Tourtagebuch

LCB, Wuppertal

12. Nov. 2011

von Rüdi

2. Tag

Der Tag beginnt mit einer erfreulichen Feststellung: Niemand hat randaliert! Zum ersten Mal – und wir waren schon ein paar mal da – hat dieses Hotel unseren Aufenthalt schadlos überstanden. Keine verbrannte Matratze, kein Glasbruch, keine Kunstzerstörung – nichts. Die Monsters werden langsam lieb oder alt oder vernünftig oder aber der große fette Pechvogel, der sonst auf diesem Hotel sitzt, hat gestern nicht so richtig aufgepasst, als wir eincheckten. Egal, reinen Herzens setzen wir uns ins Monstersmobil und die Reise fort Richtung „Liveclub Barmen“ in Wuppertal.

Wir haben die besten Erinnerungen an diesen Club. Hier haben wir in der engen hitzigen Atmosphäre des Kellerclubs vor einiger Zeit einen Großteil unserer DVD aufgenommen. Ein Highlight! Und deswegen sind wir ein wenig erschreckt, als wir von Tourleiter Timmey erfahren, daß wir heute in den großen Saal umgesiedelt werden sollen. Der Vorverkauf lässt nicht darauf schließen, daß wir heute die Tür in eine neue Dimension aufstoßen und es war doch so schön und kuschelig in dem kleinen Raum. Allerdings ist es auf der anderen Seite auch so, daß diese Enge, die wir so genießen, für das zahlende Publikum oft auch eine ziemliche Belastung bedeutet. Nicht alle können gleich gut sehen, manche sogar fast gar nichts, der Gang zur Bar oder zur Toilette dauert eine anstrengende Viertelstunde, mangels Bewegungsfreiheit schmerzt der Rücken und die Wunderkerze des Nebenmanns fackelt einem die Augenbraue ab. So gesehen, ziehen wir gerne in den größeren Saal.

Im „LCB“ angekommen, werden wir vom Team in Empfang genommen, man zeigt uns den geräumigen und schicken Backstage und die komplizierten Wege, auf denen wir uns immer wieder verirren werden. Im Treppenhaus erschrecken wir uns über ein Plakat, das „Reinhold Beckmann und Band“ ankündigt, aber vielleicht ist das ja auch eine ganz tolle Sache. Nur irgendwie will ich mir einen singenden Beckmann nicht recht vorstellen. Egal...vielleicht geht ihr einfach hin und macht euch ein eigenes Bild, das dann Hand und Fuß hat.

Vor dem Haus stehen schon unsere „Hardcorefans“ Lucia und Theresa, die offenbar für jedes Konzert auf dieser Tour eine Karte gekauft haben und den verpeilten Monsters Rüdi und Börnski Auskunft geben können, wann das Konzert denn überhaupt los geht, indem sie ihren Umschlag mit all den Eintrittskarten zücken, die richtige Karte raussuchen und nachsehen: 20.00 Uhr. Aha! Danke!


20.00 Uhr

Showtime. Was soll ich sagen. Der Saal sieht toll aus! Es sind in etwa so viele Leute da, wie beim letzten Mal, aber jetzt kann jeder gucken und so macht sich auch die Gewissheit breit, daß jeder, der da ist, auch freiwillig da ist und nicht nur deswegen, weil er zwischen seinen Nachbarn festgeklemmt ist und nicht weg kann. Richtig beruhigt sind wir allerdings erst nach der Pause, als wir feststellen, daß die Leute nicht weniger geworden sind, denn jetzt erst scheint das Programm warm gelaufen zu sein. Der erste Teil hatte noch ein paar Ungeschliffenheiten, aber morgen werden wir einfach zwei Songs mit sich selbst vertauschen und dann leuchtet der Diamant von allen Seiten! Wir sind schon ein wenig stolz auf unsere Songauswahl für diese Tour und wir registrieren bei den Konzerten und im Gästebuch, daß sie auch bei unseren Gästen gut ankommt. Zwar fehlt dem einen oder anderen das eine oder andere Lied, wie zum Beispiel „Kleiner Zeh“, aber dann bauen wir es eben schnell noch mit ein – wir sind ja nicht so. Es sind glückliche Stunden, die wir auf der Bühne verbringen. Wir erkennen die Namensschilder aus Brilon wieder und kichern verlegen, wenn unsere Namen hochgehalten werden, erwecken die „nach oben schwingende Saloontür“ wieder zum Leben, wobei das Publikum heute frei ist in seiner Entscheidung, welche Art Geräusch es dabei machen möchte. Bei „Als der Staat gewann“ erfinden wir den konsonantfreien Antwortchor und bei „professionelle Hilfe“ verzichten wir entgegen dem Rat unseres Arztes auf die schützenden Helme. Undundund....
Mit Genugtuung stellen wir fest, daß auch unsere Balladen, die wir dieses mal im Programm verteilt haben, genau so gefeiert werden, wie die Partytracks – es ist eben ein vielseitiges Völkchen am Start und wir wissen das auch immer wieder zu schätzen! Es ist einfach ein Hochgenuss, für solche Menschen spielen zu dürfen, wie ihr es seid. Kein Wunder, daß wir hier eine DVD aufgenommen haben. Und was die Raumgröße angeht: Liebe Wuppertaler und Angereiste! Kein Raum kann so groß sein, daß ihr ihn nicht mit eurer Ausstrahlung mit Wärme füllen könntet! Ehrlich!

Und um der Freundschaftsseligkeit noch ein kleines Krönchen aufzusetzen, werde ich dann auch noch von unseren beiden Superfans mit einem nachträglichen Geburtstagsgeschenk bedacht und weil ich Superrüdi bin krieg ich alle 48 Kerzen mit einem einzigen Zug ausgeblasen.

Toll was?

Nein, Ihr wart toll!

Glückliche Monsters sagen: „Danke!“

Morgen Osnabrück

Galerie

Podcast