Lagerhaus (ausverkauft), Bremen
09. Nov. 2018

Tourtagebuch

Lagerhaus (ausverkauft), Bremen

09. Nov. 2018

von Totte

Zeitgleich erwacht in sonniger Pracht. Oder so ähnlich. Vermutlich weniger poetisch. Aber frisch und gut gelaunt. Fred schwärmt von der Dusche, wie er sonst nur vom Weltfrieden schwärmt, jedenfalls macht mich das neugierig und ich nutze sie schnell noch vor dem Frühstück. Fazit: Es ist eine Dusche.

Beim Frühstück treffen wir die werten Kollegen, ausgenommen Börnski, der schon Stunden vor uns hier war, nachdem er einen seltsamen Traum über spiegelnde Nebel gehabt hat. Wir bericteten bei Instagram davon. Apropos Instagram: Die Monsters drehen derzeit wieder am Rad. Auf der Fahrt nach Bremen ist alles einen Beitrag wert, Mönchengladbacher Fußballer, eine Türenfabrik, manchmal reichen auch unsere eigenen Gesichter. Mediales Entertainment via Nullinformation. Zutiefst menschlich.

Vom vielen Kaffee muß ich eigentlich minütlich auf Toilette, den anderen ist das aber recht, weil dadurch genügend Kippenpausen zustande jkommen, aber irgendwann erreichen wir tatsächlich Bremens Lagerhaus. Es ist ein wrig wie heimkommen, denn schon oft spielten wir hier und es war jedesmal wunderschön und enorm herzlich. An dieser tradition wollen wir selbstverständlich festhalten. Nur Lasse und Urs machen kurzzeitig einen Strich durch diese Rechnung, weil sie uunbedingt den Bus ausladen müssen, als ich es mir gerade mit einer Semmel gemütlich gemacht habe. Schlechtes Gewissen überwiegt und so greife auch ich mir Merchkisten und Kühlschrank, nicht ohne vollmundig mümmelnd zu meckern. Aber schon fünf Minuten später ist wieder alles eitel Sonnenschein. Kaffee, Wasser, Haake-Beck. Wir proben etwas, drehen einen Tourteaser, essen leckere Tortellini (...loni?), die Zeit schleicht dennoch. Frische Mische sind am fleißigsten, üben, singen und erfinden permanent neue Lieder. Dazwischen hören wir „Abstürzende Brieftauben“. Und endlich ist es acht o 'clock, überpünktlich starten wir today, denn es gibt einen strikten Curfew, den wir einhalten müssen. Das Lagerhaus ist ausverkauft und zwar mit erlesensten Menschen, die aboslut anbetungswürdig abgehen. Wir selbst sind auch in wenig besser eingespielt als gestern, aber nicht zu sehr, es passieren genügend spontane Dinge. Bei Sängerglück stehen alle auf, nicht nur Labörnski, Fred philosophiert über Nasenflöte unter Schnupfen, Rüdi wird ständig vom Publikum besungen, Burger vreißen Saiten und es ist alles ein Fest der Herzlichkeit. Es gibt Pogo und Geschunkel, es wird gesungen und gefeiert. Wundervoll. Es ist ja nun so, dass ich schon etwa einen oder fünfhundert Tourberichte geschrieben habe, und manchmal fürchte ich, mich zu. wiederholen. Eine berechtigte Furcht, denn natürlich gibt es Wiederholungen, Sätze wie: „Das Publikum pogt, singt und macht gehjörig mit“ tauchen imer wieder auf. Aber erstens sind diese Sätze voller Wahrheit und zweitens ist das Gefühl, von der Bühne zu schauen und diese Momente zu erleben, derartig herausragend, dass Worte das kaum noch greifen können. Kurz gesagt: Wkir sind voller Dankbarkeit, für Euch monstern zu dürfen.

Nach dem Konzert treffen wir viele gute Menschen, ich trinke rasch Berliner Luft, und schon kurz darauf steht fest, dass ich noch weiterfeiern will. Urs, Rüdi und Börnski sind dabei, außerdeem noch ein extrem sympathischer Trupp BremerInnen, wir laufen los, stehen Schlange an der Sparkasse, es gibt ein Wegbier, dann landen wir im „Marlenchen“, einer Kneipe von der ich sofort Fan bin, besonders, nachdem plötzlich Sonic Youth läuft, was ich noch nie in Kneipen erlebt habe. Mein Herz weitet sich und ich will sofort in Bremen leben. Vorher schnell noch zuviele Pfeffis und lekeres Bier, dessen Namen ich vergessen habe, ich bin zugegebenermaßen heute etwas konothematisch dumpf unterwegs, aber ich glaube, die Monsterskollegen haben meinen zweifelhaften Eindruck beim Bremer Tross wieder wettgemacht. Nach der Keipe geht’s noch zum Imbiß „Tandouri“, viel ist hier los und ich bestelle Pizza mit der innigen Bitte „extrascharf“. Und das bekomme ich. Aber wie. Es brennt mir die Plomben durch, das Zäpfchen schwitzt, der Gaumen explodiert. Ansonsten ist sie lecker, glaube ich. Dennoch: An morgen mag ich lieber nicht denken. Natürlich esse ich trotzdem auf, schließlich bin ich ein Trottel.

Im Hotel: Ich teile mir ein Zimmer mit Börnski, wir trinken noch ein Bier, ich rede und rede und sage nichts dabei, wir lachen sehr viel und produzieren versehentlich noch Glasbruch. Zur Strafe trete ich mir einen Splitter ein, so ein fieses Miniding, dass natürlich nicht mehr rausgeht, aber beim Gehen piekt. Egal, davon lasse ich mir den tollen Tag nicht versauen. Bremen: Ihr seid einfach zauberhaft. Publikum, Lagerhaus-Team, einfach alle! Und die Tradition blieb gewahrt: Es war ein Traum der Herzlichkeit. Und dann noch Sonic Youth in einer Kneipe. Das nenn' ich mal Stil!

 

 

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