16. April 2026
von: Totte

Es ist also wieder soweit: Tourstart. Traditioneller kann ein Tag eigentlich inzwischen nicht mehr sein, seit über 20 Jahren heißt es – mit nur einer Unterbrechung – im April für uns Monsters, uns loszueisen, um loszureisen.

Allen ist dabei ganz unterschiedlich zumute, und auch das habe ich bereits viele Male beschrieben. Der eine ist nervös, der nächste voller Tatendrang, der dritte in stiller Verzweiflung, ein anderer voller Vorfreude undsoweiter. Ich beschreibe das auch an anderer Stelle demnächst vielleicht nochmal genauer, aber für hier und heute soll das reichen.

Wir treffen uns jedenfalls am Monsterlager, Pensen, Labörnski, ich, Fred hat den Bus geholt und Claudio rauscht auch gerade an. Damit wären wir bis Essen komplett, da stoßen Rüdi und Lasse, unser Merchmeister, zu uns. Burger musste leider für heute kurzfristig aussteigen, es gab zu dringende Verpflichtungen, aber morgen wird er wieder an Bord steigen.

Wir kurven ziemlich problemlos über eine Autobahn voller defensiver FahrerInnen, anscheinend wirkt sich der hohe Spritpreis auf Deutsche so aus, wie es das Tempolimit ebenfalls täte. Aber da wir von verbrecherischen Lobbyisten regiert werden, wird das wohl niemals wahr werden, bzw. erst dann, wenn eben nix mehr übrig ist, was ja auch relativ bald sein wird.

Wir treffen unterwegs noch Jörn am Lusenparkplatz, denn er hat für uns wichtige Aufnahmemikros. Jörn hat uns vor vielen Jahren regelmäßig im Dortmunder FZW gemischt, und ist erstens ein sehr guter Typ und zweitens Beweis dafür, wie klein und verknotet die Kulturwelt doch ist. Wir haben nicht viel Zeit, aber die Freude war groß und wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen und klopfen auf Holz.

An der Essener Weststadthalle werden wir von Lasse und dem Hallenteam um Maren und Stephan empfangen, sehr herzlich, kompetent und eigentlich wie alte Freunde. Sowas tut natürlich der noch tourfrischfremdelnden Monsterseele gut, wir stürzen uns auf das leckere Veganbuffet und dann auf unsere Aufgaben. Songs üben, Bühne, bzw. Merch aufbauen, Kaffee trinken, Bücher einkaufen, Gästeliste erstellen etc.

Lasse hat eine neue Chuckkolletion an, schwarz/weiß, statt der gewohnten grün/rot-Kombi, steht ihm gut. Er lobt zudem meine Teekomposition, die ich für ihn gebraut habe, was im Grunde den Tag für mich unkaputtbar machen müsste, hätte ich den Tee nicht exakt nach seinem Rezept zusammengekocht. Es ist Jahre her und er erinnert sich nicht mehr, aber da kann man mal sehen: wer mit uns tourt, wird bräsig. Ihr wollt die Zutaten wissen? Kamille, Ingwer, Zitrone, Wasser, eventuell einen Tropfen Honig oder Agavendicksaft dazu. Sehr lecker und Rockenroll.

Der Soundcheck nimmt heute etwas mehr Zeit in Anspruch, da wir alle natürlich unsere neuen Songs durchprobieren und zudem die Halle sehr groß und vor allem hoch ist. Das erschwert einen klaren Sound, es hallt von allen Seiten, und darum heißt es auch „Halle“ Genau wie die Stadt, deren Ursprung bekanntermaßen in ihrem Sound liegt. Wieder was gelernt, wenn auch nur Unfug. Pardon. Dafür klingt es jetzt dank Claudio in Essen bestens.

Wir skippen jetzt aber nach vorne, ich verliere mich zu sehr in Details:

Das Konzert beginnt. Wir sind zittrig, freudig, aufgeregt, und das merkt man sicherlich. Nicht alle neuen Songs klappen fehlerfrei, aber das tun die alten schließlich auch nicht, und das ist auch überhaupt nicht schlimm, denn der Spirit heute ist einfach gut. Sehr wohlwollend, liebevoll und konzentriert bis ausgelassen. Es ist Donnerstag, das macht den Partyfaktor etwas niedriger als ekstatische Wochenendfeiern, dafür hören alle noch eine Spur aufmerksamer zu, und das ist gerade bei Aufnahmetouren für uns so wichtig und wünschenswert. Da Burger heute fehlt, füllen wir die Lücken durch Songs von uns, aber auch zwei seiner Evergreens spielen wir und sie werden adäquat zelebriert. Und es kristallisieren sich bereits heute unter den neuen Songs ein paar echte Highlights heraus, wobei nach unserem Empfinden die Lieder sowieso enorm gut aufgenommen werden. Beschwingt verabschieden wir uns nach einem tollen, wenn auch etwas chaotischem Konzert unter standing Ovations glücklich von der Bühne und trudeln gleich auseinander. Am Merchstand treffen wir uns noch mit Alex und Christian von Viva con Agua, die ebenfalls dank euch, wertem Publikum, einen sehr erfolgreichen Abend hatten, und auch dafür nochmal Dank von uns, denn das macht die Welt besser, und besser, da sind wir uns sicher einig, muss sie auch dringend werden.

Bei einem Wasser/Bier sitze ich noch mit lieben Freundinnen unseres Monstertrosses beisammen, was sehr schön, aber nicht allzu lang ist, denn da kommen bereits Lasse und Claudio mit unseren Kartons, und ich habe heute schon das Busausladen verschusselt, da will ich jetzt beim Einlanden wenigstens mal ein bisschen nützlich sein. Hernach gibt’s noch Brötchen, Bier und tolle Talks im Backstage, Costa von der Sondaschule ist da, Patte ebenfalls, und wie man an Photos Stunden später aus dem Hotelfoyer sehen kann, sind das perfekte Gäste für einen seligen Abend. Ich liege da allerdings bereits im Bett, nach einem Abschiedsbier mit Lasse, in dem wir uns hauptsächlich über Fettes Brot unterhalten haben, wurden mir Augen und Gehirn schwer, und ich gab der übriggebliebenen Restvernunft nach und verabschiedete mich von der wilden Horde toller Leute.

Ruhrpott, du bist ein Rohdiamant, aus Kohle gepresst und zu neuem Glanze erstrahlt. Kantig, funkelnd, eigen und kostbar. Wir haben dich lieb.