Tourtagebuch

Planten & Blomen / Rollschuhbahn, Hamburg

11. Aug. 2021

von Michael Paul

Also, das wird nur eine recht kurze Momentaufnahme. Über Hamburg, die Menschen und die besondere Verbundenheit zwischen ihnen und den Monsters wurde schon so oft geschrieben, dass jede differenzierte Beschreibung einen eher unangenehmen Beiduft der Redundanz mit sich führen würde.

Ob im Logo oder der Markthalle, beim Rathausmarkt oder Hafengeburtstag, viele liebe Leute haben die Band von Anfang an unterstützt und gefeiert, als wären sie Pur oder die Münchener Freiheit. Mindestens. Auch heute wird das wieder so, einige langjährige Wegbegleiter*innen erklären das später aber auch mit dem langen Konzertentzug dieser Tage.

Die Location ist beeindruckend, eine gigantische Bühne steht in einem abgetrennten Bereich der Hamburger Rollschuh- bzw. Schlittschuhbahn, man hört demzufolge während des ganzen Abends Skateboards klackern und Hüftknochen brechen, was eine sommerlich entspannte Atmosphäre erzeugt. Das Wetter hält und das Team um Matze ist supernett und fährt dufte Pommes und kalte Getränke auf. Die Band – und ich habe sie ja nun auch schon eine Weile nur noch aus der Ferne verfolgt – scheint sich von einer Gang zu einer Familie entwickelt zu haben, was zwar schön ist, andererseits auch schade, denn Familien haben zwar eine feste Verbindung, Gangs aber gemeinsame Ziele.

So empfinde ich dann auch das Konzert selbst. Urs macht einen schönen Sound und die zweieinhalb Stunden vergehen fast im Fluge, die Monsters spielen Klassiker und neuere Perlen, und das Publikum spielt euphorisch mit. Zwischendurch aber habe ich das Gefühl, dass den Herren der gemeinsame Draht komplett durchglüht, Totte hat während seiner Moderationen Wortfindungsstörungen, Pensen eher inhaltliche, Freds Ironiegespür geht in den Minusbereich und auch kollektive Agitationen wie Schunkeln krepieren vor lauter Egalhaltung. Dem Konzert schadet das zum Glück nicht – vertraut man den vielen Gesprächen mit seligen Menschen nach dem Konzert – und um 20:45 Uhr verlassen fünf freudige Monsters die Bühne, um mit dem Publikum privat zu prosten, CDs zu verkaufen und Veggiewurst zu essen. Der Abend endet enorm harmonisch bei einem letzten Bier im Backstage mit Freunden und das ist vielleicht ein wenig spektakuläres Ende eines kurzen Berichts, aber die absolute Wahrheit, so Gott allen helfe. Vielen Dank Hamburg für Hamburg, Du hast uns einen Sommertag mit Glückshormonen geschenkt. Im November zeigen die Monsters sich dafür erkenntlich.