Tag des Abschieds: Wir erreichen heute Hamburg in den frühem Morgenstunden, Bernd wird uns am LOGO ausladen und dann ins heimische Berlin weiterfahren. Wir winken ihm dankbar für sein Dasein als Monstersfamilienmember und Supertyp nach und hoffen, er wird möglichst bald wieder zu unserem Kreis stoßen. Fühl dich geherzt, Bernd.
Ich bin allerdings schon vorher ausgestiegen, da ich einiges zu tun habe. Ich verlaufe mich auf dem Heimweg, finde dann aber doch noch die Bahn, komme daheim an und falle erstmal in anderthalb Stunden Tiefschlaf. Danach wird’s dann etwas hektisch, Laufe, Schreiben, Einkaufsplanung, zudem behauptet die Mietgesellschaft per Banderole, mein Fahrrad würde widerrechtlich fahren und sei nicht verkehrstüchtig und würde darum, sollte sich nicht alles ändern, am 11.05. entsorgt. Es steht angekettet vor meiner Haustüre am von der Mietgesellschaft installierten Fahrradständer und rollt wie eine Eins, als ich einkaufstechnisch durch die Gegend cruise.
Die Bahnen stehen später wieder Schlange am Hbf, deshalb komme ich etwas spät und sehr gehetzt am LOGO an, aber hier sind alle bester Laune, die Monsterskollegen, die LOGO-Crew, das erste wartende Publikum. Ich mache einen raschen Soundcheck und setze mich dann in den Backstage, ich brauche bekanntermaßen immer etwas, bis ich emotional ankomme.
Dieses Jahr ist überraschend Gomez gestorben, ein humorgesegneter Logo-Crew-Fels mit viel Seele und Herz, und seine Lücke ist überall spürbar. Wir schicken stille Grüße.
Doch es geht immer weiter, bei allen Verlusten, Mark und Benny von „Dein Topf e.V.“ kommen dazu, es gibt Dinge zu organisieren, KT Clue hat Burger mitgebracht und wir hören kauend seine Lieder.
Der LOGO-Backstage ist traditionell ein Umschlagplatz der Freundschaft, wobei zunächst noch gar nicht soviele vor Ort scheinen. Erst als wir die Bühne betreten, sehen wir in eine volle Hütte, in der in allen Ecken FreundInnen und langjährige GefährtInnen stehen, mitklatschen, singen und einen Budenzauber veranstalten, der sich gewaschen hat. Sandrine, Yvonne samt Gatten, Ulli, Julia, Dani, Fredi und Wiebke, Tobi, vergeblich, eine halbwegs vollständige Liste zu erstellen. Da kocht was hoch, tief aus dem Herzen, die Zuneigung ist echt und lang gewachsen und wir zelebrieren ein Miteinander. Naturgemäß ist es am 30.04. immer etwas lauter, wilder, feuchtfröhlicher, als am folgenden Tag, aber wer in den Mai tanzt, betreibt eben auch Hexenwerk, und so soll es sein. Die Luft dampft und alle schunkeln selig. In der Pause dann auch das gewohnte Miteinander im Backstage, Schmiddlfinger ist da und trinkt Eiswürfel pur, KT ist natürlich ebenfalls noch da, aber auch Jesse und Luna sagen „Hallo“, und ich hätte so gerne schon frei, um mitzufeiern. Stattdessen guck ich auf die Uhr und harre der zweiten Halbzeit, während die meisten Kollegen draußen rauchen. Ohne Zigaretten ist die Pause immer quälend lang.
Die zweite Hälfte bleibt euphorisch, allerdings macht sich langsam auch der Alkohol hier und da im Publikum bemerkbar, der Geräuschpegel bei den ruhigeren Stücken ist nun deutlich höher. Für die Balladen ist das etwas schade, zumal sie eigentlich gerade musikalisch sehr glänzen, aber dass ist eben auch der Tanz in den Mai und wir kennen das. Seegang und Sitzpogo, das LOGO bebt und die Party ist großartig. Unter einem Sturm der Liebe verlassen wir schlussendlich die Bühne und mischen uns unter das Volk. Ich sehe Fred tanzen, unterhalte mich selbst mit lieben Freunden, trinke zwei Jägermeister, um morgen nkicht komplett unverkatert zu sein und erfahre von einem jungen Mann, der sehr elegant in einer Mischung aus Ska und NDW-Style gekleidet ist, dass er heute extra aus Zwickau angereist ist und das keine Sekunde bereut hat. Er heißt Fabian und ich bin ernstlich gerührt, dass unsere kleine Kapelle so tolle Leute anzieht. Schade hingegen, dass Leo heute vorerst seinen Abschied aus der Monstersblase nimmt, aber da auch das bestimmt nur vorläufig ist, ist es zu verkraften. Vielen Dank, dass du eingesprungen und so ein guter Typ bist, herzlich willkommen in der Familie und bis ganz bald wieder.
Allzu lange dauert der Abend allerdings nicht, eine schnelle Dose Bier trinke ich noch mit Fredi und Wiebke an der Tanke beim Dammtor, dann rauscht die Bahn ein, ich kaufe zwei überteuerte Cro Baguettes und lasse den Abend in aller Stille zusammen mit Teddypard ausklingen, dessen Finder ich übrigens auch heute kennenlernen durfte. Die Story gefällt Teddypard natürlich besonders gut, wir schauen einander in die glänzenden Augen und verstehen uns wortlos.
Hamburg, du Perle, es ist so schön mit euch, und gleich geht’s weiter. Ein Wahnsinn, das alles. Vielen Dank dafür. Herrlich.