Tourtagebuch

Waschhaus, Potsdam

22. Feb. 2009

von Totte

Da, wo gestern mein Eintrag begann, möchte ich einsetzen. Womöglich inkonsequent durchaus, daß ich das nicht mache.
Aber schließlich beginnen unsere Tage nicht nachmittags im Bus sondern morgens beim Erwachen:
Deutscher Hof, Erfurt: Nein danke, erneut kein Frühstück. Schlaf ist wichtiger.
Fred erweist sich wieder mal als toller Kumpel und bringt mir Kaffee mit. In der Küche unseres heutigen Domizils sammeln wir Kräfte und füllen unseren Nikotinpegel auf, bis es losgeht in Richtung Potsdam.
Potsdam im letzten Jahr war wundervoll: Überraschend viele ZuschauerInnen, toller Tourauftakt und eine Handvoll Lieder, die es auf unsere CD „Sitzpogo“ geschafft haben.
Für heute sieht es leider etwas anders aus:
Erstens nehmen wir keine CD auf, zweitens ist es Sonntag, drittens sind Semesterferien und viertens haben sich die ersten drei Punkte bereits auf die Vorverkaufszahlen ausgewirkt. Schade eigentlich, selbstverständlich möchte man am liebsten immer nur Steigerungen haben, doch die Realität hat sich noch nie um Idealvorstellungen geschert, sonst gäb es immer noch mehr intakte Wälder als Comedyformate.
Egal, rocken ist die Devise und in und um Berlin zu spielen macht stets Laune.
Die Fahrt nervt mich ein bißchen, nach dem Tourbericht und einem Fishmacfrühstück habe ich nichts mehr zu tun. Die mitgebrachten Bücher turnen mich überhaupt nicht und Musikhören geht auch nicht, weil Burger so laut beim DVD gucken lacht. So sind sie, die kleinen Nöte unterwegs. Nichtig aber doch immanent!
Kurzer Stopp zwecks Kaffeekonsums, Zigaretten galore und weiter bis Potsdam:
Hallo Waschhaus! Hier sind wir!
Das Team im Waschhaus ist erwiesenermaßen eines der nettesten Teams, das es überhaupt gibt, stets eine Freude, willkommen geheißen zu werden.
Allein die Bestuhlung des Raums ist nicht optimistisch sondern waghalsig, glücklicherweise können wir den Raum etwas verkleinern und so eine gemütliche Atmosphäre herbeizaubern. Bei Bagels und Tee resümmieren wir für die DVD über Vorverkäufe und die psychologischen Auswirkungen, dann ist aber auch schon Zeit für den Soundcheck: Toller Sound völlig unmkompliziert – traumhafte Voraussetzungen!
Was machen wir eigentlich bis zum Konzertbeginn? Ach ja, rauchen und KIZ hören, Merchandise pflegen und Herpescreme auftragen.
Dann aber los:
Der Raum ist allen Sorgen zum Trotz mehr als ansehnlich gefüllt, klar, unseren Rekord können wir heute nicht halten aber erstens, zweitens, drittens und viertens sind oben eh erwähnt und die gut 160 Leute, die es bis hierhin geschafft haben, sind in totaler Monsterslaune!
Das Konzert wird einfach großartig:
Wir sind in der genau richtigen Mischung aus „eingerockt“ und spontan, unsere ZuhörerInnen sind schon gleich zu Anfang voll bei der Sache und wir haben das Gefühl, das bis dato beste Konzert der Februartour genießen zu können!
Der Sound ist toll und die Mitmachbereitschaft der Leute exquisit!
In der Pause dann noch viele nette Freunde im Backstageraum und Saal, Matze von den Ohrbooten samt engstem Freundeskreis, Björn von Nordwand, JR natürlich auch und ich vergesse eh zuviele Namen aber es ist alles so schön, daß wir vor lauter Hallo und Kassierersongs in der Garderobe Obacht geben müssen, daß das nicht jetzt schon zu einer Aftershowparty ausufert.
Also back to the Bühne: Zweite Halbzeit:
Herausragend für uns, wunderschön Rüdis „Weder Komponist noch Dichter“,ein Sitzpogo, der die Augen weidet und überhaupt: Mensch macht das Laune!
Bei „Interesse“ spannende Dialoge mit scheinbar 68er Gedankengut-infizierten, revolutionstheoretisch geschulten Akademikern über die Gebräuchlichkeit der geballten Faust, sehr unterhaltsam – extrem euphorisch verabschieden wir uns irgendwann von Publikum und Bühne und feiern noch eine ganze Weile weiter im Waschhaus.
Es war, ist und wird uns stets ein Fest bleiben, in dieser Region zu spielen, Zwickau eingerechnet!
Allerdings müssen wir auch noch eine nicht unbeträchtliche Strecke bis zu unserem Offtaghotel bewältigen, also schweren Herzens irgendwann Abschied nehmen und losfahren.
Rockleben ist eben auch permanentes Trennungsgefühl, es gibt nur Stationen ohne ein Ziel.
Eine Station ist ein Burger King, deren Bedienstete es unglücklicherweise nicht geschafft haben, vorher abzuschließen: Überminuten durch unentschlossene Liedermacher sind die schlimme Folge. Sorry dafür.
Wir nächtigen nun für zwei Tage in Beetzsee, einem kleinen Ort in der Nähe von Brandenburg, die Fahrt dahin ist eher Blair-Witch-feelingmäßig, gleich im Hoteleingang zerschellt mir unglücklicherweise meine letzre Bierflasche, glücklicherweise belohnt Urs meine penible Entsorungsarbeit mit einem seiner Gerstenbehältnisse, die ich mit den Kollegen in Börnskis Zimmer zusammen mit Nikotingeschichten verbinde.
Der Schlaf setzt erst um 5:30 Uhr an, schlimm, weil ich so vorher noch eine ganze Folge der Schrottserie „Nikola“ mitbekomme, weil auf dem Fernseher meiner Stube nur RTL funktioniert: Ach, gäb es doch mehr Wälder als Comedyformate! Sie müssten nicht mal intakt sein!

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