2. Mai 2026
von: Totte

Keine Ahnung, wer sich den Quatsch ausgedacht hat, jeden Tourtag zu joggen. Ach so, ich. Na ja, man kann nicht immer nur Geniestreiche abschießen. Meine Wohnung bedarf auch dringendst eines Frühjahrputzes, aber heute bleib ich hier liegen. Ach nö, heute ist ja Tourabschluss in Hamburg. Meine Freude ist riesig, zumal ich wieder getönt habe, für heute Blätterteigpizza zu backen. Also gut, ein bisschen jammern, dann auf, auf, Sportskamerad, und ab an den Ofen. Direkt bei der erste Pizza verbrenne ich mir die linke Hand, was sehr günstig fürs Gitarrespielen ist, danach geht`s dann bergauf, bergab und wieder rauf. Ich schreibe noch den Tourbericht, dann bekomme ich einen Rappel und laufe sogar noch eine Runde. Tolles Wetter, aber tolles Wetter bedeutet auch viele Menschen, und keiner von ihnen lächelt zurück. Vielleicht meine Aura heute?

In der Bahn zum Logo bin ich derart unbeholfen, dass nicht mal eine Seniorin mit Gehhilfe neben mir Platz nehmen will, und sich auch der Junge mit Roller, den seine Mutter danach neben mir platziert, äußerst skeptisch ob meines Typ scheint. Dabei bemerke ich, dass eine junge Frau sich das ganze Trauerspiel amüsiert anschaut, und ihr Sitzpogo-Aufnäher lässt mich kombinieren, dass sie soeben einem der Akteure ihrer heutigen Abendgestaltung beim Trotteln zusieht und wahrscheinlich just überlegt, ihre Karte zurückzugeben.

Im LOGO ist alles noch ruhig und restverkatert, die Monsters sind fast alle da, es gibt Soundcheck und Saftschorle, aber bereits mit Sehnsuchtsblick zum Prosecco.

Heute ist der Abend nicht ganz ausverkauft, aber durchaus mehr als ordentlich, ich bin gespannt, wie die Atmosphäre heute sin wird. Einige der treuesten Fans haben bereits im Vorfeld erklärt, es diesmal nicht zum dritten Abend zu schaffen, in den letzten Jahren sind eben viele Konzerte um diese Tage dazugekommen, da fällt die Entscheidung schwer. Ich selbst hätte auch drei Konzerte, die ich dieses Wochenende gerne angeschaut hätte.

Die Zeit zwischen Einlass und Konzert füllt sich durch Besuch von alleine, Claudios Geschwister Laura und Fabio sind da, und auch KT Clue kommt mit Freundin Suse, es entstehen kurzweilige Unterhaltungen zwischen Zigaretten und Toilettengang, Mark von „Dein Topf e.V.“ bringt gar ein Dankeschön Apfelsekt, es ist alles echt reizend.

Konzertstart:

Ich weiß nicht, was heute los ist, aber es ist einfach befreiend und schön. Wir sind ungehemmt und bestgelaunt und Unterhaltungen, Moderationen und Songs sind in einem Flow, wir erzählen einander und dem Publikum Geschichten unserer Wohnsituationen und lachen sehr viel. Es gibt leider ein technisches Problem, das genau in eine sonst perfekte Aufnahmeversion reinfickt, das ist sehr schade.

In der Pause eruieren wir darum erstens den Fehler, zweitens die Frage, ob wir den Song nicht einfach nochmal spielen. Spannender Lifestyle, jetzt erstmal auf Klo.

Zweite Hälfte: Ich hätte nicht gedacht, dass noch eine Steigerung drin sei, aber Hamburg dreht noch weiter auf. Es fühlt sich alles richtig und gut an, genau so, wie es gerade ist, wir gehen alle im Moment auf und dsie Musik klingt bis in die Herzkammern.

Zwischendurch verteilen wir Blätteteigpizza, dafür bekommen wir leckere Frannzbrötchen zurück, es ist ein magischer Abend. Sandrine hat ihr 151tes Monsterskonzert, unglaublich und uneinholbarer Rekord, wir ziehen dankbar den Hut vor dir, und beim Seefahrerlied kochen die Gefühle allerorts hoch. Ein letztes Mal verbeugen wir uns, ein letztes Mal dankt Udo Jürgens, ein letztes Mal verlassen wir die Bühne. Bis zum nächsten Mal.

Der Rest des Abends ist ein Emotionsrausch, soviele liebe Leute, soviele Gespräche, die das Herz füllen, es ist nicht einzeln aufzuzählen, obwohl ich mir das jeden Abend für den nächsten Bericht vornehme. Tatsächlich bleibt immer derart viel auf der Strecke, dass man in den Folgewochen zu jedem Bericht noch ergänzende Anekdoten hinterherschieben müsste, aber ein bißchen gibt es ja auch andere Texte zu schreiben, und letztlich gilt für Konzerte, genauso wie fürs Leben: Genieß den Moment, dabei sein ist alles. Zumindest das meiste.

Wir danken an dieser Stelle allen, die diese Tour zu einer so großartigen Zeit gemacht haben, und darüber hinaus allen, die hinter den Kulissen stets für uns da sind:

Nico, Urs, Bernd, Lasse, Leo, Mark, Claudio, Michi, den Merchcowboys, Soelve, Fabi, Sonja, allen VeranstalterInnen, die es immer wieder mit uns versuchen, Dein Topf e. V., Viva con Agua, und natürlich absolut euch allen. Es ist ein großes Privileg, dass wir das tun können, was wir tun, und das verdanken wir nur euch. Ihr füllt unsere einstige Schnapsidee mit Wahrhaftigkeit auf, und so wird aus Träumen Realität. Unsre heißt „Monsters of Liedemaching“, und das wird sie hoffentlich noch eine ganze Weile bleiben. Seifenblasen sind schließlich Visionentransporter.

Bleibt, wie ihr seid, und so glücklich wie möglich. Wir sehen uns bald wieder.