Tourtagebuch

Open "Insel" Flair, Eschwege

13. Aug. 2021

von Türsten Kohn

Bad Iburg – Eschwege: gute drei Stunden Fahrt. Weitgehend staufrei, bei strahlender Sonne und lockerer Laune. Ist schon eine ganze Weile her, dass wir zu sechst im Bus saßen, eingeklemmt zwischen zwei Konzerte, und Kilometer fraßen. Ist aber ein durchaus gutes Gefühl, vor allem, weils heute sozusagen nachhause geht. Weiß noch jemand nicht, wie es sich um die Verbundenheit der Monsters zum Flair verhält? Ich denke nicht, Tim. Wie dufte, lieb und herzlich alle sind, man könnte glatt glauben, wir wären gute Typen. Zunächst bleibt uns aber die Spucke weg, denn wir dachten, wir spielen vor 300 Menschen im familiären Baumkreis, jetzt werden wir aber der großen Bühne gewahr, und dem riesigen Festivalplatz, der mit Biertischgarnituren für ca. 1500 Festivalbesucher*innen liebevoll zugestellt ist. Überall ist was los, Bierbuden, Imbissstände, Merchzelte, eine – wenn ich richtig verstanden habe – Einmensch-Disco, undundund. Und noch? Vor allem dufte Menschen: unsere Lieblingssecurity der Welt, die Catering-Crew, natürlich auch die Hoheiten des Flairs Alex und Stolle, die enorm sympathischen Donots, Felix und das gesamte Livestream-Team, es ist völlig klar, dass ich jetzt einige Menschen vergesse, aber das geht nicht anders, bei der Vielzahl an Sehrgutmenschen.

Um nicht allzusehr ins Rührselige zu verfallen, erzähle ich darum jetzt lieber davon, wie ich heute morgen um den Iburger Charlottensee und zur Burg gejoggt bin und danach geduscht habe. Sowas sieht mir gar nicht ähnlich, weder joggen, noch duschen, aber ab und an muss an sich ja auch mal selbst überraschen, außerdem wollte ich für das Insel Flair frühlingsfrisch smellen. Mist, jetzt bin ich doch wieder etwas rührselig geworden. Dagegen hilft nur eine schmackhafte Spargelsuppe, die genieße ich jetzt, während die überaus freundlichen WiebuschbosseUhlmann soundchecken. Dazu schreiben wir eine Setliste, was für eine Spieldauer von 60 Minuten schwieriger ist, als man annehmen sollte. Aber wir wollen ja heute richtig abliefern, und das ist der Nachteil an diesem Familienfestivalding: Da spürt man ordentlich Druck in der Brust, denn hier irgendwen zu enttäuschen, tut besonders weh. Ist auch schon vorgekommen, und das will man nicht nochmal haben.

Irgendwann sind wir aber zufrieden, dann geht’s auch schon auf die Bühne, um mit Kai und Tom am Monitorsound unseren Klang zur Vollendung zu bringen. Wir haben und nehmen uns Zeit, es glitzert alles, dann beginnt wieder die zähe Zeit bis zum Konzert. Ein Bier, ein paar Gespräche, Achim von Koksmusic begrüßen, dann Minuten zählen und zählen und so tun, als groove man sich lässig ein. 17:45 Uhr Traditionssekt auf Ex, 17:55 Uhr einmonstern, 17:58 Uhr. Alex und Stolle sagen uns an, 18 Uhr: die Hölle bricht los.

Das Publikum ist einfach der Überhammer, was soll man sagen? Konfettibomben aus den Bierbänken, ein Applaus wie für die Großen und Chöre, die Herzen schmelzen. Was für ein Anblick, völlig aufgeputscht legen wir los, fast zu aufgeregt rasant, aber ganz schnell finden wir uns zusammen und heute glüht der Draht zwischen Band und den Menschen vor der Bühne. Rüdi tauft während „Katz und Hund“ meine Segeltuchschuhe mit Bier, also fuss-strippe ich beim Spielen, plötzlich dreht die Supersecurity auf und lässt eine Armee Klopapierschlangen übers Festival fliegen, es wird getanzt, gerockt, gesungen, es ist mit Worten schlecht zu beschreiben. Ein Glück, dass es das Konzert noch im Netz gibt. TV-Empfehlung unsererseits.

Die Zeit vergeht viel zu schnell, wir hätten heute noch ewig weitermachen können, aber immerhin übernehmen jetzt die famosen Donots mit einer wilden Reise durch ihre Biographie, lesend und liedernd und sehr, sehr gut. Wir stehen zunächst noch am Merchandisestand mit lieben Leuten (übrigens: Hallo Pogo, Daniel „Meerbuscher“, Dani, Fredi, Sandrine uns Mutti, und wen ich sonst noch so an Freunden im Menschenmeer erspähen konnte), ich stolpere alledings zuvor noch in den Flair-Livestream, wo der verehrte Andy Strauß und ich ein paar Minuten wirre Worte mit dem von mir nicht minder verehrten Herren Moderator wechseln dürfen. Anscheinend hat das mein Telefon in der Hosentasche ganz wuschig gemacht, denn das will auf einmal meine PUK haben, sonst würde es gar nix mehr machen, behauptet es. Schock, Schreck und dann nochmal Schock. Ich hab' überhaupt keine Ahnung, was eine PUK ist. Irgendwas mit Eishockey. Ich biete dem Handy einen Tischtennisball an, aber nö. Will PUK. Fuck PUK. Hilfesuchend nerve ich zunächst Felix und das ganze Streamteam, danach Fred und Börnski, aber obwohl alle viel mehr als ihr bestes geben, geht telefontechnisch nichts mehr. Na gut, dann halt Sekt zum Trost. Auch mal eine Idee. Ebenfalls beste Ablenkung liefert ein zweiter Stream-Besuch mit der ganzen Band, wo wir zudem noch auf den Securityboss himself treffen. Herrliche Albereien und Prost in die Kamera. Ich verspreche dem Boss noch eine Platte von mir, finde ihn aber dummerweise später nicht mehr, darum: Wenn Du das liest, melde Dich, ich schicke sie Dir, ok?

Danach erobern WiebuschbosseUhlmann die Seelen des Flairs und verzaubern alle. Ich genieße und trinke Bier, bevor ich irgendwann in den Backstage zurückschlendere. Diverse Monsterkollegen haben anscheinend die Zeit sehr feucht genutzt und singen Lobgesänge auf Stolle, die dieser nicht zwingend eingefordert hat. Ein klein wenig viel Überschwang vielleicht, andererseits ist heute irgendein Knoten geplatzt und wenn der Druck befreit entweicht, dann hoffe ich, ist ein bißchen Party verzeihbar. Apropos: Ein Geburtstag wird um Mitternacht auch noch begossen, und nur Burger ist es zu verdanken, dass wir irgendwann doch noch ein Ende finden und im Bus wohlbehalten zu Songs von Tempeau und Co ins Hotel finden. Davon gibt es allerdings gar nichts mehr zu berichten.

 

Herrje, Insel Flair, Open Flair, Eschwege: Wie geil kann man sein? Ihr seid unfassbar! Danke, dass es Euch gibt.