangkörper, Chor, Orchester, kreatives Element, Choreograph, Echo, Solist, Tanzensemble und Souffleur zugleich. Und wunderschön anzusehen. Und darum auch Motivator, denn diese gutgelaunte oder sagen wir besser der Stimmung angepassten Teilnahme wollen wir Lied für Lied genießen und wer´s nicht glaubt, hätte heute da sein sollen. Heutige Erfindung: die 30 fach durchlaufene Saloontür. Heutige Erkenntnis: in Freds Gebärdensprache haben die Wörter „Früher“ und „Morgengrauen“ das gleiche Zeichen.

Wahrscheinlich wegen früh...

Dass wir ab heute volljährig sind, ist uns immer noch nicht bewusst, aber was wir wissen ist, dass Sandrine heute ihr sage und schreibe 50tes Konzert besucht, was uns sehr stolz und glücklich macht, denn Sandrine hat Stil und unsere Musik scheint ihr auch heute immer noch zu gefallen, was ja wohl ein gutes Zeichen ist! Niemand kann die Drehtür besser als sie oder vielleicht Julia, die gleich neben ihr steht und die, wenn sie ihre Karten gezählt hat, bestimmt auch bald mit einem Jubiläum dran ist.

Es ist viel Liebe im Raum, es ist auf dieser Tour der bisher größte Abend, aber trotzdem heimelig, viele alte Bekannte von vielerorts her, allerdings kaum mal wieder einer aus Braunschweig.

Am Schluss tanzen wir alle zu a-ha, packen glücklich unsere Siebensachen und sagen Tschüss – in drei Tagen geht’s weiter.

Für die Crew geht’s ins Hotel, die Band fährt nach Haus und ich bin gespannt, wo ich heute schlafe.

Stoffi hat was für mich organisiert. Und wie ich da hinkomme.

An der Eingangstür stehen Sophie und.......verdammt, ich kann mir nicht mal die wichtigsten Namen merken....

Die fahren mich.

Das Leben ist schön.

 

Ich liege in einem extra für mich her gerichteten wohl duftenden Bett - es gab noch Rotwein und nette Gespräche – und da macht mein Handy „Bing“.

Es eine Nachricht von Uschi.

Sie gratuliert uns zum Geburtstag.

Wir sind 18.