Tourtagebuch

LOGO, Hamburg

29. Apr. 2005

von Totte

„Dinge, die man nicht vergisst.“
(Helmut Krausser, „Schweine und Elefanten“)

Mal im Ernst: an den Bericht über Hamburg traut sich keiner von uns ran. Wie soll man angemessen dokumentieren, was da abging? Wie soll man umschreiben, was da in uns vorging?
Wir sind nun beileibe keine Superstars, okay, keine Stars, na gut, zugegeben, keine Sternchen, nicht mal ein Wetterleuchten.
Wir sind sechs Kerle mit Profilneurose, drum zieht es uns auch auf die Bühne. Wenn mitgefeiert wird und Menschen gefällt, was wir machen, dann ist das klasse. Je mehr, je besser, versteht sich.
Hamburg aber gab uns dermaßen das Gefühl, gerade mit über dreißig Songs gleichzeitig auf Platz eins der deutschen Charts zu stehen, das war schon übermächtig.

Also erst mal zum Tagesgeschehen:
Den Tag hat jedes Monster irgendwo anders verbracht, denn erstens hocken wir ja nun schon eine ganze Weile aufeinander rum und zweitens hat jeder von uns Freunde, Bekannte, Familie oder Wohnsitze in Hamburg. Ein paar von uns sogar all das zusammen. Glückliche Monstermember!

Gegen Nachmittag trudeln wir also alle von irgendwoher im Logo ein und beginnen ambitioniert mit dem Bühnenaufbau. Dazu gibt es Kaffe, Tee und diverse Kaltgetränke. Für mich zudem Ricola nonstop, die mir Pensen freundlicherweise überlässt, weil mein Hals kratzt und die Stimmbänder sich eher wie Fäden anfühlen.
Zwischen großem Hin und Her, ob und wenn ja, wie viele Bierbänke wir aufstellen wollen (denn der Vorverkauf ist vielversprechend), machen wir unseren Soundcheck, der heute ziemlich schnell und professionell vonstatten geht. Wohlgemerkt, mangelnde Professionalität bezieht sich eigentlich nie auf die Tontechniker, sondern zumeist auf uns. Es ist schon unglaublich, wie lange das manchmal dauert, bis wir nacheinander mal von eins bis sechs gezählt haben. Da könnte man mit dem Kopf gegen die Wand hämmern, wenn das was bringen und nicht so weh tun würde. Heute aber, wie erwähnt: schnell, gut, hurra.
Ortwin, Freund und Schröders-Roadie erster Stunde, kommt auch schon früh zu Besuch, hat was zu feiern und auch bereits angefangen damit.
Jetzt stehen wir vor einem Problem, mit dem wir nur selten umzugehen haben: wir sind fertig und es ist noch lange Zeit bis zum Konzert.
Freds Idee, ins benachbarte „Down Under“ zu gehen, um ein paar Chicken Wings zu knuspern, kommen alle gerne nach, denn der Laden ist schön, hat Stil und hervorragende Cocktails am Start.
So haben wir uns zwar für heute vorgenommen, uns alkoholspezifisch zurückzuhalten, halten aber trotzdem schon fünf Minuten später einen „Dude“ (White Russian mit Milch statt Sahne) in den Händen, mit dem wir auf einen großen Abend anstoßen.
Ich bin todesnervös, bekomme deshalb kein Huhn hinunter, begnüge mich mit einer Frühlingsrollenvorspeise und gehe gleich im Anschluss wieder zurück ins Logo, denn sowenig ich Essen rein kriege, so wenig vernünftige Worte bring ich auch raus.
Vor dem Logo hat sich jetzt bereits eine ansehnliche Traube Menschen versammelt, zahlreich strömen sie in den Club.
Ich entdecke liebe Freunde, wie Mone, Anja, Ninchen nebst Familie, angekündigt haben sich auch Bente, der unsere erste Tour ja CD tauglich gemacht haben, Bine, die unsern tollen Film gemacht hat, Freds Mutter und – ach Mensch, ich weiß ja auch nicht mehr, ich vergesse doch wieder wen! So ist das leider.
Zum Konzertbeginn ist der Laden rappelvoll! Wir spielen, denke ich, ganz ordentlich. Das ist schon mal gut. Der Applaus ist besser.
Aber wenn’s nur das wäre: Was da heute abend für eine Klangmauer rüberkommt, wie einfach JEDER SONG mitgesungen wird, wie da gefeiert und gerockt wird, wie das Kondenswasser von der Decke tropft, der Merchandisestand gestürmt wird, wie – ich weiß nicht, ich weiß nur, wie erstaunt wir uns auf der Bühne gegenseitig anschauen, dann hinter uns, ob da nicht vielleicht die Ärzte stehen, oder ein Moderator für die „Versteckte Kamera“, also heftig! (und alle singen mit: what a feeeeeeling...)
Blackout im Anschluss, bis wir dann wieder mit vielen Leuten im „Down Under“ sitzen, diverse Cocktails erst schlürfen, dann schütten, und einfach nur feiern. Bis irgendwann dann alle wieder auseinandergehen, zu ihren Freunden, Bekannten, Familien, Wohnsitzen oder – im glücklichstem Falle – zu allem zusammen. Glückliche Monstermember!

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