Tourtagebuch

Logo **AUSVERKAUFT**, Hamburg

01. Mai. 2009

von Totte

Sonniger Samstag in Hamburg, der Kaffee ist frisch, ich bin in der WG meiner Freundin und lasse nun –es ist 9:55 Uhr, den gestrigen Tag Revue passieren.
Der Timescroll rattert drum nun rückwärts, wir landen am ersten Mai um 10:30 Uhr in Hamburg, Ortstermin Casa Flottbek: Mein Wecker schickt graue Radiomelodien in meine Gehörgänge. Wie besoffen torkle ich ins Bad, die gestrige Nacht bestand aus einer 400 Kilometertour von Gotha zur Heimstadt: fred und Claudio sind gefahren, die harten Kerle – Respect!
In unserer WG drum just verschiedenste Versuche, sich durch Musik und Koffein fit zu schaukeln: Supertramp im Wohnzimmer, die goldenen Zitronen und Regierung in meiner Kajüte. Beides klappt so halbwegs.
Um halb 12 Uhr Abfahrt ins Logo, 12 Uhr Ankunft, dann Aufbau und familiäre Gefühle bei der Begrüßung der LOGO-Crew: Unser Homeclub, definitiv!
Familiär ist überhaupt die beste Umschreibung des gesamten Tages: Unsere traditionellen Katerkonzerte sind immer ein bißchen näher, gemütlicher, lockerer und inoffizieller als andere Konzerte, was sicherlich auch mitz der Zeit des Geschehens zu tun hat: Einlaß 14, Beginn 15 Uhr. Heute alles bei strahlendem Sonnenschein!
Bis zum Einlaß aber noch Kaffee, Bänke aufstellen, Soundcheck, ein schön verpelites Interview mit dem unisender Eldoradio und Bestaunen des Rollmopsbüffets, das Logochef Eberhard hier wieder freundlicherweise für die Konzertbesucher bereitgestellt hat.
Dann aber Einlaß: Hier hamwas ja wieder, dieses Familiending: Derart viele Freunde und Bekannte, daß die Aufzählung locker den Rahmen des Berichtes sprengen würde. Kurz überlegte ich auch, allein durch jene Aufzählung allein die Atmosphäre des Konzerts zu charakterisieren, aber meine Sorge, jemanden zu vergessen, ist einfach zu groß. Drum flugs zum Konzert:
Ausverkauft ist das Logokonzert schon länger, aber es zählt ja nicht nur die Quantität: Es freut mich, hier verlautbaren lassen zu können, daß das Publikum qualitativ genauso beeindruckend ist wie zahlenmäßig: Einfach so viele freundliche Menschen auf einem Haufen, alles aggressionsfrei und nett.
Der Sauerstoff ist schon bei den ersten Tönen von der Bühne verbraucht, aber ausgleichend können wir ja heute eine etwas längere Pause einschieben. Das Konzert als solches läuten wir heute erneut mit Börnskis Handymelodie ein, was folgt, ist ein extrem bunter Reigen aus schönsten Songs unseres Repertoires.
Wir sind herrlich ausgelassen auf der Bühne, ein seltsames Gefühl totaler Vertrautheit umgarnt uns, so entwickeln sich diverse spontane Perlen rhetorischer Art ganz von alleine. Und sowas tut unseren Auftritten immer gut!
Hamburg ist eine Bank, das ist ein Naturgesetz, ein Axiom und unumstößlich!
Fred spielt – unseren Kumpels Fred (ein anderer) und Jörn – die heute schon zum wiederholten Male netterweise für uns den Merchjob übernehmen – das Lied „Spaßbremsenfete bei Jör(g)n“, aus dem Herzblatthubschrauber wird der Herzbluthauptschüler, was auch immer das bedeuten soll, der Wellensittich wird vom Publikum beinahe allein gesungen, Rüdi wird irgendwann noch zum Guru einer eigenen Sekte, wenn die Verehrung noch weiter wächst, und singt sein „Sonntag“ so authentisch inbrünstig wie selten, Pensen und Börnski glänzen durch absolut dadaistische Glanzleistungen bei ihren Ansagen, „Pure Emotion“ wird einem Fußballer gewidmet, den ich nicht kenne (was unter anderem daran liegen mag, daß ich gar keine Fußballer kenne) und trifft damit absolut den Nerv des Publikums, und Burger sorgt für große Momente der Rockerunft – es ist wirklich ein Fest! Nein, diesmal trifft der Retrobegriff Fete es besser, denn der klingt viel ungeplanter und leichter: Und genau so ist es. Ich komme mir schon blöd vor, vom „Publikum“ zu schreiben, denn dem ganzen haftet etwas derart freundschaftliches an, man kann sagen: der Raum ist die Band!
Auch Urs, der im Wechsel mit Claudio unser Tonmonster gibt, kommt vorbei, was bedeutet, daß endlich mal alle Monstermember komplett versammelt sind, das ist einfach alles wundervoll!
Wir spielen heute etwas länger, das gehört sich so, aber irgendwann ist dann doch das letzte Lied verklungen und alles trifft sich im Sonnenschein vor dem Logo: Das ist nämlich auch so eine schöne Sache am Katerkonzert: Nach dem Gig hat es keiner eilig, nach Hause zu kommen. Ich trinke zu hastig zwei Bier und bin herrlich beduselt, da greifen die Glückshormone und machen pathetisch – ein bißchen scheint davon ja jetzt noch übriggeblieben zu sein.
Dennoch bin ich einer der ersten Monster, die den Schauplatz verlassen, denn mich quält der Hunger, und während ich mich langsam entferne, sehe ich noch, wie sich Rüdi mit Gitarre vor edem Club niederlässt und es scheint, als würde das ganze noch sehr, sehr nett. Verdient hat das Hamburg auf jeden Fall – größtes Arigato und Au revoir, auf Wiedersehen! Hamburg: Nach dem ersten Mai ist vor dem ersten Mai! Noch so ein Axiom, richtig? Richtig!
Ich verabschiede mich nun aus dem Kosmos der Berichte, denn für morgen hat sich Claudio angeboten, mal zu erzählen, wie das alles aus seiner Sicht in Lübeck lief. Und darauf freue ich mich jetzt schon!

Galerie

Podcast

>